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Medizin und Gesundheit | Artikel Aktueller Artikel

"Richie" sorgt für das richtige Tempo

Richard Geiler fährt mit zwei künstlichen Hüftgelenken jährlich mehr als 10.000 Kilometer auf dem Rennrad.

Jetzt rollen sie wieder: Für die knapp 100 Teilnehmerinnen und Teilnehmer der von Olympiasieger Uwe Peschel konzipierten Radsportaktion „a-werk on tour“ hat jetzt die dreimonatige Trainingsphase mit wöchentlich zwei gemeinsamen Ausfahrten begonnen.Für die Streckenauswahl und das richtige Tempo bei den Ausfahrten sorgen die Guides vom a-werk-Team des Fahrradmagazins Offenburg. Zu ihnen zählt auch Richard Geiler.

Dass Richard Geiler mit dem Rad so gut und vor allem auch beschwerdefrei unterwegs ist, verdankt er in erster Linie der ärztlichen Kompetenz der Orthopädischen Klinik des Ortenau Klinikums in Gengenbach. Dort wurden dem begeisterten Hobbysportler durch Chefarzt Dr. Bruno Schweigert zwei neue Hüftgelenke implantiert, das erste 1996, das zweite vor gut fünf Jahren. Der Heilungsprozess verlief in beiden Fällen schnell und komplikationsfrei, so dass Geiler schon wenige Wochen nach den Eingriffen wieder in die Pedale treten konnte. Seither genießt „Richie“ seine neue Beweglichkeit und vor allem auch die Ausfahrten auf dem superleichten Carbonrennrad, mit dem er im Jahr mehr als 10.000 Kilometer zurücklegt.

Als wichtige Grundlage für das gesundheitspräventiv ausgerichtete Training dienen die bei der Leistungsdiagnostik in der Sportmedizin Ortenau in Gengenbach ermittelten individuellen Schwellenwerte. Auf diesen basieren sowohl die Pulsfrequenzempfehlungen für die einzelnen Trainingsbereiche, als auch die Einteilung der Teilnehmer in die fünf nach aktuellem Leistungsstand unterschiedenen Gruppen. „Damit soll eine Über- oder Unterforderung vermieden werden“, so der medizinische Experte der Aktion, Dr. Christian Haefele vom Ortenau Klinikum Offenburg-Gengenbach, der auch sämtliche Leistungstest ausgewertet hat.

Der 63-Jährige muss sich dabei bisweilen als Bremser betätigen, und zwar immer dann, wenn die Gefahr einer Tempobolzerei besteht. Denn das dreimonatige Training soll nicht den persönlichen Ehrgeiz befriedigen, sondern eine deutliche Steigerung der Grundlagenausdauer bewirken. Und das wird durch das lange und regelmäßige Fahren unterhalb der anaeroben Schwelle erreicht. Uwe Peschel bringt das Geheimnis effektiven Trainings auf den kurzen Nenner: „Fahre langsam, um schneller und gesünder zu werden“. Und dazu ist es wichtig, dass weder der Puls noch die Laktatwerte zu sehr in die Höhe schnellen.
 

Interview mit Richard Geiler und Dr. Bruno Schweigert, Ärztlicher Leiter der Fachklinik für Orthopädie, Spezielle Orthopädische Chirurgie, Orthopädische Rheumatologie am Ortenau Klinikum in Gengenbach und Oberkirch.

Herr Dr. Schweigert, viele Menschen denken: Sport und Arthrose, das geht doch nicht. Was ist an diesem Vorurteil dran?
Wie in vielen anderen medizinischen Bereichen, so gilt auch bei Arthrose-Erkrankungen: Der richtige Sport in einem sinnvollen Maß ausgeübt, schadet keinesfalls, sondern wirkt sich im Gegenteil sogar positiv aus. Bewegung spielt bei der Vorbeugung und Therapie von Arthrose eine wichtige Rolle, denn gut trainierte Muskeln entlasten die Gelenke und helfen so, die beschwerdefreie Phase zu verlängern. Außerdem wird der Knorpel bei Bewegung besser mit Nährstoffen versorgt. Schon eine halbe Stunde Gymnastik oder Spazierengehen am Tag hält beweglich und beugt Beschwerden vor. Stoßbewegungen wie beim Tennis, Squash oder Joggen sollten Arthrose-Patienten jedoch vermeiden.

Herr Geiler, hatten Sie Angst, nach zwei Hüft-OPs nicht mehr sportlich aktiv sein zu können?
Vor der ersten OP war mir schon ein bisschen mulmig. Dr. Schweigert hat mich jedoch sehr kompetent beraten, was die Angst genommen hat. Als ich nach der ersten OP 1999 so schnell wieder fit war, wusste ich bei der zweiten, dass alles gut gehen würde, weshalb ich nicht gezögert habe. Auch meinem Bruder, der vor einem halben Jahr eine Hüftprothese bekommen hat, habe ich folgendes gesagt: Jeder Eingriff ist mit einem Risiko verbunden. Aber durch eine Schonhandlung wegen nicht behandelter Schmerzen macht man andere Sachen kaputt, da ist eine OP eindeutig die bessere Lösung.

Herr Geiler, wie sind Sie dazu gekommen, Guide beim A-werk zu werden?
Ich war schon immer sportlich aktiv, erst als Fußballspieler und dann als Trainer. Als meine Arthrose anfing, empfohlen mir sowohl Freunde als auch mein Hausarzt das Radfahren. Das half zunächst, aber durch die Arthrose hatte ich eine Fehlhaltung auf dem Rad, was wiederum zu Problemen in Knie und Rücken geführt hat. Irgendwann kam ich dann um eine OP nicht mehr herum. Dr. Schweigert, Chefarzt der der Orthopädischen Klinik des Ortenau Klinikums in Gengenbach, hat mich sehr gut informiert, sodass ich mich gut betreut gefühlt habe. Nach der OP hatte ich keine Schmerzen: Dank dem vorherigen Muskelaufbau durch das Fahrradfahren verlief meine Reha sehr gut. Ich wurde Mitglied beim A-Werk, wo Olympiasieger Uwe Peschel mir beibrachte, langsam und in den richtigen Gängen zu fahren, um dann irgendwann schnell und gut zu werden. Als ich dann wieder Probleme mit Arthrose hatte, habe ich nicht gezögert und hatte am 18. Dezemeber 2007 meine zweite OP – am 26. Januar saß ich wieder auf dem Rad. Da ich durch Fußball schon meine Trainerlizenz hatte, beschloss ich mich, mein Wissen und meine Erfahrung als Guide für das A-Werk weiter zu geben.

 

Den zweiten Teil des Interviews finden Sie auf der Seite des a-werk-Teams – schauen Sie doch mal vorbei! 

Hinweis:

Die hier publizierten Beiträge sind redaktionell und die darin enthaltenen Angaben zu Daten, Fakten, Kontakten o.ä. werden nicht aktualisiert. Zur näheren Information besuchen Sie bitte die jeweiligen Fachkliniken auf der Website des Ortenau Klinikums.