Weitere Themen | Fachgesellschaften Aktueller Artikel

Das sagt die Fachgesellschaft – Bundesverband Pflegemanagement

Fragen an Ludger Risse (Diplom-Pflegewirt; Registrierter beruflich Pflegender), stellvertretender Vorsitzender des Bundesverbands Pflegemanagement und Vorsitzender des Pflegerates NRW

Ludger Risse (Diplom-Pflegewirt; Registrierter beruflich Pflegender), Stellvertretender Vorsitzender des Bundesverbands Pflegemanagement und Vorsitzender des Pflegerates NRW

Inwiefern hat sich die Pflege in Deutschland in den letzten 10 Jahren verändert?

Neben dem demographischen Wandel, also der Alterung der Gesellschaft, ergeben sich Veränderungen in der Pflege insbesondere aus der verkürzten Verweildauer der Patienten im Krankenhaus. Dies hat zu einem großen Teil mit dem medizinischen Fortschritt zu tun: Viele Operationen, für die man früher mehrere Tage stationär im Krankenhaus bleiben musste, können heute z. B. aufgrund minimal-invasiver OP-Verfahren ambulant durchgeführt werden. Eingriffe sind dadurch weniger traumatisch, wodurch die Patienten heute schneller wieder nach Hause können. Gleichzeitig sind aber auch die Patientenzahlen kontinuierlich gestiegen. Insgesamt bedeutet diese deutschlandweite Entwicklung für die Pflegekräfte einen steigenden Arbeitsaufwand: Jede Einweisung und Entlassung eines Patienten  wird von einer Pflegekraft vorbereitet und durchgeführt – der damit verbundene bürokratische Aufwand ist gestiegen. Aber auch in der medizinischen Behandlung – in Diagnostik und Therapie – bedeuten mehr Patienten mehr Arbeit im Bereich der Pflege. Die Dokumentation und Organisation der Abläufe und Prozesse sind heute natürlich zu einem großen Teil EDV-gestützt, das erleichtert zwar die Arbeit, macht sie aber nicht immer schneller.

Was sind die Aufgaben des Bundesverbands Pflegemanagement und welche Themen liegen Ihnen besonders am Herzen?

Als Berufsverband vertreten wir die Interessen derjenigen, die beruflich in der Pflege tätig sind. Hierzu zählen alle Pflegeberufe in den verschiedensten Einrichtungen mit teilweise sehr unterschiedlichen Arbeitsumfeldern. Die aktive Interessenvertretung der Profession Pflege und des Pflegemanagements in Politik und Öffentlichkeit gehört damit zu unserem Hauptziel und -zweck. Wenn es beispielsweise um die Einführung neuer Gesetze in der Pflege geht, ist es wichtig, dass wir uns als Experten politisch Gehör verschaffen, Akzente setzen und Einfluss nehmen. Insbesondere setzen wir uns dafür ein, die Öffentlichkeit für das Thema Pflege zu sensibilisieren. Es ist wichtig für jeden Einzelnen, sich mit der Notwendigkeit einer funktionierenden Pflege in unserer Gesellschaft auseinanderzusetzen, auch wenn er selbst noch nicht pflegebedürftig ist.

Krankenhäuser sind komplexe, hoch spezialisierte Einrichtungen, welche Fähigkeiten sollte eine Pflegekraft für diese Arbeitsumgebung mitbringen bzw. beherrschen?

Eine Pflegefachkraft sollte für die Ausübung ihres Berufs natürlich erst einmal fundiertes medizinisches wie pflegerisches Wissen haben. Auch die Fähigkeit zur selbständigen Weiterbildung über entsprechende Fachliteratur und Publikationen gehören hierzu. Ihr theoretisches Wissen müssen die Pflegekräfte auch unter Zeitdruck in die Praxis umsetzen können. Außerdem müssen Pflegekräfte in der Lage sein, ad hoc Prioritäten zu setzen. Denn in einer kritischen Situation ist die Realität oft eine andere als die beschriebene im Lehrbuch. „Was ist jetzt am wichtigsten? Ist diese Maßnahme sinnvoll? Was mache ich als nächstes?“ Eine kompetente Pflegekraft beantwortet sich diese Fragen schnell, trifft ihre Entscheidungen selbstbewusst und handelt danach. Kommunikationsfähigkeit – mit Patienten, Angehörigen, dem Team und anderen Berufsgruppen am Arbeitsplatz – ist eine sehr wichtige Eigenschaft; Empathie und Durchsetzungsvermögen ebenso.

Wo sehen Sie Lösungen, um dem  Pflegekräftemangel in Deutschland entgegenzuwirken?

Dem deutschlandweiten Pflegekräftemangel können wir nur entgegenwirken, wenn wir das Problem am Ansatz anpacken und Lösungsansätze verantwortungsvoll umsetzen. Das Anwerben ausländischer Fachkräfte alleine reicht beispielsweise nicht aus. Wir arbeiten weiter daran, die Pflege zu professionalisieren, die Ausbildung und das Arbeitsumfeld zu verbessern, so dass der Pflegeberuf an Attraktivität gewinnt. Hierzu gehört auch ein verändertes Bewusstsein für die Pflege in der Gesellschaft: Die Pflege muss anerkannt, geschätzt und angemessen entlohnt werden. Dies beginnt mit der Einsicht, dass eine professionalisierte und selbstverwaltete Pflege notwendig ist. Nur so können wir dem deutschlandweiten Fachkräftemangel in der Pflege wirksam entgegen steuern.

Kontakt

Bundesverband Pflegemanagement e.V.

Alt-Moabit, 91
10559 Berlin
Tel. 030 44037693
E-Mail: info(at)bv-pflegemanagement.de

Patientenzeitschrift Heft 13

Die Ortenau Gesundheitswelt informiert Patienten und Besucher des Ortenau Klinikums halbjährlich über wichtige Gesundheitsthemen wie Prävention, Erkrankungen und Therapiemöglichkeiten.


Jetzt durchblättern

Zum Zeitschriften-Archiv