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Ratgeber Pflege: Pflege und Betreuung von Schlaganfall-Patienten – Interview mit Sebastian Schön

Einer der häufigsten Gründe für Pflegebedürftigkeit ist der Schlaganfall. Betroffene sind in ihrem Alltag auf Hilfe und Unterstützung angewiesen – manche von ihnen rund um die Uhr. Angehörigen ist es vielfach nur schwer möglich, Berufs- und Alltagsleben mit der Pflege eines stark pflegebedürftigen Familienmitgliedes zu vereinen. Das Pflege- und Betreuungsheim Ortenau Klinikum in Gengenbach-Fußbach bietet den Pflegebedürftigen ein neues Zuhause in familiärer Atmosphäre und Unterstützung im Alltag, ohne die Betroffenen zu bevormunden. „Wir bieten vor allem Hilfe zur Selbsthilfe: aktivierende Pflege und Unterstützung. Das motiviert und stärkt das Selbstbewusstsein“, sagt Sebastian Schön, stellv. Pflegedienstleiter des Pflege- und Betreuungsheims Ortenau Klinikum in Gengenbach-Fußbach.

Sebastian Schön, stellv. Pflegedienstleiter des Pflege- und Betreuungsheims Ortenau Klinikum in Gengenbach-Fußbach

Was bedeutet „aktivierende Pflege“?
Sebastian Schön: Bei einer aktivierenden Pflege werden die Fähigkeiten und die Ressourcen des Betroffenen miteinbezogen. Der Bewohner führt die Tätigkeiten aus, die er noch ausführen kann, selbst wenn er dies nicht mehr perfekt hinbekommt. Durch das tägliche Üben und „Selber-machen“ kann man weitere Einschränkungen verhindern oder sogar schon verlernte Fähigkeiten wieder zurück erlangen. Die Hilfe unserer Pflegekräfte konzentriert sich in diesem Falle auf das Beobachten und das Anleiten des Bewohners.

Wie kann sie Menschen nach einem Schlaganfall helfen?
Sebastian Schön: Gerade Schlaganfallpatienten verlieren je nach Hirnregion und Intensität viele ihrer Fähigkeiten. Sie müssen diese neu oder wieder erlernen. Die nicht betroffenen Hirnregionen können die Funktionen der geschädigten übernehmen. Dies gilt es durch tägliches Training zu üben. Die aktivierende Pflege unterstützt die Physio-, Ergo- und Logopädie, die im Falle eines Schlaganfalls je nach Ausprägung dringend notwendig sind. Im Laufe der Behandlungen sind oft große Fortschritte möglich, die man anfänglich nicht für möglich hielt. Sprachschwierigkeiten sind mit Hilfe von kurzen Sätzen oder mit Fragestellungen, auf die man mit „ja oder nein“ antworten kann, gut zu überbrücken.

Worin sehen Sie die größte Herausforderung bei der Pflege der Schlaganfallbetroffenen?
Sebastian Schön: Die größte Herausforderung als Pflegekraft ist, sich zurückzunehmen und nicht versuchen, alle Handgriffe für den Pflegebedürftigen zu übernehmen. Schlaganfallpatienten brauchen viel Ansprache und Geduld. Sie verzweifeln oft daran, dass sie gewisse Dinge nicht mehr machen können. Falls die Betroffenen nicht mehr sprechen können heißt das nicht, dass sie die Situation nicht wahrnehmen oder dass auch ihr Verstand gelitten hat. Auch die Patienten müssen Geduld mit sich selbst haben. Darum ist wichtig, dass man als Pflegekraft immer wieder motiviert und ermutigende Worte findet. Das Zusammenspiel zwischen Therapeuten, Pflegekräften, Angehörigen und dem Betroffenen selbst ist mit das Wichtigste, um die neue Lebenssituation zu erleichtern.

Kontakt

Ortenau Klinikum Offenburg-Gengenbach

Pflege- und Betreuungsheim Ortenau

Hubert Fehrenbacher
Fußbach 5
77723 Gengenbach
Tel. 07803 805-0
E-Mail: info.pb@ortenau-klinikum.de