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Medizin und Gesundheit | Artikel Aktueller Artikel

Moderne Fußchirurgie

© Kathrin39/Fotolia

Jahrtausendelang waren die Füße das wichtigste Fortbewegungsmittel des Menschen. Meist „Per Pedes“ bewältigte er große Distanzen. Heute dagegen nehmen uns Autos, Rolltreppen und Fahrstühle diese Bewegung vielfach ab, und an ihre Füße denken viele Menschen nur beim Schuhkauf. Oder wenn nach Jahren falscher Belastungen plötzlich Schmerzen auftreten.

Höchst komplex: das Fußskelett
Erkrankungen des Bewegungsapparates zählen zu den typischen Zivilisationskrankheiten; der Rückenschmerz nimmt hier eine traurige Hauptrolle ein. Doch seit Jahren nimmt auch die Zahl der Menschen zu, die an Erkrankungen der Füße und schmerzhaften Fehlstellungen der Zehen leiden, wie Dr. Bruno Schweigert, Chefarzt der orthopädischen Abteilungen des Ortenau Klinikums in Gengenbach und in Oberkirch, feststellt. Der Grund: „Gerade das Fußskelett ist von höchster Komplexität und verzeiht auf Dauer nichts.“ Beim Gehen werden die Füße mit einem Vielfachen des Körpergewichtes belastet. Doch wenn Muskeln, Sehnen und Bänder erschlaffen, verliert das komplexe Fußskelett seinen Zusammenhalt. Folge: Die für das korrekte Gehen und Laufen so wichtige Gewölbeform senkt sich, der Fuß wird an den falschen Stellen belastet. Diese Überlastungen führen zu Schmerzen und langfristig zu Leiden wie Senkfuß, Spreizfuß oder Zehenfehlstellungen. Hohe Absätze: Häufig Ursache für Fehlstellungen? Fehlstellungen der Füße sind nicht nur schmerzhaft, sie können im wahrsten Sinne des Wortes den gesamten Körper aus dem Gleichgewicht bringen. Deshalb sollten Patienten, die unter Schmerzen beim Gehen, Laufen oder sogar beim unbelasteten Fuß leiden, unbedingt einen fußchirurgisch versierten Facharzt aufsuchen. Dieser kann den Beschwerden diagnostisch auf den Grund gehen und natürlich die nötige Therapie einleiten. „Der `Hallux valgus` ist so ein Fall“, so Dr. Schweigert. Die deutsche Übersetzung dieser Deformität lautet „Schiefzehe“, da die Großzehe deutlich zum Fußaußenrand abweicht. „Ein `Hallux valgus` kann zum einen erblich bedingt sein, zum anderen ist diese Zehenfehlstellung jedoch auch eine typische Fußerkrankung der Moderne. Die Fehlstellung wird häufig durch Schuhe mit hohen Absätzen verstärkt, da hier der Vorfuß übermäßig stark belastet wird.“ In fortgeschrittenen Fällen kann diese Fehlstellung der Großzehe zu einer schmerzhaften Arthrose im Großzehengrundgelenk führen, einem sogenannten „Hallux rigidus“.

Fortschritte der Fußchirurgie
Die Fußchirurgie hat in den letzten Jahren enorme Fortschritte gemacht, so dass heutzutage für nahezu jedes Fußproblem eine Therapiemöglichkeit besteht, die dem Patienten ein Stück Lebensqualität zurückgibt. Patentrezepte gibt es jedoch nicht: „Die Behandlung von Fußerkrankungen muss sehr individuell an den jeweiligen Patienten angepasst werden“, so Dr. Schweigert. Gerade deshalb ist es wichtig, sich an einen spezialisierten Fußchirurgen zu wenden. Das Ortenau Klinikum in Gengenbach und in Oberkirch bieten eine entsprechend hohe Spezialisierung im Bereich der Fußchirurgie. Speziell ausgebildete Fachärzte helfen auch bei schwierigen Fällen weiter. „Ziel der Therapie ist es stets, den Patienten die normale Belastbarkeit und Gehfähigkeit zurückzugeben, wobei nicht nur funktionale, sondern zunehmend auch ästhetische Gesichtspunkte eine Rolle spielen“, erklärt Dr. Schweigert.

Vorbeugen beim Schuhkauf
Nicht immer ist gleich eine OP notwendig. Manchmal helfen auch gezielte Fußgymnastik, Physiotherapie und eine korrekte Einlagenversorgung. Und natürlich sollte niemand unterschätzen, wie wichtig das Tragen vernünftiger, gut passender Schuhe ist. Bei einer beginnenden Zehenfehlstellung ist der Wechsel von hochhackigen auf flachere Schuhe ratsam. Denn die Sohle wirkt wie eine schiefe Ebene, auf der der Fuß in oft zu enge Schuhspitzen gedrängt wird. Die Zehen werden geradezu in eine Fehlstellung gezwungen.

nachgefragt
Fragen an Dr. Sven Schuchmann, Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie am Ortenau Klinikum in Gengenbach und zertifiziertes Mitglied der Gesellschaft für Fußchirurgie sowie an Dr. Felix Menzinger, Oberarzt am Ortenau Klinikum Oberkirch und zertifiziertes Mitglied der Gesellschaft für Fußchirurgie.

Herr Dr. Schuchmann, womit befasst sich die Fußchirurgie?
Die Fußchirurgie widmet sich allen Erkrankungen des Fußes, wobei man natürlich nie den Patienten in seiner Gesamtheit aus den Augen verlieren darf. So können sich z. B. Sehnenverkürzungen im Unterschenkel auf die Stellung des Vorfußes auswirken. Grundsätzlich sollte ein Fußchirurg immer auch alle zur Verfügung stehenden konservativen Therapiemöglichkeiten berücksichtigen, bevor eine Operation zur Diskussion steht.

Herr Dr. Menzinger, warum gibt es am Ortenau Klinikum einen eigenen Bereich Fußchirurgie?
Die Fußchirurgie hat sich in den letzten Jahren stark weiterentwickelt und spezialisiert. Es gilt aus einer Reihe möglicher Operationsverfahren für jeden Patienten das individuell sinnvollste auszuwählen. Die Patienten sind heute bis ins hohe Alter sehr aktiv und haben dementsprechend einen hohen funktionellen Anspruch. Diesem kann nur durch eine entsprechende Spezialisierung und Ausbildung der behandelnden Ärzte entsprochen werden.

Herr Dr. Schuchmann, wie therapieren Sie Patienten, die sich ratsuchend an Sie wenden?
Durch eine ausführliche Untersuchung, in der Regel unter Zuhilfenahme einer Röntgenaufnahme, stellen wir zunächst die Ursache der Beschwerden fest. Therapeutisch klären wir stets, ob eine konservative Behandlung aussichtsreich ist, etwa durch eine gute Einlagenversorgung. Ist dies nicht der Fall oder führt dies nicht zu einer dauerhaften Beschwerdebesserung gilt es nun, mit dem Patienten gemeinsam operative Therapiemöglichkeiten zu besprechen. Es gibt hier eine Reihe etablierter Operationsverfahren, aus denen das passende für jeden Patienten ausgewählt werden muss. Die Operation selbst kann in aller Regel ambulant durchgeführt werden. Je nach Operationsverfahren sind die Patienten ab dem ersten Tag nach der Operation in einem speziellen Schuh selbstständig mobil. Eine Nachbehandlung in einem Gips ist nur in Ausnahmefällen nötig.


Chefarzt Dr. Bruno Schweigert (rechts) und Dr. Sven Schuchmann (links)

Dr. Felix Menzinger

 

Kontakt
Ortenau Klinikum Offenburg Gengenbach
Orthopädische Klinik

Ortenau Klinikum Oberkirch
Allgemeinchirurgie und Unfallchirurgie

Hinweis:

Die hier publizierten Beiträge sind redaktionell und die darin enthaltenen Angaben zu Daten, Fakten, Kontakten o.ä. werden nicht aktualisiert. Zur näheren Information besuchen Sie bitte die jeweiligen Fachkliniken auf der Website des Ortenau Klinikums.

Patientenzeitschrift Heft 17

Die Ortenau Gesundheitswelt informiert Patienten und Besucher des Ortenau Klinikums halbjährlich über wichtige Gesundheitsthemen wie Prävention, Erkrankungen und Therapiemöglichkeiten.


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