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Medizin und Gesundheit | Artikel Aktueller Artikel

Serie: Fußchirurgie – Großzehengrundgelenksarthrose (Hallux rigidus)

Das Großzehengrundgelenk (GZGG) ist am Fuß das am häufigsten von Arthrose (= Knorpelverschleiß) betroffene Gelenk. Allgemein werden Gelenke im Körper aus Knochen gebildet, deren Enden oder Oberflächen mit einer Knorpelschicht überzogen sind. Dieses Gewebe ist glatt, fest und elastisch und lässt ein Gelenk, zusammen mit der von der Gelenkinnenhaut produzierten Gelenkflüssigkeit, optimal gleiten.

Schaubild Arthrose © Ortenau Klinikum

Dr. Charlotte Hase, Fachärztin für Orthopädie und Unfallchirurgie

Im Rahmen des Knorpelverschleißes kommt es zuerst zu entzündlichen Prozessen der Gelenkinnenhaut, die die Bewegungen im Großzehengrundgelenk schmerzhaft machen können. Im Weiteren kommt es zu Knochenanlagerungen (Osteophyten) an den Gelenkpartnern, um die auftretenden Kräfte beim Gang besser aufnehmen zu können. Diese Knochenanlagerungen führen aber zu Formveränderungen, die wiederum Druckbeschwerden im Schuh verursachen können und im weiteren Verlauf die Beweglichkeit immer weiter einschränken bis hin zur völligen Versteifung. Wenn zu Beginn noch ausreichend Knorpel vorhanden, aber die Beweglichkeit eingeschränkt ist, spricht man von einem Hallux limitus (= eingeschränkt bewegliche Großzehe). Zum späteren Zeitpunkt, wenn der Zeh bei fortgeschrittener Arthrose eingesteift ist, spricht man von einem Hallux rigidus (= eingesteifte Großzehe). 

Es gibt verschiedene Ursachen für die Entstehung der Großzehengrundgelenksarthrose: Unfälle, die die Großzehe betreffen, Besonderheiten des Fußskeletts, Stoffwechselerkrankungen (Gicht, Rheuma) und genetische Faktoren, um nur die häufigsten zu nennen. In Abhängigkeit der klinischen und radiologischen Stadien, gibt es folgende Therapieansätze:

Konservative Therapie:
Ist das Großzehengelenk (GZGG) nur leicht in der Bewegung eingeschränkt aber schmerzt, kann man im Anfangsstadium versuchen, das GZGG mittels einer speziellen Einlage mit Rigidusfeder zu entlasten. Bei dieser Einlage wird das GZGG mit einem festen Material ruhiggestellt und beim Abrollen unterstützt.Zudem kommen Schuhversorgung mit steifer Vorfußballenrolle zur Abrollhilfe in Betracht. Nehmen dann die Beschwerden zu und die Beweglichkeit ab, kann versucht werden mit Injektionen (Cortison oder Hyaluronsäure) den Patienten für eine Weile Linderung zu verschaffen. Diese Therapieansätze kommen für all diejenigen in Frage, bei denen der Verschleiß noch nicht so weit fortgeschritten ist, kein besonders hoher Leidensdruck besteht oder für die eine operative Korrektur keine Option ist.

Operative Therapie:
Ist das GZGG in seiner Beweglichkeit störend schmerzhaft eingeschränkt und bestehen Knochenanbauten (= Osteophyten), kann man, wenn noch ausreichend Knorpel vorhanden ist, dem Patienten eine Operation anbieten, bei der überschüssiger Knochen und Anteile des Gelenks die zum Fußrücken zeigen keilförmig abgetragen werden. Diese Operation nennt man Cheilektomie. Weist der Patient im Röntgenbild einen zu langen ersten Mittelfußkochen auf, kann man zusätzlich für die Zukunft versuchen, das Gelenk zu entlasten, in dem man eine verkürzende Stellungskorrektur des ersten Mittelfußknochens durchführt (= Operation nach Youngswick). Die bereits bestehende Arthrose bleibt zwar erhalten, das Fortschreiten kann aber verzögert werden. Abgetragene Knochenanbauten können wieder auftreten.

Ist der Gelenkknorpel sehr stark oder komplett abgenutzt und das Gelenk somit zerstört, so ist eine gelenkerhaltende Operation nicht mehr möglich und es bleibt als Goldstandard nur noch die Großzehengrundgelenksarthrodese (=Versteifung). Dabei werden die ehemaligen Gelenkpartner angefrischt und in der Funktionsstellung miteinander verschraubt. Damit kann wieder ein gutes, schmerzfreies Gangbild mit kraftvollem Abrollen ohne wesentliche Einschränkungen im Alltag erfolgen.

Nachbehandlung:
In den ersten 2 Wochen ist eine sorgfältige Wund- und Schwellungspflege nötig, bis die Wunden trocken und abgeheilt sind. 

Der Knochen braucht meist zwischen vier und sechs Wochen, um zu verheilen. In dieser Zeit kann man mit einem Spezialschuh auftreten. 

In dieser Zeit ist man in seinem Aktivitätsniveau deutlich eingeschränkt. Wir raten den Patienten, eine Fußoperation so zu planen, dass sie in den Wochen danach nichts vorhaben, bei dem man viel gehen oder stehen muss. Wer man sich keine Zeit zum Auskurieren nimmt, gefährdet das Operationsergebnis und alles dauert länger als gewünscht. 

In allen Fällen ist mit einer Schwellung nach der Operation zu rechnen, die manchmal auch noch anhält, wenn der Knochen schon verheilt ist. Diese Schwellneigung spürt man dann vor allem gegen Abend, sodass empfohlen wird, Kompressionsstrümpfe zu tragen bis auch diese Phase vorbei ist.  

Für alle notwendigen Vorbereitungen vor und nach einer Operation gibt es in der Sprechstunde sowie nach der Operation natürlich entsprechendes Informationsmaterial und auch die Möglichkeit, uns bei Unklarheiten per E-Mail Fragen zu stellen. 

Für die oben erklärten Operationen gelten folgende Nachbehandlungsschemata:

Cheilektomie: zweiwöchige Mobilisation unter Vollbelastung mit einem flachen Therapieschuh bis die Wunde abgeheilt ist. Intensive eigene Bewegungsübungen eventuell mit begleitender Krankengymnastik von Beginn an. Keine geplante klinisch-radiologische Kontrolle.

Youngswick: vier- bis fünfwöchige Mobilisation unter Vollbelastung mit einem flachen Therapieschuh. Intensive eigene Bewegungsübungeneventuell mit begleitender Krankengymnastik von Beginn an. Geplante klinisch-radiologische Kontrolle nach vier bis fünf Wochen. 

Großzehengrundgelenksarthrodese: sechswöchige Mobilisation in einem Vorfußentlastungsschuh mit Fersengang. Geplante klinisch-radiologische Kontrolle nach sechs Wochen. Danach gegebenfalls Einlegesohlen mit Rigidusfeder oder Schuhzurichtungen mit Abrollhilfe. In seltenen Fällen Gangschule unter physiotherapeutischer Anleitung.

Für alle Operationen gilt, dass die Knochenheilungszeit schneller ist als die Schwellneigung des Gewebes.


Ihre Fachklinik vor Ort

Ortenau Klinikum Lahr-Ettenheim
Betriebsstelle Ettenheim

Sektion Fußchirurgie

Dr. Charlotte Hase
Tel. 07822 430-210
Fax 07822 430-602
E-Mail: fusschirurgie.let@ortenau-klinikum.de  


Hinweis:

Die hier publizierten Beiträge sind redaktionell und die darin enthaltenen Angaben zu Daten, Fakten, Kontakten o.ä. werden nicht aktualisiert. Zur näheren Information besuchen Sie bitte die jeweiligen Fachkliniken auf der Website des Ortenau Klinikums.