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Adipositas-Chirurgie – Der Weg in ein neues Leben

Adipositas (aus dem Lateinischen „adeps“ für „Fett‘) ist eine anerkannte Krankheit, in deren Folge erhebliche Begleiterkrankungen auftreten können, insbesondere Diabetes mellitus, Bluthochdruck und das sogenannte Schlaf-Apnoe-Syndrom. Diese Erkenntnis bestätigen sowohl die Weltgesundheitsorganisation als auch das Bundessozialgericht. „Betroffene realisieren oft nicht, dass es sich um eine echte eigene Krankheit handelt. Die Risiken einer Adipositas-Erkrankung werden unterschätzt“, betont Dr. Bernhard Hügel, Chefarzt und Leiter des Adipositas-Zentrums am Ortenau Klinikum in Offenburg, Facharzt für Chirurgie, Viszeralchirurgie, Unfallchirurgie und Proktologie.

Mehr als zwei Drittel der Männer und über die Hälfte der Frauen in Deutschland sind übergewichtig. © Picture-Factory – Fotolia.com

Dr. Bernhard Hügel, Chefarzt und Leiter des Adipositas- Zentrums am Ortenau Klinikum in Offenburg, Facharzt für Chirurgie, Viszeralchirurgie, Unfallchirurgie und Proktologie © Ortenau Klinikum

Mehr als zwei Drittel der Männer und über die Hälfte der Frauen in Deutschland sind übergewichtig. Jeder vierte Bundesbürger hat sogar starkes Übergewicht. Dies hat eine Studie des Robert Koch-Instituts aus den Jahren 2008 bis 2011 ergeben. Während der vergangenen Jahrzehnte verzeichneten zahlreiche Länder einen dramatischen Anstieg der übergewichtigen und adipösen Menschen, insbesondere die USA, einige pazifische Inseln und auch Deutschland. Doch worin liegt dieser massive Anstieg begründet? Gemäß Robert Koch-Institut spielen für das Entstehen von Übergewicht die Ernährungs- und Bewegungsgewohnheiten, aber auch erbliche Faktoren die wichtigsten Rollen. Zudem können hormonelle Störungen, wie sie bei Erkrankungen der Schilddrüse oder Nebenniere vorkommen, oder manche Medikamente wie Cortison und bestimmte Psychopharmaka, eine Gewichtszunahme begünstigen.

Die letzte Chance für extrem Übergewichtige

Ist der Stoffwechsel bereits so entgleist, dass die eigene Gewichtskontrolle nicht mehr gelingt, sollte ein Facharzt oder das Adipositas-Zentrum aufgesucht werden. Zur Bestimmung des Übergewichts dient der Body-Mass-Index (BMI). Er errechnet sich aus dem Verhältnis von Gewicht und Körpergröße. „Auf unserer Website können Patienten prüfen, wie hoch ihr BMI ist“, empfiehlt Dr. Hügel. Ab einem BMI von über 40 sprechen Ärzte von morbider Adipositas (Adipositas Klasse III). „In diesem Bereich ist von einer hohen Gesundheitsgefährdung des Patienten auszugehen. Patienten raten wir in diesen Fällen zu einem operativen Eingriff“, sagt Dr. Hügel. „Falls eine Begleiterkrankung wie Bluthochdruck oder Diabetes vorliegt, sollte bereits ab einem BMI von 35 über eine Operation nachgedacht werden“, so der Chirurg weiter. Für viele Patienten ist das die letzte Chance, ihr Übergewicht und eventuelle Begleiterkrankungen in den Griff zu bekommen. Bei einem BMI-Wert über 40 sehen Experten keine  realistische Chance mehr, durch herkömmliche Methoden ausreichend Gewicht zu verlieren. Ein ganz entscheidender Punkt ist dabei die Heilung oder zumindest wesentliche Besserung von  Begleiterkrankungen wie Diabetes mellitus, Bluthochdruck und Schlaf-Apnoe. Aufgrund der hormonellen Komponente der Operationen spricht man deshalb auch von „metabolischer“, also den Stoffwechsel betreffender Chirurgie. Die Heilung oder Besserung der Begleiterkrankungen tritt dabei meist bereits vor einer Gewichtsabnahme ein.

Eingriffe mit hoher Erfolgsquote

Für Adipositas-Patienten stehen verschiedene Operationsmöglichkeiten zur Verfügung. Alle diese Operationen werden in der Regel in minimalinvasiver Technik, also durch „Schlüsselloch-Chirurgie“ mit nur kleinen Stichen durchgeführt. Zunächst gibt es den „Schlauchmagen“ – ein Eingriff, der die Magenkapazität und -beweglichkeit dauerhaft beschränkt. Während dieser Operation wird das Fassungsvermögen des Magens auf maximal 100 Milliliter verkleinert und der Restmagen entfernt. Nach dem Eingriff stellt sich während der Nahrungsaufnahme schneller ein Sättigungsgefühl ein, auch, weil der „Hungerhormon“ produzierende Anteil mit entfernt wird. Der Übergewichts-Verlust bei diesem Verfahren liegt langfristig bei etwa 60 Prozent.

Die zweite Möglichkeit besteht darin, einen „Magenbypass“ anzulegen. „Für uns am Adipositas-Zentrum ist diese Operation der Goldstandard bei stark übergewichtigen Patienten“, betont Dr. Hügel. Weltweit zählt dieser Eingriff zu der am häufigsten durchgeführten Operation. Analog zum „Schlauchmagen“ verkleinert der Operateur den Magen. Es bleibt lediglich ein stärker verkleinertes Stück mit einem Volumen von etwa maximal 30 Millilitern zurück. Der entscheidende Unterschied zum „Schlauchmagen“ liegt auch darin, dass ein Stück Dünndarm, der sogenannte „Zwölffingerdarm“, umgangen wird. Dadurch wird die Ausschüttung von Adipositas-begünstigenden Hormonen gedrosselt oder ausgeschaltet. Diese werden sonst bei adipösen Menschen durch Nahrungskontakt mit der Wand des Zwölffingerdarmes ausgeschüttet. Durch den verringerten Weg der Nahrung im Dünndarm nimmt der Körper zudem beispielsweise 40 Prozent der aufgenommen Fette nicht auf. Diese werden unverdaut ausgeschieden. Andere Bestandteile der Nahrung sind davon auch betroffen. Nachteil der verringerten Aufnahme ist, dass bestimmte Vitamine, Eisen, Spurenelemente und Mineralstoffe oft separat zugeführt werden müssen. Das erfordert für die Zeit nach der Operation sowohl eine gute ärztliche Betreuung, als auch eine Beratung durch erfahrene Ernährungstherapeuten.

Für Dr. Hügel ist „gerade bei stark übergewichtigen Patienten die ganzheitliche Betreuung nach erfolgter Operation –  egal in welcher Technik – enorm wichtig.“ Der Übergewichts-Verlust liegt bei der Bypass-Methode zwischen 60 und 70 Prozent. Die Kosten für einen Schlauchmagen betragen etwa 7.500 Euro. Beim Magenbypass liegen sie bei 8.000 bis 9.000 Euro. Der Zugang zu den Operationen, die Voraussetzungen, wie auch die Nachbetreuung sind in Deutschland in einer wissenschaftlich gesicherten Leitlinie (S3-Leitlinie) festgelegt.

Erfolgsmodell Adipositas-Zentrum

Der erste Eingriff fand am Ortenau Klinikum Offenburg-Gengenbach im November 2010 statt. 2016 wurde dann an der Betriebsstelle Offenburg Ebertplatz ein Adipositas-Zentrum implementiert. Die enge interdisziplinäre Zusammenarbeit im gesamten Klinikum führt viele Patienten zu Dr. Hügel. „Die jahrelange Erfahrung mit übergewichtigen Patienten ist ein Erfolgsfaktor unseres Zentrums. Wir sind froh, auf ein exzellentes Team aus Ernährungstherapeuten und Pflegekräften sowie die erforderlichen Zusatzdisziplinen wie Innere Medizin, Psychosomatik und Plastische Chirurgie zurückgreifen zu können“, bekräftigt der Chefarzt.

Ihre Fachklinik vor Ort

Adipositas-Zentrum

Betriebsstelle Offenburg Ebertplatz
Dr. Bernhard Hügel
Ebertplatz 12
77654 Offenburg
Tel. 0781 472-2001
E-Mail:  allgemeinchirurgie.og@ortenau-klinikum.de

Hinweis:

Die hier publizierten Beiträge sind redaktionell und die darin enthaltenen Angaben zu Daten, Fakten, Kontakten o.ä. werden nicht aktualisiert. Zur näheren Information besuchen Sie bitte die jeweiligen Fachkliniken auf der Website des Ortenau Klinikums.

Bitte beachten Sie:

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