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Medizin und Gesundheit | Artikel Aktueller Artikel

Diabetisches Fußsyndrom „Früherkennung ist das A und O“

Diabetiker kämpfen mit einer Vielzahl von Folgeerkrankungen. Besonders tückisch ist dabei, dass eine langjährige Blutzuckererkrankung Veränderungen an den Nerven verursacht, die zu einer verminderten oder fehlenden Schmerzwahrnehmung führt. Dadurch erkennen Betroffene die Folgen von Verletzungen oder Entzündungen oftmals zu spät. Paradebeispiel ist das Diabetische Fußsyndrom, bei dem Blutgefäße und Nervenbahnen geschädigt sind und schlimmstenfalls eine Amputation droht.

Dr. Uwe Gabsch, Leiter der Sektion Gefäßchirurgie innerhalb der Klinik für Allgemeinchirurgie, Viszeralchirurgie und Gefäßchirurgie am Ortenau Klinikum Offenburg-Gengenbach

Früherkennung ist das A und O

Diabetes ist zu einer Volkskrankheit geworden. In Deutschland leidet jeder Dreizehnte darunter, insge-samt sechs Millionen Menschen – Tendenz steigend. Familiäre Veranlagung, zu wenig Bewegung und Übergewicht sind dabei die größten Risikofaktoren. Dr. Uwe Gabsch, Leiter der Sektion Gefäßchirurgie innerhalb der Klinik für Allgemeinchirurgie, Viszeralchirurgie und Gefäßchirurgie am Ortenau Klinikum Offenburg-Gengenbach, rät Diabetikern zu regelmäßiger Vorsorge: „Betroffene werden immer älter, dadurch nehmen Folgeerkrankungen wie das Diabetische Fußsyndrom zu. Früherkennung ist hier das A und O.“

Was ist ein „Diabetischer Fuß“?

Infolge einer Diabetes Mellitus-Erkrankung kommt es zu verschiedenen Folgeschäden im Körper. Zum einen werden die Fußspitzen nicht mehr richtig mit Blut versorgt. Wunden und Verletzungen stellen dann eine große Gefahr für die Betroffenen dar, denn sie verheilen nur sehr langsam. Infektionen können die Folge sein. „Es handelt sich hierbei um eine arterielle Verschlusskrankheit vor allem der Unterschenkelschlagadern“, erklärt Dr. Gabsch. Zum anderen kommen Nervenschäden am Fuß hinzu. Experten sprechen dabei von einer diabetischen Polyneuropathie. Durch diesen Sensibilitätsverlust kann der Patient beispielsweise nicht mehr bemerken, dass ein Fußbad zu heiß ist und er Gefahr läuft, eine Verbrühung zu erleiden. Diese Schäden sind unter dem Begriff des Diabetischen Fußsyndroms (umgangssprachlich auch „Diabetischer Fuß“ genannt) zusammengefasst.

Bleiben die Folgeschäden unbehandelt, entstehen tiefe Hautgeschwüre (Ulzerationen). Diese können immer weiter in den Fuß hineinreichen, bis zur Knochenebene. In Deutschland werden deswegen jährlich mehr als 40.000 Amputationen bei Diabetikern durchgeführt, in 50 Prozent der Fälle Majoramputationen (Oberschenkel- oder Unterschenkelamputationen) der Beine. Dr. Gabsch sieht diese Zahlen mit Sorge, denn „ein Großteil wäre vermeidbar, wenn die Füße der Diabetiker häufiger inspiziert und diese Patienten rechtzeitig einem Gefäßspezialisten vorgestellt würden.“ Für Patienten mit chronisch schlecht heilenden Wunden bietet die Klinik für Allgemeinchirurgie, Viszeralchirurgie und Gefäßchirurgie unter der Leitung der beiden Chefärzte Prof. Dr. Uwe Pohlen und Dr. Bernhard Hügel eine tägliche Wundambulanz an.

Das leistet die Gefäßchirurgie

In der Sektion Gefäßchirurgie unter Leitung von Dr. Gabsch kann durch den Einsatz von moderner gefäßmedizinischer Behandlung die Durchblutungssituation wieder verbessert werden. So kann eine mögliche Amputation oft verhindert werden. „Wann immer möglich greifen wir auf minimalinvasive Therapie durch Ballonkatheter und Stents in Zusammenarbeit mit dem Radiologischen Institut von Prof. Jörg Laubenberger zu. Diese Behandlungen werden in der Angiosuite in örtlicher Betäubung durchgeführt. Das ist ein spezieller gefäßmedizinischer Arbeitsplatz mit einer hochmodernen Röntgeneinrichtung“, so der Experte. Falls diese Methode nicht ausreiche, werden Bypässe auf die Unterschenkel- und Fußarterien angelegt. Auch sogenannte Hybrid-Operationen werden wann immer möglich durchgeführt.  Dieses Verfahren kombiniere offene gefäßchirurgische Rekonstruktionen mit Aufdehnungsbehandlungen durch Anwendung von Ballonkatheter und Stents. „Die Therapien und Eingriffe werden zuvor bei einer wöchentlichen interdisziplinären Fallbesprechung festgelegt. Die moderne Gefäßmedizin trägt damit entscheidend zur Verbesserung der Lebensqualität von Diabetikern bei“, konstatiert Dr. Gabsch.

Prävention des Diabetischen Fußsyndroms

• tägliche, genaue Fußinspektion
• kleine Verletzungen zügig ärztlich untersuchen lassen
• Fußpflege: regelmäßiges Abtragen der Hornhaut mit Feilen, Nägelkürzen mit Feile,  
   Zehenzwischenräume gut trocken halten, keine heißen Fußbäder
• jährliche Vorstellung beim Hausarzt und Diabetologen zur Fußuntersuchung, wie im Gesundheitspass
   Diabetes vorgesehen
• keine Wärmflaschen und Heizkissen verwenden
• Pflege der Füße mit Harnstoffsalben oder -schaum
• nicht barfuß laufen
• bequeme Schuhe tragen, bei denen keine Druckstellen auftreten
• tägliche Kontrolle der Schuhe auf Fremdkörper und Unebenheiten

Ihre Fachklinik vor Ort

Allgemein-, Viszeral- und Gefäßchirurgie

Sektion Gefäßchirurgie

Betriebsstelle Offenburg Ebertplatz
Dr. Uwe Gabsch
Ebertplatz 12
77654 Offenburg
Tel. 0781 472-2001
E-Mail: allgemeinchirurgie.og@ortenau-klinikum.de

Hinweis:

Die hier publizierten Beiträge sind redaktionell und die darin enthaltenen Angaben zu Daten, Fakten, Kontakten o.ä. werden nicht aktualisiert. Zur näheren Information besuchen Sie bitte die jeweiligen Fachkliniken auf der Website des Ortenau Klinikums.

Patientenzeitschrift Heft 17

Die Ortenau Gesundheitswelt informiert Patienten und Besucher des Ortenau Klinikums halbjährlich über wichtige Gesundheitsthemen wie Prävention, Erkrankungen und Therapiemöglichkeiten.


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