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Medizin und Gesundheit | Artikel Aktueller Artikel

Wie Robotik die moderne Chirurgie erweitert

Flachere Bildschirme, Touchpads, kleinere Geräte – der technische Fortschritt ist im Alltag nicht zu übersehen. Auch in der Medizin halten bemerkenswerte Innovationen Einzug. Von einem offenen Eingriff hin zu Robotern im Operationssaal fand eine rasante Entwicklung statt. Dabei profitieren vor allem die Patienten.

Mit ruhiger Hand und scharfem Blick

Prof. Dr. Uwe Pohlen

Mehrarmige Maschinen schweben steril verpackt über dem Operationstisch. Eine Art Cockpit steht im Raum. Steuergriffe, vergrößerte Bilder aus dem Körperinneren - all das klingt beinah wie Science Fiction. In vielen Ländern, wie auch in den großen Medizinzentren Deutschlands, sind sie jedoch schon Alltag: Roboter im Operationssaal. Die Maschinen agieren nicht selbstständig, "sie dienen als unterstützendes Werkzeug", erklärt Prof. Dr. Uwe Pohlen, Chefarzt der Allgemein-, Viszeral- und Gefäßchirurgie am Ortenau Klinikum Offenburg.

Mit ruhiger Hand und scharfem Blick

Die "stählernen Kollegen", wie die Medizinroboter auf der Webseite des Berufsverbands der Deutschen Chirurgen e.V. (BDC) genannt werden, liefern höchste Präzision. Während sie am OP-Tisch stehen, nimmt der menschliche Chirurg an einer Steuerungskonsole das Geschehen in mehrfacher Annäherung wahr: "Die modernen Kamerasysteme bieten eine bis zu zehnfache optische und zwanzigfache digitale Vergrößerung", berichtet Professor Pohlen. "Zudem korrigiert die Maschine automatisch natürliche menschliche Reflexe, wie beispielsweise Zittern. So können wir viel gewebeschonender operieren." Im Ortenau Klinikum gehört der Medizinroboter bereits seit eineinhalb Jahren zum Inventar: Ursprünglich hauptsächlich für Prostata-Operationen in der Urologie genutzt, ist er mittlerweile auch ein gerne und häufig genutztes Instrument der Allgemein- und Viszeralchirurgie.

Bewegt der Arzt die Gerätschaften an der Steuerungskonsole, rechnet der Roboter dies zeitgleich auf eine andere Größenordnung um: Während die Hand des Chirurgen einen Zentimeter zurücklegt, bewegt sich der Arm des Roboters nur einen Millimeter. Außerdem bringt der Roboter noch einen weiteren Vorteil mit sich, wie der Experte erklärt: "Das Gelenk der Instrumente bei klassischen Laparoskopien [Anm. d. Redaktion: "Schlüsselloch-Chirurgie"] bietet beispielsweise nur zwei Freiheitsgrade, das des Roboters ist in allen Richtungen beweglich und sogar flexibler als die Hand des Chirurgen." Die bessere Sicht, die zahlreichen Bewegungsmöglichkeiten und die Genauigkeit des mechanischen Kollegen ermöglichen damit ein extrem filigranes Operieren.

Chirurgen werden ausführlich geschult

A und O beim Operieren mit dem Roboter sei indessen eine spezielle Schulung der Chirurgen an dem neuen Hilfsmittel. Für die Chirurgen am Ortenau Klinikum gibt es daher eine Einweisung der Herstellerfirma. "Das ist ein bisschen wie in der Fahrschule", erklärt Professor Pohlen. "Erst macht man Trockenübungen an einem Simulationsgerät, dann assistiert man einem erfahrenen Chirurgen bei den Roboter-OPs, bis man selbst Eingriffe übernimmt." Negative Erfahrungen hat man am Ortenau Klinikum nicht vorzuweisen, im Gegenteil: "Die Patienten wissen, dass ein Roboter sie operiert und sind davon in der Regel ganz begeistert", so der Chefarzt. "Außerdem sprechen die Ergebnisse für sich." Auch außergewöhnliche Zwischenfälle wie Stromausfälle seien dank engmaschigen Überprüfungen und standardmäßig vorhandenen Notstromaggregaten kein Problem.

Entsprechend ist sich Professor Pohlen sicher: "Die Zukunft wird dem Roboter gehören." In der Urologie sei die Zahl der Eingriffe in Einrichtungen, die ohne die neuartigen Werkzeuge arbeiten, bereits rückläufig - weitere Fachgebiete würden nachfolgen. Außerdem, so der Mediziner, böten sich mit der Robotik einmalige Chancen: In Zukunft könnten beispielsweise per Funkübertragung Verletzte in Kriegsgebieten operiert werden, ohne dass der Chirurg sich selbst in Gefahr bringen muss. Dennoch, so sieht es Professor Pohlen, seien die Roboter keine Wunderapparate, die selbstständig arbeiten können. "Entscheidend bleibt immer der Mensch hinter der Apparatur", betont er. Dieser müsse sein analoges Handwerk beherrschen und zusätzlich lernen, die digitalen Roboter zu bedienen. Sein Fazit: Roboter seien eine wichtige Unterstützung für die menschlichen Ärzte, "aber ersetzen werden sie uns auch in Zukunft nicht."

 

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Allgemein-, Viszeral- und Gefäßchirurgie
Betriebsstelle Offenburg Ebertplatz
Prof. Dr. Uwe Pohlen
Ebertplatz 1277654 Offenburg
Tel. 0781 472-2001
E-Mail: allgemeinchirurgie.og@ortenau-klinikum.de 


Hinweis:

Die hier publizierten Beiträge sind redaktionell und die darin enthaltenen Angaben zu Daten, Fakten, Kontakten o.ä. werden nicht aktualisiert. Zur näheren Information besuchen Sie bitte die jeweiligen Fachkliniken auf der Website des Ortenau Klinikums.

Bitte beachten Sie:

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