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Medizin und Gesundheit | Artikel Aktueller Artikel

Sport und Bewegung mit künstlichen Gelenken

Bettina Müller geht entspannt in den Diamantsitz. Lange Zeit waren Yoga-Übungen für die 49-Jährige nicht möglich, denn über viele Jahre quälten sie Hüftschmerzen. Ursache: Eine Hüftgelenksarthrose, wie Dr. Bruno Schweigert, Chefarzt der Orthopädie am Ortenau Klinikum Offenburg-Gengenbach, diagnostizierte. Nach gründlicher Beratung und Bedenkzeit ließ sie sich schließlich im Ortenau Klinikum eine Hüftgelenksendoprothese einsetzen. Bettina Müller hatte zunächst nicht mehr daran geglaubt, dass sie ihre Yoga-Übungen je wieder schmerzfrei ausüben könne. Vor allem mit einem künstlichen Hüftgelenk schien das schwer vorstellbar.

© André Berger

Sportlich aktiv mit Endoprothese
Nach einer Endoprothesen-Operation stellen sich Patienten oft die Frage, wann und inwieweit sie wieder sportlich aktiv werden können. „Nach Rücksprache mit ihrem Arzt müssen Patienten hier keinerlei Bedenken haben“, so Dr. Schweigert. „Sport und Bewegung sind gut und wichtig, können den Prozess der Knochenintegration des künstlichen Gelenks anregen und oftmals sogar eine Inaktivitätsosteoporose vermeiden.“ Denn: Jedes Gelenk, jeder Knochen wird von Bändern und Muskeln gehalten und fixiert, die wiederum regelmäßig beansprucht werden müssen, um ihre volle Funktionalität zu behalten. „Egal ob Nordic Walking, Jogging oder auch Yoga: Alle diese Bewegungsabläufe, achtsam ausgeführt, beugen Erkrankungen und Schädigungen der Gelenke vor“, sagt Dr. Schweigert. „Sobald die Gewissheit besteht, dass das Implantat stabil verankert und eingeheilt ist, steht moderater, sportlicher Betätigung nichts mehr im Wege.“

Übersicht zu Sportarten
Auch ein nicht funktionelles Gangbild, wie beispielsweise Hinken, oder ein Belastungsschmerz nach der Operation können durch regelmäßige, moderate sportliche Betätigung verbessert werden oder sogar völlig verschwinden. Nachfolgend präsentiert die Ortenau Gesundheitswelt Ihnen eine Übersicht, welche Sportarten für Menschen mit künstlichen Gelenken geeignet sind und wie diese am besten ausgeführt werden.

Sport mit Hüftprothese: Nordic Walking und Radfahren
Nordic Walking, die Mischung aus Skilanglauf und Walking, sowie Radfahren bringen eine Vielzahl von Vorteilen mit sich. Diese Sportarten kann man an der frischen Luft ausüben, sie stärken die Knochen und bringen Stoffwechsel und das Herz-Kreislauf-System in Schwung. „Beim Nordic Walking mit zwei Stöcken wird im Gegensatz zum herkömmlichen Walking auch die Oberkörpermuskulatur beansprucht“, so Dr. Schweigert. „Der gezielte Einsatz der Nordic-Walking-Stöcke im Rhythmus der Schritte entlastet Beine und Hüfte und damit auch die Endoprothese.“ Beim Radfahren sollte man darauf achten, dass die Belastung des Hüftgelenks so gering wie möglich gehalten wird, beispielsweise durch einen nicht zu hohen Sattel und einen niedrigen Gang bzw. geringen Widerstand beim Losfahren. Starke Drehbewegungen oder überkreuzte Beinstellungen sind kritisch für die Hüftprothese. „Nordic Walking und Radfahren sind ideale Sportarten“, sagt Dr. Schweigert. „Mein Rat: Um kritische Belastungen der Endoprothese zu vermeiden, sollten Patienten vor allem Bewegungen mit häufigen Richtungswechseln, wie etwa bei Ballsportarten, vermeiden.“

Sportlicher Patient
Ein Paradebeispiel für einen aktiven Fahrradfahrer mit Hüftprothese ist Richard Geiler. Für den ehemaligen Patienten von Dr. Schweigert ist Sport nun wieder ein fester Bestandteil seines Lebens. Eine Hüftgelenksarthrose bereitete ihm zuvor jahrelang Schmerzen. „Irgendwann war es so schlimm, dass ich mir nicht einmal mehr meine Schuhe zubinden konnte“, erinnert sich Geiler. Dem 64-Jährigen wurden deshalb von Dr. Schweigert in zwei Operationen im Abstand einiger Jahre beide Hüftgelenke durch Prothesen ersetzt. „Fünf Wochen nach der zweiten OP saß ich bereits wieder auf dem Rennrad und machte einen Abstecher zum sichtlich erfreuten Herrn Dr. Schweigert“, sagt Geiler lächelnd. Vor der Hüftoperation konnte er sich nicht vorstellen, jemals wieder auf dem Rad zu sitzen. Heute fährt er mit Rennrad und Titanhüften bis zu 10.000 Kilometer im Jahr.

Sport mit Kniegelenksprothese
Für Menschen mit Kniegelenksprothesen ist Schwimmen eine besonders geeignete und schonende Sportart, da durch den Auftrieb des Wassers die Gelenke entlastet werden. Auch Nordic Walking, moderates Wandern und Radfahren gehören zu den empfehlenswerten Betätigungen. „Wichtig ist es, stoßartige und heftige Bewegungen zu vermeiden“, erklärt Dr. Schweigert. „Endoprothesen wie die Knieprothese sind besonders sensibel, da hier die Kraftübertragung auf das künstliche Gelenk größer ist als bei reinen Kugelgelenksprothesen wie der Hüftgelenksprothese.“ Sportarten wie Tennis, Fußball und Handball sollten Menschen mit einem künstlichen Kniegelenk deshalb meiden.

Endoprothetikzentrum der Maximalversorgung
Die Endoprothetik Ortenau ist ein Zusammenschluss aller in diesem Fachbereich spezialisierten Ärzte am Ortenau Klinikum. Ziel dieses Qualitätszirkels ist es, einen engen Erfahrungsaustausch zu pflegen. Die Ärzte informieren sich regelmäßig über den aktuellen wissenschaftlichen Stand der Endoprothetik, über neue Operationsmethoden und Materialien. Auch legt man gemeinsame Qualitätsstandards fest, um für jeden Patienten ein individuelles Behandlungskonzept zu entwickeln. Ein starker Partner in diesem Verbund ist die Fachklinik für Orthopädie, Spezielle Orthopädische Chirurgie und Orthopädische Rheumatologie in Offenburg-Gengenbach, denn diese verfügt über ein zertifiziertes Endoprothetikzentrum der Maximalversorgung. Die Zertifizierung der EndoCert-lnitiative der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie stellt eine qualitativ hochwertige Durchführung von Endoprothetik-Eingriffen sicher. Ein interdisziplinär organisierter Behandlungspfad und ausführliche Kommunikation mit dem Patienten sind nur zwei der vielen Voraussetzungen für die Zertifizierung. Auch die regelmäßige Teilnahme an externen Qualitätssicherungsmaßnahmen ist Pflicht in einem Endoprothetikzentrum der Maximalversorgung. Diese Maßnahmen stellen sicher, dass jede eingesetzte Prothese dem höchsten medizinischem Anspruch entspricht.

Weitere Informationen unter www.endoprothetik-ortenau.de


Kontakt

Ortenau Klinikum Offenburg-Gengenbach
Orthopädie, Spezielle Orthopädische Chirurgie, Orthopädische Rheumatologie

Dr. Bruno Schweigert
Leutkirchstraße 32
77723 Gengenbach
Tel. 07803 89-3001
E-Mail: orthopaedie.og@ortenau-klinikum.de

Hinweis:

Die hier publizierten Beiträge sind redaktionell und die darin enthaltenen Angaben zu Daten, Fakten, Kontakten o.ä. werden nicht aktualisiert. Zur näheren Information besuchen Sie bitte die jeweiligen Fachkliniken auf der Website des Ortenau Klinikums.

Patientenzeitschrift Heft 17

Die Ortenau Gesundheitswelt informiert Patienten und Besucher des Ortenau Klinikums halbjährlich über wichtige Gesundheitsthemen wie Prävention, Erkrankungen und Therapiemöglichkeiten.


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