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Medizin und Gesundheit | Artikel Aktueller Artikel

Plantarfasziitis: Fersenschmerz durch Entzündung der Sehnenplatte des Fußes

Mit dem Begriff der Plantarfasziitis bezeichnet man eine Entzündung der Sehnenplatte des Fußes (=Plantarfaszie). Es handelt sich bei der Plantarfaszie um ein derbes Fasergewebe, das entlang der Fußsohle vom Fersenbein (Calcaneus) zu den Zehen zieht und zwischen Haut und der Muskulatur liegt. Von außen lässt sie sich gut tasten.

Die Plantarfaszie verspannt das Fußgewölbe und schützt es vor dem Einsinken.

 

Symptome

Die Patienten leiden insbesondere unter morgendlichen Fersenschmerzen. Gerade die ersten Schritte am Morgen nach dem Aufstehen aus dem Bett schmerzen stark. Der Schmerz wird als stechend und genau lokalisierbar beschrieben. Nach einiger Zeit und etwas Umhergehen klingen die Schmerzen langsam ab. Aber auch nach längerem Sitzen oder längerer Belastung der Füße können diese Schmerzen auftreten.

Der Schmerz entwickelt sich in den meisten Fällen allmählich, aber er kann auch plötzlich und stark auftreten. Im Verlauf der Erkrankung und bei fortgeschrittener Entzündung kann die gesamte Ferse diffus schmerzen.

Ursachen und Risikofaktoren

Durch Fußfehlstellungen oder Überbeanspruchung (zu hohe Belastung durch Sport, ungewohnte Aktivität) wird die Plantarfaszie überdehnt und es wird vermehrter Zug auf das Fersenbein ausgeübt. Dies hat mikroskopisch feine Risse in der Plantarfaszie zur Folge und kann zu einem Entzündungsreiz führen. Da die Plantarfaszie bei jedem Schritt angespannt und belastet wird, kann eine solche Entzündung rasch chronisch und sehr hartnäckig werden.

Bei bis zu der Hälfte der Patienten bildet sich darüber hinaus ein Sporn am Fersenbein. Dieser wird häufig fälschlicherweise als Ursache für die Beschwerden angenommen. Der Fersensporn ist jedoch als Folge des chronischen Reiz- und Entzündungszustandes zu sehen. Der Fersensporn selbst verhält sich meist schmerzlos.

Risikofaktoren:

Alter
Eine Plantarfasziitis kann prinzipiell in jedem Alter vorkommen, ältere Menschen sind jedoch deutlich häufiger betroffen. Mit zunehmendem Alter büßt die Plantarfaszie ihre Elastizität ein. Darüber hinaus schrumpft das die Ferse umhüllende Fettpolster und damit nimmt die Fähigkeit ab, Stöße bei Belastung des Fußes abzufedern. Es kommt somit zu einer stärkeren Belastung der Ferse. Frauen in den Wechseljahren sind ebenfalls häufig betroffen.

Aktivitäten mit größerer Gewichtsbelastung für die Füße
Die Beschwerden können auch auftreten, wenn man sich in eine neue sportliche Aktivität stürzt. Hierzu zählen zum Beispiel auch ungewohnt lange Wanderungen oder starke körperliche Belastungen im Beruf. Besonders häufig sind Patienten betroffen, die ein intensives Lauftraining begonnen haben.

Schuhwerk

Das Tragen von Schuhen mit dünnen Sohlen, mit wenig Unterstützung für das Fußgewölbe oder auch von abgetragenen Schuhen belastet die Füße und kann die Beschwerden verstärken.

Körpergewicht
Starkes Übergewicht verstärkt die auf die Plantarfaszie wirkende Belastung.

Fußfehstellungen
Ein Plattfuß oder z.B. ein bestehender Hohlfuß verändert die Gewichtsverteilung beim Abrollvorgang während des Gehens und kann so zu einer vermehrten Belastung der Plantarfaszie führen.

 

Therapie

Eine Plantarfasziitis ist nicht nur sehr schmerzhaft sondern auch sehr hartnäckig und schwer zu behandeln. Deshalb müssen häufig mehrere Therapieformen ausprobiert werden.

Am erfolgreichsten ist in der Regel eine selbst durchgeführte Dehnungsbehandlung der Plantarfaszie sowie der Wadenmuskulatur. Entsprechende Übungen müssen jedoch täglich und über mehrere Wochen konsequent durchgeführt werden. Dies erfordert viel Motivation und Durchhaltevermögen.

Der schwierigste Schritt ist meist der erste am Morgen. Bevor man den Fuß das erste Mal aufsetzt, hilft es den Fuß mehrmals langsam zu strecken und zu krümmen um Verspannungen zu lösen, die im Laufe der Nacht entstanden sind. Zehenwippen stärkt darüber hinaus die Muskeln, die das Fußgewölbe tragen.

Hier können auch Nachtlagerungsschienen helfen, die ebenfalls die verkürzte Fuß- und Wadenmuskulatur dehnen und insbesondere den morgendlichen Schmerz lindern können. Grundsätzlich ist es wichtig, auf das Tragen geeigneter Schuhe zu achten. Schuhe mit flachen Absätzen, gutem Halt und federnder Sohle eignen sich am besten. Am besten werden derartige Schuhe schon angezogen bevor das Bett verlassen wird. So bekommen die Füße bei den ersten schmerzhaften Schritten am Morgen direkt Unterstützung.

Einlagen mit Stützung des Fußlängsgewölbes sowie Umfassung und Polsterung der Ferse können ebenfalls hilfreich sein.

Tapeverbände unterstützen die Behandlung. Korrekt angebracht entlasten sie den Ansatzbereich der Plantarfaszie und wirken anregend auf das darunter liegende Gewebe.

Bei akuten Schmerzen kann lokal mit Kältetherapie, z.B. in Form von Eisakkus oder kühlenden Umschlägen, gearbeitet werden. Dies lindert den Entzündungsreiz. Ebenso können auch lokal entzündungshemmende Salben aufgetragen werden.

Kurzzeitig helfen, wenn es keine Kontraindikationen gibt, entzündungshemmende Schmerzmittel, ggf. auch alternative naturheilkundliche Mittel.

Zur akuten Schmerzreduktion und zur lokalen Entzündungshemmung kann an den Ansatz der Plantarfaszie eine Spritze mit einem lokalem Betäubungsmittel und einem Kortisonpräparat gesetzt werde. Dabei müssen jedoch Risiken und möglichen Komplikation bedacht werden. Eine Spritzenbehandlung sollte maximal dreimal durchgeführt werden.

Bei vorliegendem Übergewicht sollte versucht werden dieses zu reduzieren. Körperliche Aktivitäten, welche die Füße übermäßig belasten, sollten eingeschränkt werden.

Andere Maßnahmen, wie z.B. therapeutischer Ultraschall, Röntgenreizbestrahlung oder Stoßwellentherapie sollen den Stoffwechsel lokal anregen und damit die Heilung unterstützen.

Erst wenn alle konservativen Maßnahmen ausgeschöpft wurden und die Schmerzen über mehrere Monate persistieren, sollte eine operative Maßnahme in Erwägung gezogen werden. Hierbei wird die Plantarfaszie eingekerbt, ggf. ein beeinträchtigter Nerv freigelegt. Der Fersensporn selbst wird nicht abgetragen.
Durch eine Einkerbung der Plantarfaszie vermindert sich die Spannung der Sehnenplatte, der Zug auf das Fersenbein wird reduziert und der Entzündungsreiz soll abnehmen.
Postoperativ darf der Fuß zunächst einige Zeit nicht belastet werden. Es müssen regelmäßig Dehnungsübungen durchgeführt werden. Zusätzlich ist über mehrere Wochen, erst Tag und Nacht, dann nur noch zur Nacht, das Tragen einer Schiene erforderlich.
Dennoch gibt es auch hier keine 100%ige Heilungsgarantie. Darüber hinaus schwächt dieser Eingriff das Fußgewölbe. Nach Operationen ist die Prognose bei Patienten mit einem Hohlfuß etwas besser. Patienten mit Plattfüßen eignen sich nicht für diese Methode.
Die Durchführung eines operativen Eingriffes sollte immer wohl überlegt sein.

Langzeitprognose

Bis zu 90 % der Patienten erreichen mit den beschriebenen Maßnahmen nach mehreren Monaten einen deutlichen Rückgang der Beschwerden, so dass sie ihre gewohnte Alltagsaktivität wieder aufnehmen können. In der Regel wird zumindest eine Schmerzreduktion auf ein erträgliches Maß erreicht. Zur Prävention eines Rückfalls sollten jedoch langfristig und kontinuierlich Dehnübungen gemacht und auf angemessenes Schuhwerk geachtet werden.

 

Information

Die Sprechstunde der Fußchirurgie findet derzeit in der Betriebsstelle Ettenheim statt, während die Eingriffe aufgrund der aktuellen Situation am Ortenau Klinikum in Wolfach vorgenommen werden. Ab September 2020 werden sowohl Sprechstunden als auch Operationen wieder vollumfänglich in Ettenheim angeboten.

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Ortenau Klinikum Lahr-Ettenheim
Betriebsstelle Ettenheim

Sektion Fußchirurgie

Dr. Charlotte Hase
Tel. 07822 430-210
Fax 07822 430-602
E-Mail: fusschirurgie.let@ortenau-klinikum.de  

Hinweis:

Die hier publizierten Beiträge sind redaktionell und die darin enthaltenen Angaben zu Daten, Fakten, Kontakten o.ä. werden nicht aktualisiert. Zur näheren Information besuchen Sie bitte die jeweiligen Fachkliniken auf der Website des Ortenau Klinikums.on besuchen Sie bitte die jeweiligen Fachkliniken auf der Website des Ortenau Klinikums.