Medizin und Gesundheit | Artikel Aktueller Artikel

Interview mit Dr. Michael Rost zum Thema "Gallensteine"

Fragen an Dr. Michael Rost, stellvertretender ärztlicher Direktor am Ortenau Klinikum Achern-Oberkirch und Facharzt für Innere Medizin, Notfallmedizin, Palliativmedizin und Internistische Röntgendiagnostik

Dr. Michael Rost, stellvertretender ärztlicher Direktor am Ortenau Klinikum Achern-Oberkirch und Facharzt für Innere Medizin, Notfallmedizin, Palliativmedizin und Internistische Röntgendiagnostik

Herr Dr. Rost, wie werden Gallenbeschwerden behandelt?
Zunächst müssen natürlich die akuten Schmerzen zum Beispiel bei einer Gallenkolik gelindert und bei einer Entzündung auch eine antibiotische Therapie durchgeführt werden. Da in der Regel tägliche Kontrollen des Bauchs und der Laborwerte erforderlich sind und wir Antibiotika zudem oft auch Flüssigkeit über die Venen geben müssen, ist meist eine stationäre Behandlung erforderlich. Damit Gallensteine auch auf längere Sicht keine Schäden verursachen, wird den meisten Patienten eine operative Entfernung der gesamten Gallenblase empfohlen: die sogenannte Cholezystektomie.

Herr Dr. Rost, früher hat man Gallensteine per Laser oder mit Stoßwellen zertrümmert – ist das noch zeitgemäß?

Eine Zeit lang versuchte man die Steine zu zertrümmern. Das hat sich aber nicht bewährt, denn beim Zertrümmern von Gallensteinen kann es immer wieder zu erneuter Steinbildung kommen. Außerdem war eine oft schlecht vertragene medikamentöse Auflösung der zertrümmerten Steinreste erforderlich, die sich über ein Jahr oder länger hinzog. Nach Beendigung dieser so genannten Lyse-Behandlung entstanden meisterneut Steine, weil die ungünstige Zusammensetzung der Gallenflüssigkeit als Hauptursache wieder auftrat. Das Problem war also nur kurzfristig gelöst.

Braucht man die Gallenblase denn nicht?

Ob man sich für oder gegen eine Entfernung der Gallenblase entscheidet, muss von Arzt und Patient sorgfältig erwogen werden. Es gibt allerdings klare Empfehlungen. Es ist in der Regel nicht notwendig, die Gallenblase zu entfernen, nur weil darin zufällig Steine entdeckt wurden. Etwa 75% aller Gallensteinträger bleiben frei von Beschwerden. Gelegentliche Ultraschall-Kontrollen sind aber sinnvoll. Bei Beschwerden sollte die Gallenblase entfernt werden. Fakt ist: Die Gallenblase ist nicht lebenswichtig, denn sie stellt sozusagen nur einen Zwischenspeicher für den Gallensaft dar. Man kann also auch ohne Gallenblase leben. Viele Menschen bemerken nach der Operation keine größere Veränderung ihrer Verdauung. Es ist jedoch möglich, dass reichhaltige, fetthaltige Mahlzeiten nicht mehr so gut vertragen werden. Deshalb ist eine angepasste Ernährung sinnvoll und meist auch notwendig.

Was raten Sie Patienten, die schon einmal Probleme mit ihren Gallensteinen hatten?
Zunächst sollte – wie vorhin schon ausgeführt, eine Entfernung der Gallenblase ins Auge gefasst werden. Nach der Operation sollte der Patient verstärkt auf seine Ernährung achten. Steine können sich im ungünstigsten Fall leider auch im Gallengang bilden, selbst nach einer Gallenblasenentfernung: Der Patient sollte viel trinken, vor allem Mineralwasser und leichte Tees. Auf Zucker und Weißmehl sollten Patienten verzichten, dafür Vollkornprodukte sowie viel Obst und Gemüse zu sich nehmen. Achtung: Fettreiche Speisen können eine Kolik hervorrufen. Wir wissen auch inzwischen, dass Vegetarier deutlich seltener an Gallensteinen leiden, daher sollte man mit Fleisch – vor allem fettem Fleisch – sehr zurückhaltend sein. Alkohol sollte man zudem nur in Maßen trinken. Eine geringe Menge kann der Bildung von Gallensteinen zwar entgegenwirken, weil sie den Cholesterinspiegel in der Gallenblase senkt. Aber Vorsicht: Zu viel Wein, Bier oder Schnaps lassen den Cholesterinspiegel ansteigen. In jedem Fall sollten Betroffene versuchen, ihr Normalgewicht zu halten oder zu erreichen. Aber bitte nicht mit radikalen Diäten oder Fasten-Kuren, denn auch sie fördern die Steinbildung.


Kontakt

Innere Medizin
Ortenau Klinikum Achern-Oberkirch
Standort Oberkirch

Dr. Michael Rost
Franz-Schubert-Str. 15
77704 Oberkirch
Tel. 07802 801-110
E-Mail: michael.rost(at)ao.ortenau-klinikum.de

Patientenzeitschrift Heft 15

Die Ortenau Gesundheitswelt informiert Patienten und Besucher des Ortenau Klinikums halbjährlich über wichtige Gesundheitsthemen wie Prävention, Erkrankungen und Therapiemöglichkeiten.


Jetzt durchblättern

Zum Zeitschriften-Archiv