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„Ziel unserer Arbeit ist es, in ganz Deutschland ein Selbsthilfegruppen- Netzwerk aufzubauen.“

Fragen an Matthias Kollmar, 1. Vorsitzender des Bundesverbands Defibrillator (ICD) Deutschland e. V.

Matthias Kollmar, 1. Vorsitzender des Bundesverbands Defibrillator (ICD) Deutschland e.V.

Welche Aufgaben und Ziele verfolgt der Bundesverband?

Zu unseren Hauptaufgaben zählt es die  Defibrillator- bzw. Schrittmacherträger überregional zu vertreten, sowie die Selbsthilfegruppen tatkräftig zu unterstützen. Ziel unserer Arbeit ist es, in ganz Deutschland ein Selbsthilfegruppen- Netzwerk aufzubauen. Dadurch möchten wir erreichen, dass die Betroffenen maximal 40 Minuten zur Selbsthilfegruppe fahren müssen und auch die Möglichkeit haben, sich außerhalb der Gruppe mit den  Teilnehmern zu treffen. Darüber hinaus sehen wir es als selbstverständlich an, dass wir uns sozial und politisch engagieren und das Bewusstsein und die Hilfsbereitschaft der Bevölkerung in Notsituationen durch unsere Arbeit zu schärfen. Einmal im Jahr findet unsere Jahrestagung statt, zu der die Sprecher der Landesverbände, die SHGs, Mitglieder und auch Nichtmitglieder eingeladen sind.

Welche Angebote bieten Sie den Betroffenen?

Unsere Gruppensprecher erhalten Schulungen zu verschiedenen Themen, um die Gruppentreffen so effektiv wie möglich gestalten zu können. Die Gruppenmitglieder können sich bei der Themenwahl aktiv einbringen und Wünsche äußern. Zusätzlich bieten wir eine Telefonberatung an – ich habe alleine im letzten Jahr ca. 800-1200 Anrufe von Betroffenen erhalten, die unseren Rat und unsere Hilfe gebraucht haben. Wir begleiten die Betroffenen zu Arztterminen, wenn sie dies wünschen oder vermitteln ihnen Termine. Ein großer Teil unserer Arbeit und unseres Angebots besteht darin, den Betroffenen die Angst zu nehmen, die der Defibrillator ausgelöst hat. Dies ist im ersten Moment ein großer Schock und schmerzt auch. Viele haben danach vor alltäglichen Aufgaben Angst, wie beispielsweise Staubsaugen. Hier begleiten wir stark und helfen in einen normalen Alltag zurück. Wir möchten den Betroffenen ihre Lebenslust und Lebensqualität wieder zurückgeben. Innerhalb der  Gruppen finden auch oft offene Gesprächsrunden, Ausflüge, Sommerfeste, etc. statt.

Wie können sich Betroffene die Treffen in einer Selbsthilfegruppe vorstellen?

In der Regel finden die Gruppentreffen ein- bis zweimal im Monat statt und richten sich thematisch nach den Wünschen der gesamten Gruppe. Mehrmals im Jahr kommen auch Techniker der verschiedenen Hersteller in die Gruppen, um den  Betroffenen die Geräte zu erklären und Fragen zu beantworten. Fachärzte haben in ihrer Sprechstunde meist keine Zeit alle Fragen der Betroffenen detailliert zu beantworten. Aus diesem Grund laden wir Fachärzte zu Vorträgen in die Gruppen ein, um Betroffene aber auch ihre Angehörigen so breit wie möglich zu informieren. Für uns ist es wichtig, auch die Angehörigen als vollwertige Mitglieder in die Gruppen zu integrieren. Schließlich sind sie direkt mit den Alltagsproblemen, Schwierigkeiten und Sorgen betroffen. Einmal im Jahr stehen die Angehörigen bei uns in einer Angehörigengruppe im Vordergrund. Wir wollen damit eine starke Verbindung schaffen und den Betroffenen signalisieren, dass sie im Alltag nicht alleine sind.

Kontakt

Geschäftsstelle Defibrillator (ICD) Deutschland e. V.

Matthias Kollmar
Richard-Wagner-Straße 4
69214 Eppelheim
Tel. 06221 8728994
E-Mail: geschaeftsstelle@defibrillator-deutschland.de

www.defibrillator-deutschland.de

Patientenzeitschrift Heft 15

Die Ortenau Gesundheitswelt informiert Patienten und Besucher des Ortenau Klinikums halbjährlich über wichtige Gesundheitsthemen wie Prävention, Erkrankungen und Therapiemöglichkeiten.


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