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Künstliches Gelenk statt knirschendes Knie – Eingriff mit großer Wirkung

Knacken und Knirschen beim morgendlichen Aufstehen, das Knie schmerzt immer häufiger bei Belastung oder sogar bei Ruhe. Dies könnten die ersten Anzeichen für eine Knie-Arthrose sein. Wenn die Beschwerden den Alltag zu stark beeinflussen, ist es meist Zeit, über einen operativen Eingriff nachzudenken. Dr. Klaus Wieselhuber, Chefarzt der Unfallchirurgie und Orthopädie am Ortenau Klinikum Achern-Oberkirch kennt die Vorteile eines künstlichen Kniegelenkersatzes und erklärt den Ablauf der Operation.

Knacken und Knirschen beim morgendlichen Aufstehen, das Knie schmerzt immer häufiger bei Belastung oder sogar bei Ruhe.

Dr. Klaus Wieselhuber, Chefarzt der Unfallchirurgie und Orthopädie am Ortenau Klinikum Achern-Oberkirch

Etwa 80.000 Menschen erhalten in Deutschland jährlich eine Knieendoprothese aufgrund einer Arthrose. Dabei sind Frauen häufiger von den Gelenkbeschwerden betroffen als Männer. Im gesunden Knie bedeckt eine schützende Schicht Gelenkknorpel die Enden des Oberschenkelknochens, des Schienbeins und die Kniescheibe. Dieser Knorpel bietet eine glatte Gleitfläche für die Bewegung des Knies. Wenn der Knorpel beginnt, Risse zu bilden und sich abzunutzen, können sich die frei liegenden Knochen durch das Aufeinanderscheuern verformen. Dieser frühzeitige Verschleiß des Knorpels wird als Arthrose bezeichnet. Gegen die starken Schmerzen hilft manchmal nur noch der Einsatz eines künstlichen Kniegelenks. Das Knie ist das größte und komplexeste Gelenk des menschlichen Körpers. Als Drehscharniergelenk führt es Beuge- sowie Drehbewegungen aus, trägt das ganze Körpergewicht und wird bei vielen Bewegungen belastet. „Die enorme Leistungsfähigkeit macht es aber auch besonders anfällig für Verletzungen und den Verschleiß“, weiß Dr. Wieselhuber.

Schneller mobil durch Schlüsselloch-Chirurgie

Viele Patienten überlegen lange, ob sie sich einem Eingriff unterziehen sollen. Bei einer umfassenden Anamnese helfen Röntgenaufnahmen und eine Magnetresonanztomographie, eine genaue Diagnose zu stellen und notwendige Entscheidungen über eine OP zu treffen. „Erst wenn konservative Therapiemaßnahmen keine Wirkung mehr zeigen und die starken Schmerzen und Bewegungseinschränkungen den Alltag der Patienten zu sehr beeinflussen, ist ein operativer Eingriff nötig“, erklärt der Chefarzt. Seine Klinik greift in leichteren Fällen auf die moderne minimalinvasive Operationstechnik zurück. Bei der sogenannten Schlüsselloch-Chirurgie wird über einen sehr kleinen Schnitt eine vier Millimeter dünne Kamera in das Gelenk eingeführt. Über einen weiteren Hautschnitt bringt der Arzt schmale Operationsinstrumente in das Gelenk ein und kann die Handgriffe durch die Kamera an einem großen Bildschirm kontrollieren. Ohne das Gelenk freizulegen, können so die Schäden am Knie behoben werden. Auch der künstliche Ersatz des Kniegelenks kann minimalinvasiv erfolgen. Ein Vorteil dieses Verfahrens: das Gelenk wird durch eine natürliche Muskellücke eingesetzt und mit Spezialzement auf dem Knochen verankert. „So ist der Blutverlust geringer, es bilden sich weniger Narben und die Knochensubstanz muss weniger abgetragen werden“, weiß der Experte. Besonders bedeutend ist auch die Weichteilschonung der Muskulatur und der Muskelansätze. „Das  Gewebe wird nur beiseitegeschoben, so bleibt es weitestgehend intakt und es werden die für die Heilung ausschlaggebenden Körperregionen geschont“, erläutert Dr. Wieselhuber.

Computer als OP-Navigator

Damit das künstliche Gelenk passgenau eingesetzt werden kann, dient Dr. Wieselhuber eine computergestützte Operationsplanung als zusätzliche Hilfe. „Davon profitieren letztendlich auch unsere Patienten. Denn je genauer die Knieprothese eingesetzt ist, desto besser sind ihre Funktion und die Lebensdauer“, so Dr. Wieselhuber. Nicht nur die Operation ist Maßarbeit, auch die künstlichen Gelenke selbst. Mit Hilfe von computertomographischen Scans und 3D-Druckern kann im Vorfeld der Operation ein passgenaues Implantat erstellt werden, das sich den individuellen körperlichen Begebenheiten des Patienten anpasst.

Breites Behandlungsspektrum

Die Abteilung für Unfallchirurgie und Endoprothetik am Standort Achern führt jährlich bis zu 500 Eingriffe durch. Neben den modernen Verfahren der Kniegelenk-Implantationen ist die Abteilung von Dr. Wieselhuber ebenso auf den  künstlichen Hüftgelenkersatz bei Arthrose oder Schenkelhalsbrüchen spezialisiert. Darüber hinaus gehört die Unfallchirurgie der langen Röhrenknochen, einschließlich Gelenk- und Verrenkungsbrüche, zum Leistungsspektrum. Zum Ersatz verloren gegangener Knochensubstanz verfügt die Abteilung über eine Reihe von Knochenersatzstoffen. Somit ist die Unfallchirurgie und Endoprothetik auch für schwierige Behandlungssituationen gewappnet und kann die Patienten optimal versorgen.

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Standort Achern
Dr. Klaus Wieselhuber
Josef-Wurzler-Str. 7
77855 Achern
Tel. 07841 700-2200
E-Mail: chirurgie.obk@ortenau-klinikum.de

Patientenzeitschrift Heft 16

Die Ortenau Gesundheitswelt informiert Patienten und Besucher des Ortenau Klinikums halbjährlich über wichtige Gesundheitsthemen wie Prävention, Erkrankungen und Therapiemöglichkeiten.


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