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Medizin und Gesundheit | Artikel Aktueller Artikel

Leben retten kennt kein Mindestalter

Es herrscht eine konzentrierte Atmosphäre in der Turnhalle. In kleinen Gruppen knien Kinder um je eine lebensechte Nachbildung eines menschlichen Oberkörpers, drücken abwechselnd mit beiden Händen auf deren Brust oder beugen sich mit dem Ohr darüber. Ein Mann mit Brille geht von Gruppe zu Gruppe, schaut zu und gibt hier und da Hilfestellung. Was hier gelernt wird, kann im Ernstfall Leben retten.

„Je früher man anfängt, desto eher wird Helfen zur Selbstverständlichkeit“, erklärt Dr. Björn Rohr, Leitender Arzt der Anästhesie am Ortenau Klinikum Wolfach, den Trubel in der Turnhalle. Der leitende Arzt und Facharzt  für Anästhesiologie und Notfallmedizin am Ortenau Klinikum Wolfach leitet im Zuge der Initiative „Schüler retten Leben – 100 pro Reanimation“ seit 2015 Reanimationskurse der besonderen Art. In praktischen und theoretischen Übungen bringt er Schulklassen Wiederbelebungsmaßnahmen bei.

Erste Hilfe verbessert die Prognose maßgeblich

Die Kurse sind mehr als nur praktische Einheiten neben dem Schulalltag: Sie sind bitter notwendig. Pro Jahr sterben in Deutschland 100.000 Menschen am plötzlichen Herztod. Eine Zahl, die deutlich geringer ausfallen könnte, wenn es mehr Ersthelfer gäbe. Kommt es  außerhalb eines Krankenhauses zu einem Kreislaufstillstand, steht es um die Überlebenschancen des Betroffenen nicht gut: Nur 4-5 Minuten kann das Gehirn ohne Schäden überstehen – eine zeitliche Maßgabe, die für den Rettungsdienst meist schwer erreichbar ist. Bis dieser eintrifft, könnten aber Augenzeugen die Prognose maßgeblich verbessern, indem sie so schnell wie möglich Wiederbelebungsmaßnahmen einleiten.

„Mit nur 25 Prozent ist die Quote der begonnenen Wiederbelebungen durch Ersthelfer jedoch erschreckend niedrig. Und das obwohl etwa 70% der Kreislaufstillstände zuhause passieren und damit unsere Familie und unsere Freunde betreffen“, bedauert Dr. Rohr die Zaghaftigkeit der Deutschen, die damit im internationalen Vergleich weit zurückfallen. Ein Grund dafür ist die mangelnde Routine jedes Einzelnen. Das Erste-Hilfe-Wissen beschränkt sich meist auf die Erinnerungen an den Kurs im Rahmen der Führerscheinprüfung und liegt auch entsprechend weit zurück.

Schüler und Lehrer als Multiplikatoren

Es gilt also, entsprechende Kompetenz flächendeckend zu vermitteln sowie in Übungen zu festigen – und das möglichst früh. Mit diesem Ziel besucht Dr. Rohr Schulen und unterrichtet dort Kinder ab 8 Jahren in einfachen Reanimationsmaßnahmen. Im Optimalfall erreicht er damit nicht nur die Klassen selbst. „Die Schulkinder und ihre Lehrer sind ‚Reanimationsmultiplikatoren‘. Sie können ihre erlernten Wiederbelebungs-Fertigkeiten sowohl privat als auch in der Öffentlichkeit weitergeben“, erläutert Dr. Rohr, „So kann der Anteil an trainierten Ersthelfern in der Gesellschaft substanziell ansteigen.“ Das führt langfristig zu einem Anstieg der Ersthelferrate in der Gesellschaft – und hoffentlich zu mehr geretteten Leben.

Ihre Fachklinik vor Ort

Anästhesie

Dr. med. Björn Rohr
Leitender Arzt am Standort Wolfach
Ortenau Klinikum Wolfach
Oberwolfacher Straße 10
77709 Wolfach
Tel.: 07834 970-440
E-Mail: patientenleitstelle.wol@ortenau-klinikum.de

Patientenzeitschrift Heft 17

Die Ortenau Gesundheitswelt informiert Patienten und Besucher des Ortenau Klinikums halbjährlich über wichtige Gesundheitsthemen wie Prävention, Erkrankungen und Therapiemöglichkeiten.


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