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Medizin und Gesundheit | Artikel Aktueller Artikel

Neue, schonende Ultraschall-Therapie bei Prostatakrebs

Mit bis zu 60.000 neuen Fällen pro Jahr ist das Prostatakarzinom hierzulande die häufigste Krebsart bei Männern – und auch die zweithäufi gste tödlich verlaufende Tumorerkrankung. Wird die bösartige Wucherung in der Vorsteherdrüse jedoch frühzeitig diagnostiziert und behandelt, bestehen gute Heilungsaussichten. Seit Beginn dieses Jahres hat die Fachklinik für Urologie und Kinderurologie am Ortenau Klinikum in Offenburg ihr Behandlungsspektrum in diesem Bereich erweitert. Mit einer neuartigen Therapie können Betroffene nun wesentlich schonender behandelt werden: mit Ultraschall.

Schaubild HIFU-Therapie © Ortenau Klinikum

Priv.-Doz. Dr. Jörg Simon © Ortenau Klinikum

Ultraschall kennen die meisten eigentlich als eine Untersuchungsmethode, bei der ein Gel auf die Haut gegeben wird. Darüber bewegt der Arzt einen Schallkopf, deraufschlussreiche Echtzeit-Bilder aus dem Körperinneren auf einen Monitor liefert. Bei der sogenannten HIFU-Therapie (Hochintensiver fokussierter Ultraschall) jedoch besteht die Möglichkeit, punktgenaue Hitze-Areale in einem vorab definierten Gewebebereich zu erzeugen. Das entsprechende Areal kann über maximal drei Sekunden auf bis zu 80° C erhitzt werden. Dies hat zur Folge, dass Tumorzellen absterben. Wenngleich diese Technik schon seit Jahren angewandt wird, ist es erst jetzt mit der neuesten Gerätegeneration möglich, auch nur Teile der Prostata zu behandeln (sogenannte Fokale Therapie des Prostatakarzinoms).

Schonende Alternative zu Operation oder Strahlentherapie 

Priv.-Doz. Dr. Jörg Simon, der die innovative Methode der fokalen Therapie des Prostatakarzinoms am Ortenau Klinikum Offenburg seit Anfang des Jahres anbietet, hebt hervor: „Diese Behandlung stellt in bestimmten Fällen eine vielversprechende Alternative zur Operation oder zur Strahlentherapie dar. Denn sie hat wenige Nebenwirkungen und behandelt bei den geeigneten Patienten statt der gesamten Prostata nur den tatsächlichen Krebsherd.“ Die HIFU-Behandlung ist zudem ein minimal-invasives Verfahren – es sind weder Schnitte noch Bestrahlung erforderlich. Folglich entstehen weder Blutverlust noch äußerliche Narben. Der Patient kann häufig schon nach wenigen Tagen sein gewohntes Leben weitgehend wieder aufnehmen.

Kurze, gezielte Behandlung

Die Behandlung dauert zwischen einer und zwei Stunden und wird in einer Narkose durchgeführt. Die Ultraschallsonde wird über den Enddarm vor der Prostata platziert. „Das Prostatagewebe mit dem Tumor wird gezielt, quasi durch ‚Verkochen‘, zerstört. Dazu werden die Ultraschallwellen wie bei einem Brennglas in einem Fokuspunkt mit hohen Temperaturen gebündelt. Dieser Fokuspunkt wird mit einem computergesteuerten Gerät millimetergenau auf die Prostata gerichtet“, erklärt der Experte. Bei der fokalen HIFU-Therapie eines Prostatakarzinomherdes ist eine dadurch ausgelöste Inkontinenz sehr unwahrscheinlich, da der Schließmuskel erkannt und nicht einbezogen wird. Zudem ist in Abhängigkeit von der Lokalisation des Tumors in den meisten Fällen eine Schonung der Potenznerven möglich, wodurch eine Impotenz vermieden werden kann.

Für Rezidiv-Behandlungen und kleine Tumoren geeignet

Nicht für alle Fälle von Prostatakrebs kommt dieser schonende Eingriff in Frage. Dr. Simon erklärt, wann eine Anwendung der Methode sinnhaft ist: „Die fokale HIFUTherapie eignet sich bei kleinen, nicht hoch aggressiven Tumoren. Außerdem stellt sie eine sinnvolle Erweiterung des Therapiespektrums dar, wenn es zu einem Wiederauftreten des Tumors nach einer zunächst erfolgreichen Behandlung kam“.

Ob die Therapie nach der HIFU-Methode möglich ist oder sich ein anderes Therapieverfahren für den einzelnen Patienten besser eignet, wird interdisziplinär mit den Strahlentherapeuten am Ortenau Klinikum Offenburg-Kehl besprochen. Das Ortenau Klinikum in Offenburg ist erst die sechste Klinik in Baden-Württemberg, die über die moderne Technik und das Know-How zur Anwendung dieser Behandlungsmethode verfügt. In den Regionen Oberrhein und Schwarzwald ist sie die einzige Klinik, die die HIFU-Behandlung anbietet. 


Ihre Fachklinik vor Ort

Prostatakarzinomzentrum
Fachklinik für Urologie und Kinderurologie
Ortenau Klinikum Offenburg-Kehl
Betriebsstelle Offenburg Ebertplatz
Ebertplatz 12
77654 Offenburg
Priv.-Doz. Dr. Jörg Simon
Telefon: 0781 472-3401
E-Mail: urologie.og@ortenau-klinikum.de  

 

Hinweis:

Die hier publizierten Beiträge sind redaktionell und die darin enthaltenen Angaben zu Daten, Fakten, Kontakten o.ä. werden nicht aktualisiert. Zur näheren Information besuchen Sie bitte die jeweiligen Fachkliniken auf der Website des Ortenau Klinikums.

Patientenzeitschrift Heft 17

Die Ortenau Gesundheitswelt informiert Patienten und Besucher des Ortenau Klinikums halbjährlich über wichtige Gesundheitsthemen wie Prävention, Erkrankungen und Therapiemöglichkeiten.


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