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Krankenhaushygiene: Der Kampf gegen die Keime

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Keime sind für das bloße Auge unsichtbar, können aber gerade im Krankenhaus großen Schaden anrichten. Für die Mitarbeiter des gesamten Ortenau Klinikums ist Hygiene deshalb nicht nur ein zentraler Bestandteil aller Tätigkeiten, sondern auch Inhalt regelmäßiger Schulungen. Dr. Andreas Schröder, Leiter des Zentralen Hygienemanagements am Ortenau Klinikum, erklärt im Interview die Hauptaufgaben der Abteilung, deren Frühwarnsystem und das Vorgehen im Ernstfall.

Abbildung Krankenhaushygiene: Der Kampf gegen die Keime

Krankenhaushygiene: Der Kampf gegen die Keime

Abbildung Dr. Andreas Schröder bei der Ausstellung Keine Keime

Dr. Andreas Schröder bei der Ausstellung Keine Keime

Herr Dr. Schröder, wie kann man Patienten die Angst vor „Krankenhauskeimen“ nehmen?

Leider besteht das Risiko einer Besiedelung mit Keimen in Krankenhäusern immer. Viele Menschen erreichen  und verlassen unsere Kliniken täglich. Dabei ist die Dichte von Menschen, die an ansteckenden Krankheiten leiden, und Menschen, die eine geschwächte Abwehr haben, hier besonders hoch. Beide kommen ja aus diesem Grund zu uns. Doch wir können darauf sehr gut reagieren und sind vorbereitet. Hinzu kommt, dass wir auf ein effektives Frühwarnsystem zurückgreifen können. Die sogenannten Screenings helfen uns, mögliche Probleme frühzeitig zu erkennen – das sind mikrobiologische Untersuchungen im Labor innerhalb bestimmter Zeitintervalle.

Was sind Screenings genau?

Zum einen gibt es Eingangs-Screenings. Abhängig von der Situation, aus der ein Patient zu uns kommt, untersuchen wir ihn bei der Aufnahme bereits auf bestimmte Keime. Das kann berufsbedingt sein, wenn dieser beispielsweise mit Tieren arbeitet, oder auch von seiner Herkunft abhängen, wenn er aus einem Land kommt, in dem ein unangenehmer Keim besonders häufig vorkommt. In bestimmten Bereichen, wie beispielsweise auf der Frühchenstation der Kinderklinik Ortenau, führen wir laufend regelmäßig Tests durch, um einem unbemerkten Keimbefall vorbeugen zu können. Die Früh- und Neugeborenen benötigen eine besondere Überwachung. Durch ihr geschwächtes Immunsystem kann eine Besiedelung schnell zu einer ernsthaften gesundheitlichen Bedrohung führen. Wir verhindern durch die regelmäßigen Screenings auch die unbemerkte Weiterverbreitung von möglichen Erregern. In der Praxis überprüfen wir das durch Abstriche zum Beispiel der Nase, des Rachenraums und von möglicherweise vorhandenen Wunden. Diese werden dann im Labor auf gefährliche Keime untersucht.

Wie gelingt es Ihrer Abteilung, stets auf dem neusten Stand der Wissenschaft zu sein?

Unser Zentrales Hygienemanagement lebt von seiner breiten Vernetzung innerhalb dieses hochkomplexen  Fachgebiets. Ein wichtiges Netzwerk an Partnerschaften ist essentiell für unsere Arbeit. Der  Klinikverbund Clinotel gibt uns hier wichtige Impulse, genauso wie Fachgesellschaften und andere Kliniken, mit denen wir in sehr engem Austausch stehen. Nur so können wir auf dem aktuellsten Stand bleiben.

Warum ist zentrales Hygienemanagement innerhalb eines Klinikverbundes sinnvoll?

Hier geht es um wichtige Synergieeffekte: Die Hygienestandards gelten für alle Standorte in gleichem Maße und betreffen naturgemäß auch die gleichen Bereiche. Das geht von der Kleiderordnung für die Mitarbeiter über Küche und Wäscherei bis an die Krankenbetten. Vergessen darf man dabei nicht, dass unsere Hygienefachkräfte an den einzelnen Standorten vor Ort sind.

Welche Maßnahmen werden im Ernstfall eines Keimbefalls ergriffen?

Zunächst kommt es zu einer strikten Isolierung des betroffenen Patienten. Er wird nur noch von bestimmtem Personal behandelt, um eine Weiterverbreitung zu verhindern. Dann geht es an die Bekämpfung der Keime. Wir stellen fest, ob es sich um eine Besiedlung handelt oder um eine Infektion. Eine Besiedlung bedeutet, dass der Mensch die Bakterien im Körper trägt, die Krankheit aber nicht ausgebrochen ist. Eine Infektion ist mit Fieber, Schmerzen und weiteren Zeichen einer  Entzündung verbunden. In diesem Fall gilt es, durch gezielte Einnahme von Antibiotika die Infektion zu bekämpfen. Uns steht eine große Anzahl verschiedener Präparate zur Verfügung, die zielgenau eingesetzt werden können, um hilfreiche Bakterien – beispielsweise im Darm – nicht zerstören zu müssen.

Was treibt Sie an? Was macht am meisten Spaß im Hygienemanagement?

Mich fasziniert das breite Spektrum des Berufs. Ursprünglich komme ich aus der Augenheilkunde – ich kann sagen, ich bereue den Wechsel bis heute nicht. Die Vielfältigkeit innerhalb des Hygienemanagements ist sehr spannend. Wir können größere Zusammenhänge innerhalb des Klinikverbunds beeinflussen und steuern. Auch die Schulungen für unsere Mitarbeiter bereiten mir immer wieder sehr viel Freude. Oft werden die Informationen dankend ange-nommen und die Wichtigkeit anerkannt.

Ihr Hygienemanagement vor Ort

Zentrales Hygienemanagement

Dr. Andreas Christian Schröder
Weingartenstr. 70
77654 Offenburg
Tel. 0781 472-8153
E-Mail: hygiene(at)og.ortenau-klinikum.de

Patientenzeitschrift Heft 13

Die Ortenau Gesundheitswelt informiert Patienten und Besucher des Ortenau Klinikums halbjährlich über wichtige Gesundheitsthemen wie Prävention, Erkrankungen und Therapiemöglichkeiten.


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