Medizin und Gesundheit | Artikel Aktueller Artikel

Stoffwechsel auf Sparflamme

Bildet die Schilddrüse zu wenig Hormone, ist der Körper unzureichend versorgt. Mediziner sprechen dann von einer Unterfunktion der Schilddrüse, die zu einer Verlangsamung der Körperfunktionen führt – der gesamte Stoffwechsel läuft auf „Sparflamme“, Betroffene leiden häufig unter ständiger Müdigkeit und Antriebsschwäche. Dr. Klaus Schötta, Leitender Oberarzt der Endokrinologie am Ortenau Klinikum Gengenbach, klärt auf, wie der Stoffwechsel wieder in Schwung gebracht werden kann.

Bildet die Schilddrüse zu wenig Hormone, ist der Körper unzureichend versorgt.

Prof. Dr. Wolf-Bernhard Offensperger, Chefarzt der Klinik für Allgemeine Innere Medizin, Endokrinologie und Rheumatologie in Gengenbach

Dr. Klaus Schötta, Leitender Oberarzt der Endokrinologie am Ortenau Klinikum Gengenbach

Eine Schilddrüsenunterfunktion ist selten angeboren oder durch einen Schaden der Hirnanhangsdrüse bedingt. In den meisten Fällen liegt ein chronischer Vernarbungsprozess der Schilddrüse vor (beispielsweise Hashimoto-Thyreoiditis). „Ein Großteil der Betroffenen wird heute zufällig im Rahmen der hausärztlichen Vorsorge auf eine Schilddrüsenunterfunktion aufmerksam, oder wenn bei Frauen Zyklusstörungen auftreten. Die früher häufig zur Diagnose führende Müdigkeit und Antriebsschwäche sowie Gewichtszunahme werden heute seltener einer Schilddrüsenerkrankung zugeordnet“, beschreibt Dr. Schötta. „Leider verursachen oft auch andere Erkrankungen ähnliche Symptome. Die genau Untersuchung der Schilddrüse gehört deshalb zur Abklärung vielerlei Beschwerden“, so der Endokrinologe.

Auf die Werte kommt es an

„Wenn ein Patient mit den genannten Symptomen zu uns kommt, hinterfragen wir diese im Gespräch genauer. Die Veränderung der Schilddrüsenwerte ist dann Voraussetzung, um die Beschwerden zuzuordnen. Die Größe und Beschaffenheit der Schilddrüse wird mit dem Ultraschallgerät untersucht und erklärt die Art der Erkrankung“, berichtet Prof. Dr. Wolf-Bernhard Offensperger, Chefarzt der Klinik für Allgemeine Innere Medizin, Endokrinologie und Rheumatologie in Gengenbach. Bei einer Unterfunktion der Schilddrüse spielt ein bestimmter Wert die Hauptrolle: der TSH-Wert, der nach einer Blutabnahme ermittelt wird. TSH ist die Abkürzung für Thyreoidea-stimulierendes Hormon, auch Thyreotropin genannt. Es handelt sich um einen Botenstoff aus dem Gehirn, der die Schilddrüse zur Arbeit anregt. Der TSH-Wert ist immer dann erhöht, wenn die Schilddrüse nicht ausreichend arbeitet, also zu wenig Schilddrüsenhormone produziert. „Um den Hormonmangel auszugleichen, werden diese in Tablettenform einfach ergänzt“, so der Facharzt.

Fehlende Hormone ergänzen

Morgens nach dem Aufstehen auf nüchternen Magen eine Tablette – daran werden sich Betroffene mit einer Schilddrüsenunterfunktion schnell gewöhnen. Richtig dosiert, sind Lebensqualität und Lebenserwartung nicht eingeschränkt. Das Mittel der Wahl ist L-Thyroxin: Das synthetische Hormon wirkt wie das natürliche Schilddrüsenhormon Thyroxin (T4) und wird im Körper in das Schilddrüsenhormon T3 umgewandelt. Die Behandlung mit L-Thyroxin beginnen Patienten mit einer niedrigen Dosis und steigern dann langsam auf die individuelle Enddosis. Diese richtet sich bei Schilddrüsenerkrankungen nur nach dem basalen TSH-Wert (dieser soll sich normalisieren). Sollte der Patient dann kein Wohlbefinden erreichen, muss nach anderen Störungen gesucht werden. „Die Einnahme von L-Thyroxin ist medizinischer Standard und hat sich seit Jahrzehnten bewährt. Bei guter Einstellung sollte der TSH-Wert einmal pro Jahr bei der Therapiekontrolle im Blut überprüft werden“, empfiehlt Dr. Schötta.

Ihre Fachklinik vor Ort

Allgemeine Innere Medizin, Endokrinologie, Rheumatologie

Standort Gengenbach
Prof. Dr. Wolf-Bernhard Offensperger
Dr. Klaus Schötta
Tel. 07803 89-3901
E-Mail: innere.ogg@ortenau-klinikum.de

 

 

 

Patientenzeitschrift Heft 14

Die Ortenau Gesundheitswelt informiert Patienten und Besucher des Ortenau Klinikums halbjährlich über wichtige Gesundheitsthemen wie Prävention, Erkrankungen und Therapiemöglichkeiten.


Jetzt durchblättern

Zum Zeitschriften-Archiv