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„Das Leben geht weiter, auch nach einem Schlaganfall“

Fragen an Petra Junker, Leiterin der Schlaganfall Selbsthilfegruppe SAS – ORTENAU für Betroffene von Schlaganfällen, Aphasien und Schädel-Hirn-Traumata

Petra Junker © privat

Mit welchen Auswirkungen sind die Betroffenen infolge eines Schlaganfalls konfrontiert?

Jeder einzelne Schlaganfall ist verschieden. Ein Drittel der 270.000 Schlaganfälle, die in Deutschland pro Jahr auftreten, ziehen nachhaltige Behinderungen nach sich. Diese können von Koma, über Lähmungen und Störungen der Sprache, bis hin zu Wesensveränderungen reichen. Diese Behinderungen müssen Betroffene und Angehörige akzeptieren und ihren Alltag danach neu regeln.

Weniger bekannt als Schlaganfälle sind Schädel-Hirn-Traumata und Aphasien. Was kann man sich darunter vorstellen?

Bei Aphasien verlieren Betroffene infolge von Hirnerkrankungen oder -verletzungen das Sprechvermögen. Schädel-Hirn-Traumata werden durch Unfälle ausgelöst. Die Auswirkungen sind allerdings die gleichen wie bei Schlaganfällen, deswegen sind auch diese beiden Krankheitsbilder Teil unserer Gruppe.

Was bieten Sie an, um Betroffene und auch Angehörige zu unterstützen?

Die Angehörigen sind genauso ein wichtiger Teil unserer Gruppe wie die Betroffenen. Beide müssen lernen, mit der Erkrankung und der Behinderung umzugehen. Alltäglichste Dinge wie beispielsweise Treppensteigen werden zu großen Problemherden und es erfordert viel Organisation, das Leben neu zu regeln. Gerade bei dieser Neuregelung fühlen sich die Angehörigen aber oft alleine gelassen. Wir tauschen uns darüber aus und informieren, wo es Unterstützung gibt. Bei Bedarf vermitteln wir auch an Kliniken und Rehaeinrichtungen – wir pflegen beispielsweise einen guten Kontakt mit dem Ortenau Klinikum. Vor allem aber sagen wir den Betroffenen und den Angehörigen: „Sie sind nicht allein und es gibt auch ein Leben nach dem Schlaganfall.“

Wie kann man sich ein Treffen Ihrer Gruppe vorstellen?

Wir haben einmal im Monat einen Stammtisch im barrierefreien Mercure Hotel im Offenburg, bei dem wir unsere Erfahrungen und Tipps austauschen. Außerdem veranstalten wir regelmäßig Vorträge, unternehmen gemeinsame Ausflüge oder sogar Städtereisen und organisieren Feste – eigentlich ist bei uns immer etwas los. Von März bis Dezember golfen wir einmal pro Woche gemeinsam. Das ist auch mit halbseitigen Lähmungen – eine häufige Folge von Schlaganfällen – möglich, macht viel Spaß und fördert Koordination und Konzentration. Das gemeinsame Golfen bietet Betroffenen und Angehörigen auch wieder ein gemeinsames Hobby, trotz Schlaganfall. Das wird gut angenommen und die Golfgruppe ist immer zahlreich besucht.

Was ist Ihrer Meinung nach am wichtigsten, um wieder zurück ins Leben zu finden?

Positives Denken ist das Wichtigste, mit Selbstmitleid kommt man nicht weit. Es ist passiert, aber das Leben geht weiter. Man muss das Beste aus der Situation machen und ständig daran arbeiten, seine Lebensqualität zu steigern!

Gibt es Möglichkeiten, Schlaganfällen vorzubeugen und falls ja, welche?

Bei 80 Prozent der Schlaganfälle wird die Ursache gefunden. Das kann Diabetes sein, ein Vorhofflimmern oder andere Dinge, die Durchblutungsstörungen auslösen. Vorerkrankungen kann man mit Medikamenten in den Griff bekommen und damit Schlaganfälle im Vorhinein verhindern. Auch Sport und Ernährung sind wichtige Punkte zur Vorbeugung. Aber vieles – darunter auch die 20 Prozent der Fälle deren Ursache man nicht findet – liegt eben doch an Veranlagung oder Pech. Es gibt kein hundertprozentiges Patentrezept. 

Was wünschen Sie sich für die Zukunft?

Ich wünsche mir, dass jeder Schlaganfall gleich in einer Klinik behandelt werden kann, wo alle Therapien durchgeführt werden können. Dafür könnten nach dem Vorbild der USA Schlaganfallzentren eingerichtet werden, in denen alle Fälle nach den neuesten Standards behandelt werden. Dahingehend müssen wir in Deutschland nachbessern. Das könnte schwere Folgen verhindern. Außerdem wünsche ich mir, dass Schlaganfälle nicht mehr tabuisiert und Betroffene nicht versteckt werden. 


Kontakt

Schlaganfall Selbsthilfegruppe SAS – ORTENAU
Petra Junker
Telefon: 0781 9495364
Mobil: 0172 9070566
E-Mail: info@sas-ortenau.de
www.sas-ortenau.de 


In Kooperation mit:
Stiftung Deutsche Schlaganfall Hilfe 

Hinweis:

Die hier publizierten Beiträge sind redaktionell und die darin enthaltenen Angaben zu Daten, Fakten, Kontakten o.ä. werden nicht aktualisiert. Zur näheren Information besuchen Sie bitte die jeweiligen Fachkliniken auf der Website des Ortenau Klinikums.

Patientenzeitschrift Heft 17

Die Ortenau Gesundheitswelt informiert Patienten und Besucher des Ortenau Klinikums halbjährlich über wichtige Gesundheitsthemen wie Prävention, Erkrankungen und Therapiemöglichkeiten.


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