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Das sagt die Fachgesellschaft: Interview mit Jumana Mensah, Vertreterin der Abteilung Zertifizierung der Deutschen Krebsgesellschaft

„Dysplasie-Sprechstunde – spezialisierte Betreuung auf Basis der geltenden Behandlungsleitlinien“

Jumana Mensah Ärztliche Referentin Zertifizierung

Welche Schwerpunkte setzt die Deutsche Krebsgesellschaft e.V. bei ihrer Arbeit?

Die Deutsche Krebsgesellschaft e.V. ist eine wissenschaftliche Dachgesellschaft, deren Mitglieder sich die  Bekämpfung von Krebskrankheiten zur gemeinsamen Aufgabe gemacht haben. Insbesondere durch die Förderung von Wissenschaft und Forschung wird dieses Vorhaben vorangetrieben – aber zum Beispiel auch durch Angebote zur Fort- und Weiterbildung von onkologischen Fachkräften und Betroffenen.

Die Deutsche Krebsgesellschaft setzt sich aus 16 Landeskrebsgesellschaften, wissenschaftlichen Fachgesellschaften und derzeit 7.718 Einzelmitgliedern (Anm. d. Red.: Stand  Januar 2017) zusammen. Unsere Mitglieder sind in der Erforschung und Behandlung von Krebserkrankungen tätig und in 24 Arbeitsgemeinschaften organisiert. Darunter befinden sich nicht nur Ärzte aller medizinischen Fachgruppen, sondern auch Grundlagenforscher, Medizinisch-Technische Assistenten, Pflegekräfte, Psychologen sowie viele weitere Berufsgruppen, die sich mit dem Thema Krebs auseinandersetzen. Auch Unternehmen, wissenschaftliche Buchverlage und Krankenkassen sind wichtige Partner bei der Bewältigung unserer gemeinsamen Aufgabe, der Krebsbekämpfung. Im Zentrum der Arbeit der Deutschen Krebsgesellschaft stehen die Berücksichtigung aller für die Krebsbehandlung und -Erforschung wichtigen Fach- und Berufsgruppen und die interdisziplinäre Zusammenarbeit im Sinne der Patienten.

Warum wurden die Zertifizierungsmöglichkeit für Dysplasie-Sprechstunden ins Leben gerufen und seit wann besteht das Programm?

Zertifizierungen von Dysplasie-Einrichtungen gibt es in Deutschland schon seit dem Jahr 2004. Primär wurde dieses Verfahren durch eine wissenschaftliche Fachgesellschaft, die Arbeitsgemeinschaft Zervixpathologie und Kolposkopie (Anm. d. Red.: AGCPC), ins Leben gerufen. Damit sollte eine einheitliche Qualität der erweiterten gynäkologischen Krebsvorsorge sowie der Behandlung von Patientinnen mit Verdacht auf eine gynäkologische Krebserkrankung oder -vorstufe gesichert werden. Basierend auf den Erfahrungen und Anforderungen der AGCPC wurde das Zertifizierungsverfahren gemeinsam mit der Deutschen Krebsgesellschaft, der Arbeitsgemeinschaft Gynäkologische Onkologie und der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe weiterentwickelt und ab 2014 in ein gemeinsames System überführt. Ziel des Programms ist es, die Vorsorge und Früherkennung gynäkologischer Krebserkrankungen, wie zum Beispiel des Gebärmutterhalskrebses, durch optimale Versorgung flächendeckend weiter zu verbessern. Patientinnen mit gynäkologischen Krebserkrankungen finden seit 2008 besondere Expertisen für die Behandlung gynäkologischer Tumore gebündelt in den zertifizierten Gynäkologischen Krebszentren vor. Mit dem Zertifizierungsprogramm für gynäkologische Dysplasie-Einrichtungen wurde erstmals die gesamte Versorgungskette von ambulanter Vorsorge und Früherkennung in zertifizierten Dysplasie-Sprechstunden bis zur stationären Behandlung in einem zertifizierten Gynäkologischen Krebszentrum in qualitätsgesicherten Strukturen abgebildet.

Wie kann man sich den Prozess der Zertifizierung vorstellen?

Grundlage für die Zertifizierung von Dysplasie-Sprechstunden und -Einheiten sind Qualitätskriterien, die von einer Expertenkommission auf Basis von Behandlungsleitlinien festgelegt wurden. Diese Kriterien sind in einem spezifischen Anforderungskatalog zusammengefasst und definieren neben der personellen Besetzung zum Beispiel auch die fachliche Qualifikation des Personals sowie die Ausstattung der jeweiligen Dysplasie-Einrichtung.

Als Normgeber des Zertifizierungssystems, das einer klassischen Gewaltenteilung unterliegt, vereint die Kommission neben spezialisierten Fachärzten auch weitere Berufsgruppen wie Psychologen, Pflegekräfte und Vertreter von Selbsthilfegruppen. Basierend auf den durch die Kommission definierten Anforderungen organisiert das Institut OnkoZert die Exekutive, also die Durchführung der Audit-Verfahren in den Dysplasie-Einheiten. Die Prüfung vor Ort erfolgt durch onkologische Fachärzte mit Spezialisierung auf gynäkologische Krebserkrankungen, sogenannte Fachexperten. Diese überprüfen, inwieweit die Qualitätsanforderungen in der Einheit umgesetzt sind. Jede Begehung wird in einem Audit-Bericht zusammengefasst, der wiederum einem Ausschuss für Zertifikaterteilung als Judikative vorgelegt wird. Dieser Ausschuss wird von erfahrenen Fachexperten gebildet, die eine abschließende Beurteilung vornehmen und entscheiden, ob das Zertifikat vergeben werden kann. Diese Dreiteilung stellt hohe Transparenz und Qualität sicher.

Mitarbeiter in zertifizierten Dysplasie-Sprechstunden und -Einheiten weisen jährlich die anhaltende Qualität ihrer Einrichtung anhand konkreter Maßzahlen nach. Besonderer Wert wird hierbei neben der klinischen Expertise auf die interdisziplinäre Zusammenarbeit gelegt. Insbesondere die gut organisierte Vernetzung zwischen der ambulanten Versorgung und der stationären Behandlung für Patientinnen mit Krebsdiagnose hat einen hohen Stellenwert.

Welche Vorteile bieten die zertifizierten Sprechstunden für Patientinnen?

Patientinnen, die in DKG-zertifizierten Dysplasie-Sprechstunden bzw. -Einheiten behandelt werden, erhalten dort eine spezialisierte Betreuung auf Basis der geltenden Behandlungsleitlinien.  Es ist wichtig zu wissen, dass es sich bei der Zertifizierung um eine freiwillige Maßnahme zur Qualitätssicherung handelt. Das bedeutet, dass sich Teams in zertifizierten Dysplasie-Einrichtungen in besonderem Maße dem Thema Qualität in der Vorsorge und Behandlung von gynäkologischen Krebserkrankungen widmen und sich fortlaufend für eine bestmögliche Behandlungsqualität engagieren.

Besonders für Patientinnen, bei denen eine Krebsvorstufe oder gynäkologischen Krebserkrankung diagnostiziert wurde, ist ein geregelter Übergang in die spezialisierte Behandlung ohne Zeit- und Informationsverluste wichtig. Hier greift der Netzwerkgedanke, der dem Zertifizierungssystem zugrunde liegt: So ist für Anbieter zertifizierter Dysplasie-Sprechstunden beispielsweise die Kooperation mit einem Gynäkologischen Krebszentrum verpflichtend. Um eine optimale Zusammenarbeit und fachliche Vernetzung zu gewährleisten, verpflichten sich die Ärzte außerdem zur regelmäßigen Teilnahme an den Konferenzen des Krebszentrums.

Zertifizierte Dysplasie-Einrichtungen stellen sich jedes Jahr einer Überprüfung ihrer Qualität im Zertifizierungsverfahren und nutzen die Ergebnisse zur stetigen Verbesserung ihrer Leistungen. Die Behandlungsqualität freiwillig sichtbar zu machen ist keineswegs  selbstverständlich und zeichnet die zertifizierten Einrichtungen aus. Das sollten Patientinnen bei ihrer Arztwahl bedenken.

Kontakt

Deutsche Krebsgesellschaft e.V.

Jumana Mensah (Ärztliche Referentin Zertifizierung)
Kuno-Fischer-Strasse 8
14057 Berlin
Tel. 030 322 932 – 90
  E-Mail: mensah@krebsgesellschaft.de

Patientenzeitschrift Heft 14

Die Ortenau Gesundheitswelt informiert Patienten und Besucher des Ortenau Klinikums halbjährlich über wichtige Gesundheitsthemen wie Prävention, Erkrankungen und Therapiemöglichkeiten.


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