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Mini-Computer rettet Leben

Leben mit einem Herzschrittmacher – ist man dabei eigentlich eingeschränkt? Wie verhält es sich mit der Flughafen-Sicherheitskontrolle? Und wie funktioniert so ein Gerät überhaupt? Dr. Bruno M. Kaufmann, Chefarzt der Inneren Medizin am Ortenau Klinikum in Wolfach, kann diese Fragen beantworten.

Dr. Bruno M. Kaufmann, Chefarzt der Inneren Medizin am Ortenau Klinikum Wolfach

Schaubild Herzschrittmacher

Viele medizinische Errungenschaften halten wir inzwischen für selbstverständlich – darunter auch den Herzschrittmacher. Das erste Gerät wurde 1958 in Schweden implantiert. Seitdem hat die Technik große Fortschritte gemacht. „Ein moderner Schrittmacher hat ungefähr die Größe einer zwei-Euro-Münze,“ erklärt Dr. Kaufmann. Der intelligente Mini-PC wiegt gerade einmal so viel wie ein gehäufter Teelöffel Salz. Trotzdem rettet er Leben.

Elektrische Impulse regen Herzschläge an

Um unser Blut in Bewegung zu halten, zieht sich das Herz nach einem bestimmten Rhythmus zusammen. „Im gesunden Zustand ist dies etwa 60 Mal pro Minute der Fall“, so der Mediziner. „Die Kontraktionen werden von einem Nervenpunkt im Herzen gesteuert, der Sinusknoten genannt wird.“ Von ihm gehen verschiedene Nervenfasern aus, die in alle Regionen des Herzens führen. „Gibt der Sinusknoten zu wenige Impulse ab oder ist die Weiterleitung gestört, kann sich dies in Herzstolpern, zunehmend geringerer Belastbarkeit oder Schwindelattacken äußern“, legt Dr. Kaufmann dar. „Setzt der Herzschlag länger als dreieinhalb Sekunden aus, wird das Gehirn nicht mehr ausreichend durchblutet und der Betroffene wird bewusstlos.“

Ein Schrittmacher wirkt dem entgegen. Spezielle Drähte – die Elektroden – führen vom Gerät in das Herz und registrieren dessen Rhythmus. Ist dieser zu langsam oder setzt aus, regt der Mini-Computer mit kleinen elektrischen Impulsen zum regelmäßigen Herzschlag an. „Die modernen Geräte können sich an die körperliche Beanspruchung ihres Trägers anpassen und sogar Informationen speichern, die bei der Kontrolle abgefragt werden“, erklärt der Chefarzt.

Kurzer Eingriff bei örtlicher Betäubung

Für die Implantation des Schrittmachers reicht meist eine örtliche Betäubung aus. Nach einem kleinen Hautschnitt werden Elektroden über eine Vene bis zum Herz vorgeschoben, dort verankert und anschließend getestet. Das Gerät selbst wird unterhalb des Schlüsselbeines im Unterhautfettgewebe eingesetzt. Normalerweise dauert die Operation nicht länger als eine Stunde. „Nach ihrer Entlassung finden sich die Patienten in regelmäßigen Abständen bei uns ein, um das Gerät und den Zustand der Batterie überprüfen zu lassen“, so der Facharzt für Innere Medizin mit Schwerpunktanerkennung Kardiologie. Das funktioniert völlig schmerzlos anhand eines Programmierkopfes, der auf die Haut über dem Herzschrittmacher gelegt wird. „Bis die Batterien erschöpft sind dauert es durchschnittlich fünf bis zehn Jahre“, berichtet Dr. Kaufmann. „Das Gerät wird dann ausgetauscht.“

Die Technik schreitet weiter voran

Im Alltag sind Herzschrittmacher meist kein Problem mehr. Bei der Kontrolle am Flughafen beispielsweise zeigt der Patient seinen Herzschrittmacherausweis vor und wird manuell kontrolliert. „Starke elektromagnetische Felder, die das Gerät beeinflussen könnten, gibt es im häuslichen Umfeld kaum“, beruhigt der Chefarzt. Bestimmte medizinische Behandlungen, bei denen elektromagnetische Felder genutzt werden, sind bei Schrittmachern nur eingeschränkt möglich. Doch auch hier schreitet die Technik voran, wie Dr.  Kaufmann berichtet: „Inzwischen gibt es auch Geräte, die speziell für diesen Einsatz geeignet sind.“ Dr. Bruno M. Kaufmann

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Tel. 07834 970-301
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Patientenzeitschrift Heft 15

Die Ortenau Gesundheitswelt informiert Patienten und Besucher des Ortenau Klinikums halbjährlich über wichtige Gesundheitsthemen wie Prävention, Erkrankungen und Therapiemöglichkeiten.


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