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Tumore in der Brust: Nicht immer sind sie bösartig

Ein Knoten in der Brust: „Das erschreckt erst einmal jede Patientin“, sagt Felix Liber, Chefarzt der Klinik für Frauenheilkunde am Ortenau Klinikum Kehl. „Doch nicht immer muss eine Veränderung der Brust gleich bösartig sein“, beruhigt der Facharzt für Gynäkologie und Geburtshilfe. Bei etwa 90 Prozent aller Frauen bilden sich im Laufe ihres Lebens gutartige Veränderungen in der Brust aus. „Die meisten von ihnen sind harmlos“, weiß Felix Liber. Besonders häufig trifft es junge Frauen zwischen 15 und 30 Jahren. Auch kurz vor den Wechseljahren kann es zu gutartigen Wucherungen in der Brust kommen. Doch was  unterscheidet einen gutartigen Tumor eigentlich von Krebs?

Felix Liber, Chefarzt der Klinik für Frauenheilkunde am Ortenau Klinikum Kehl © Ortenau Klinikum

Prognose bei gutartigen Tumoren sehr gut

„Gutartige Tumoren lassen sich vom umliegenden gesunden Gewebe gut abgrenzen und wachsen nur langsam. Statt gesundes Gewebe zu zerstören, verdrängen sie es nur. Außerdem bilden sie keine Tochtergeschwüre in anderen Organen“, erläutert Felix Liber. „Und nicht zuletzt: Die Prognose für die Patientinnen ist günstig.“ Der häufigste gutartige Tumor der Brust ist das Fibroadenom. Als Ursachen werden Störungen in der Hormonbalance und bestimmte Viren vermutet. Auch Medikamente, die das körpereigene Immunsystem unterdrücken, können die Entstehung eines Fibroadenoms begünstigen. „Diese Geschwulste sind in der Regel schmerzlos und die Patientinnen verspüren häufig keine Symptome. Normalerweise ist auch ihr Wachstum begrenzt“, erklärt der Gynäkologe.

Operation häufig nicht nötig

Entdeckt werden diese gutartigen Tumore im Rahmen einer Tastuntersuchung oder einer Röntgenuntersuchung der Brust: der Mammografie. Meist müssten Fibroadenome nicht operiert werden, so der Gynäkologe. Sofern die Wucherungen störend oder schmerzhaft werden, wird die Betroffene mit Hormonen behandelt. Bei manchen Patientinnen hilft die Anti-Baby-Pille, bei anderen klingen die Symptome sogar von selbst wieder ab – meist kurz vor den Wechseljahren. Im Gegensatz zu gutartigen Wucherungen ist beim Mammakarzinom, dem Brustkrebs, mehr Vorsicht geboten: „Damit die Prognosen für die Patientin gut stehen, muss er frühzeitig erkannt werden“, gibt Liber zu bedenken. Bösartige Tumore wachsen schnell und unkontrolliert und zerstören das gesunde, umliegende Gewebe. Die Ursache für ein Mammakarzinom liegt häufig im Erbgut: Treten gravierende Fehler in bestimmten Genen auf, die für das Wachstum einer Zelle verantwortlich sind, und kann die betroffene Körperzelle diese weder korrigieren noch sich selbst zerstören, entsteht aus ihr ein Krebsgeschwür. Sie teilt sich unkontrolliert. Die letzte Möglichkeit, solche Wucherungen und somit den Krebs aufzuhalten, bietet das körpereigene Immunsystem. Denn dieses ist in der Lage, entartete Zellen zu erkennen und gezielt abzutöten.

Gutartige Geschwulste entarten nur selten

Geschieht dies nicht, entsteht ein bösartiger Tumor, der nun unkontrolliert in gesundes Gewebe  vordringt. „Solange die Geschwulst lokal begrenzt wächst, können wir sie heraus operieren und es  bestehen gute Chancen auf Heilung“, so Felix Liber. Schreitet die Krankheit fort, können Krebszellen in den Blutkreislauf oder ins Lymphsystem gelangen – und in anderen Organen unbegrenzt als Metastasen weiter wachsen. „Bei einem gutartigen Tumor passiert es nur in sehr seltenen Fällen, dass er entartet und anschließend Tochtergeschwüre bildet“, erklärt der Chefarzt. Dies geschieht, wenn eine sehr seltene Sonderform des eigentlich gutartigen Fibroadenoms auftritt: der Phylloides-Tumor. „Diese Geschwulst ist größer als das Fibroadenom“, weiß Liber. Phylloides-Tumoren sind sehr selten – sie machen nur etwa ein Prozent aller Brusttumore aus – und meist gutartig. Sie können jedoch  bösartig werden und Tochtergeschwüre bilden. „Wegen der Gefahr, dass sie entarten, raten wir bei Phylloides-Tumoren zur Operation“, erläutert der erfahrene Gynäkologe.

Bessere Heilungschancen durch Früherkennung

Diagnostisch unterscheiden Ärzte zwischen gut- und bösartigen Tumoren mittels der Mammografie,  Ultraschalluntersuchungen und der Magnetresonanztomografie (MRT). Bei Verdacht auf Brustkrebs entnimmt das Team um Chefarzt Felix Liber immer eine Gewebeprobe. Dabei kommt ein Verfahren namens Stanzbiopsie zum Einsatz. Mit einem hierfür speziell konstruierten Gerät wird unter Ultraschallüberwachung eine feine Kanüle mit sehr hoher Geschwindigkeit in den Tumor eingebracht  und etwas Tumorgewebe entnommen. „Die Untersuchung ist schmerzlos, dauert nicht lange und bringt  schnell Gewissheit“, erläutert Liber. Stellt sich der Tumor als bösartig heraus, wird in der Regel operiert. Hierfür stehen den Chirurgen um Felix Liber unterschiedliche Methoden zur Verfügung. Bei weiter fortgeschrittenen Tumoren kommt eine medikamentöse Behandlung (Chemotherapie) hinzu. „Diese kann bei uns ambulant durchgeführt werden. Die Patientin muss hierfür nicht im Krankenhaus  bleiben“, erklärt der Gynäkologe. Jede zehnte Frau entwickelt im Laufe ihres Lebens Brustkrebs. „Doch durch immer bessere Früherkennungsmethoden sind in den vergangenen Jahren die Heilungschancen deutlich gestiegen“, freut sich Felix Liber.

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Patientenzeitschrift Heft 13

Die Ortenau Gesundheitswelt informiert Patienten und Besucher des Ortenau Klinikums halbjährlich über wichtige Gesundheitsthemen wie Prävention, Erkrankungen und Therapiemöglichkeiten.


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