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Schlaganfall – jede Sekunde zählt

Lähmung, Taubheitsgefühl, Sprachstörungen – die Anzeichen für einen Schlaganfall sind vielfältig und treten meist plötzlich auf. So auch bei der 27-jährigen Simone Koch*, die in der Offenburger Innenstadt plötzlich bewusstlos wird. Durch schnelles Handeln von Passanten erreicht sie rechtzeitig die Stroke Unit der Neurologie des Ortenau Klinikums an der Betriebsstelle Ebertplatz, wo sie von einem hochspezialisierten Team behandelt wird.

Lähmung, Taubheitsgefühl, Sprachstörungen – die Anzeichen für einen Schlaganfall sind vielfältig und treten meist plötzlich auf.

Priv.-Doz. Dr. Vincent Ries, Chefarzt der Klinik für Neurologie mit regionalem Schlaganfallschwerpunkt und Zentrum für Schlafmedizin am Ortenau Klinikum Offenburg- Gengenbach

Schaubild Fast Test © Ortenau Klinikum

Wer einen hängenden Mundwinkel, einen tauben Arm oder Sehstörungen wahrnimmt, greift meist folgerichtig zur Notfallnummer. „Es gibt aber auch Symptome für einen Schlaganfall, die nicht so eindeutig sind: Sie treten unter Umständen weniger intensiv oder nur kurzzeitig auf“, gibt Priv.-Doz. Dr. Vincent Ries, neuer Chefarzt der Klinik für Neurologie mit regionalem Schlaganfallschwerpunkt und Zentrum für Schlafmedizin am Ortenau Klinikum Offenburg-Gengenbach, zu bedenken. „Wenn eine Hand für ein paar Minuten nicht funktioniert, könnte der Auslöser eine vorübergehende Durchblutungsstörung im Gehirn sein – ein möglicher Vorbote für einen manifesten Schlaganfall!“ Wichtig sei es daher, sofort den Notarzt unter 112 zu rufen und den Verdacht bereits am Telefon zu äußern.

Frühe Reaktion bedeutet mehr Therapiemöglichkeiten


Bei einem Schlaganfall handelt es sich bei der Mehrzahl der Patienten (circa 85 Prozent) um eine Durchblutungsstörung im Gehirn („Hirninfarkt“), ausgelöst durch eine Verstopfung oder Verengung der Blutgefäße. Grund hierfür können ein verschlepptes Blutgerinnsel (Embolus) oder eine Gefäßverkalkung (Arteriosklerose) sein. Nur in etwa 15 Prozent der Fälle besteht eine Hirnblutung. In der Stroke Unit, der Schlaganfalleinheit, werden betroffene Patienten rund um die Uhr von einem multiprofessionellen, speziell geschulten Team aus Ärzten, Pflegekräften und Therapeuten behandelt.

Zu Beginn werden Anamnese und eine neurologische Untersuchung durchgeführt. „Per Computertomographie oder Kernspintomographie können wir dann Gehirn und Hirngefäße darstellen und prüfen, welche Behandlung die richtige ist“, erklärt Priv.-Doz. Dr. Ries. „Hier spielt vor allem der Zeitfaktor eine wichtige Rolle. Nur wenn der Patient rechtzeitig die Klinik erreicht, stehen uns alle therapeutischen Möglichkeiten zur Verfügung.“ Bei einer Verstopfung der Blutgefäße kann bis zu viereinhalb Stunden nach dem Ereignis die sogenannte Lysetherapie angewandt werden. Hierbei verabreicht der Arzt Medikamente, die das Blutgerinnsel auflösen können. So wird die verstopfte Hirnarterie frei, ein Absterben der Nervenzellen des Gehirns kann verhindert und schwere Behinderungen nach einem Schlaganfall können vermieden werden. „Eine weitere Möglichkeit, die bei einzelnen Patienten mit einem Schlaganfall in Betracht kommt, ist die Thrombektomie“, so der Chefarzt. „Dabei wird ein Katheter über die Leiste ins Gehirn geführt und das Blutgerinnsel herausgezogen.“

Risikofaktoren minimieren

„Ein bis drei Tage nach einem Schlaganfall ist das Risiko für ein weiteres Ereignis am größten“, erklärt Priv.-Doz. Dr. Ries. „Daher werden auf der Überwachungsstation kontinuierlich alle lebenswichtigen Funktionen überprüft. Je nach Symptomatik können die Patienten nach ihrer Behandlung nach Hause oder in eine Rehabilitationsbehandlung gehen. Da wir bereits ab Tag eins mit der rehabilitativen Therapie beginnen, ist der Übergang nahtlos.“ Die Stroke Unit umfasst derzeit neun Betten und wird diesen Sommer um vier Betten erweitert werden. „Wir brauchen diese Kapazitäten, um die Patienten auch weiterhin adäquat versorgen zu können“, bringt der Chefarzt an. „Unsere Gesellschaft wird immer älter, sodass auch die Zahl der Schlaganfallpatienten weiter zunehmen wird.“

Doch nicht nur das Alter erhöht das Risiko, einen Schlaganfall zu erleiden. Auch Übergewicht, mangelnde Bewegung, Bluthochdruck, erhöhte Cholesterinwerte und Rauchen tragen dazu bei. Ein gesunder Lebensstil kann bei der Vorbeugung helfen. Tritt der Notfall ein, können Folgeschäden nur durch schnelles Handeln und die richtige Therapie abgewandt werden – wie im Fall von Simone Koch. Dank dem beherzten Eingreifen ihrer Mitmenschen konnte zeitnah eine Lysetherapie durchgeführt werden. Bereits wenige Stunden später war sie wieder nahezu beschwerdefrei.

*Name durch die Redaktion geändert

Ihre Fachklinik vor Ort

Neurologie, Regionaler Schlaganfallschwerpunkt (Stroke Unit), Schlafmedizin

Betriebsstelle Offenburg Ebertplatz
Priv.-Doz. Dr. Vincent Ries
Ebertplatz 12
77654 Offenburg
Tel. 0781 472-2701
E-Mail: neurologie.og@ortenau-klinikum.de