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Medizin und Gesundheit | Artikel Aktueller Artikel

Interventionelle Behandlung von Gefäßerkrankungen: Verstopfte Blutgefäße schnell wieder öffnen

Gefäßerkrankungen zählen in Deutschland – wie in allen Industrienationen – zu den häufigsten Zivilisationserkrankungen. Sie sind verantwortlich für die hohe Zahl von Schlaganfällen, Herzinfarkten oder invalidisierenden Amputationen an den Beinen. In den meisten Fällen entstehen diese Gefäßerkrankungen aufgrund von Verengungen oder Verschlüssen von Blutgefäßen infolge einer Arterienverkalkung oder aufgrund von Thrombosen, also Blutgerinnseln innerhalb einer Arterie oder Vene. Werden derlei Erkrankungen der Gefäße rechtzeitig erkannt und richtig behandelt, sind die Heilungs- und Genesungschancen heutzutage gut bis sehr gut. Eine optimale Versorgung erhalten Patienten in spezialisierten Gefäßzentren, in denen Experten aller Bereiche der Gefäßmedizin eng zusammenarbeiten.

©yo_Fotolia.com

Kleiner Eingriff statt großer Operation
Im Gefäßzentrum Nördliche Ortenau werden arterielle und venöse Gefäßerkrankungen mit Ausnahme von Erkrankungen der Herzkranzgefäße nach höchsten medizinischen Standards behandelt. Eine immer größere Bedeutung gewinnt dabei die sogenannte interventionelle („eingreifende“) Radiologie. „Früher waren meist große Operationen zur Wiedereröffnung von Blutgefäßen notwendig“, so Dr. Andreas Riemer, Leiter des Gefäßzentrums Nördliche Ortenau. „Heute dagegen lassen sich Verschlüsse und Verengungen schonend etwa mittels Ballonaufdehnung und Implantation sogenannter Stents behandeln.“ Dazu führt der Arzt – meist über einen kleinen, arteriellen Zugang in der Leiste – einen sehr dünnen, flexiblen Schlauch, den Katheter, in die betroffene Gefäßregion. Ein Kontrastmittel, das über den Katheter in das Gefäß gespritzt wird, macht die Verengung auf einem Röntgenmonitor sichtbar. Bei der nun folgenden PTA („perkutane transluminale Angioplastie“) wird die Verengung mit Hilfe eines kleinen Ballons gedehnt, um den Blutfluss wieder herzustellen. Diesen Ballon führt der Arzt ebenfalls über den Katheter zur betroffenen Stelle. Falls nötig, wird noch ein Stent eingebracht, um das Gefäß offen zu halten – ein kleines Gittergerüst in Röhrchenform. Während kurze bis mittelstreckige Stenosen und Verschlüsse
rein interventionell (in Offenburg durch Prof. Dr. Laubenberger, in Achern durch Dr. Feik) behandelt werden, müssen komplexe Gefäßveränderungen oder große Aussackungen der Bauchschlagader durch sogenannte Hybridoperationen (offene Operation kombiniert mit einer Ballondilatation und/oder Stenteinlage) im Operationssaal behandelt werden. Hier steht in Offenburg eine moderne Röntgenanlage zur Verfügung.

Moderne Medizintechnik
Die interventionelle Radiologie bietet dank moderner Medizintechnik die Möglichkeit, immer kleiner und flexibler werdende Katheter mit winzigen Kameras und Operationsinstrumenten zu nahezu sämtlichen Gefäßregionen des Patienten zu bringen. Die Verletzungen von Haut und Gewebe beschränken sich dabei auf ein Minimum. Es gibt verschieden Arten von Kathetern, je nach Ursache der Gefäßverstopfung. Zum Öffnen verengter Arterien verwenden die Ärzte Ballonkatheter. Sobald die verengte Stelle im Blutgefäß erreicht ist, werden diese mit Flüssigkeit angefüllt und gedehnt. Bei Verschlüssen durch Blutgerinnsel hingegen nutzen die Ärzte Katheter, über die sie das Gerinnsel absaugen können oder aber solche, über die sie ein Gerinnsel-auflösendes Medikament exakt an die betroffene Stelle einspritzen. Maßnahmen, die sich schon so manches Mal als beinerhaltend erwiesen haben.

Nachgefragt

Fragen an Dr. Andreas Riemer, Leiter des Gefäßzentrums Nördliche Ortenau

Herr Dr. Riemer, wie entsteht eine Arteriosklerose?

Die Entstehung einer Arteriosklerose, umgangssprachlich auch Arterienverkalkung genannt, kann bereits im Jugendalter beginnen und sich über Jahrzehnte unmerklich weiterentwickeln. Zu den Risikofaktoren zählen Nikotinkonsum, hoher Blutdruck, hohe Blutfettwerte und der Diabetes mellitus. Auch das Alter und genetische Veranlagungen spielen eine Rolle.

Was sind die Folgen einer Arteriosklerose?

Dies hängt davon ab, welche Arterien betroffen sind: Betrifft die Arterienverkalkung die Halsschlagader, kann sie einen Schlaganfall auslösen. Verengte oder verschlossene Arterien an den Beinen (in seltenen Fällen sind auch die Hände betroffen) führen von der Schaufensterkrankheit mit Einschränkung der schmerzfreien Gehstrecke bis zum Beinverlust. Verengte Herzkranzgefäße beispielsweise können ein Engegefühl im Brustkorb oder linksseitige Brustschmerzen auslösen, die sogenannte Angina pectoris, die bis hin zum Herzinfarkt führen kann. Über eine Gefäßverkalkung kann es aber auch zu einer gefährlichen Aussackung (Aneurysma) der Schlagader kommen. Besonders gefürchtet ist das Aneurysma der Bauchschlagader. Die besten Maßnahmen zum Vorbeugen bestehen darin, auf eine gesunde und ausgewogene Ernährung zu achten, regelmäßig körperlich aktiv zu sein und Risikofaktoren zu verringern beziehungsweise auszuschalten.

Info

Gefäßzentrum Nördliche Ortenau
Das Gefäßzentrum Nördliche Ortenau mit den Betriebsstellen Offenburg und Achern besteht aus der Klinik für Gefäßchirurgie in Offenburg Ebertplatz unter der ärztlichen Leitung von Dr. Andreas Riemer, dem Radiologischen Institut in Offenburg unter der Leitung von Chefarzt Prof. Dr. Jörg Laubenberger, der Klinik für Innere Medizin und Angiologie in Achern unter der Leitung von Chefarzt Dr. Rüdiger Feik sowie der Neurologischen Klinik in Offenburg Ebertplatz unter der Leitung von Chefarzt Dr. Werner Wenning. Ziel ist die Behandlung aller arteriellen und venösen Gefäßerkrankungen nach neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen. Die interventionelle Behandlung („interventionell“ bezeichnet Diagnose- oder Therapieverfahren, die gezielte Eingriffe – „Interventionen“ - am erkrankten Gewebe vornehmen) wird an den Betriebsstellen Offenburg Ebertplatz und Achern durchgeführt. Die operative Versorgung von arteriellen und venösen Gefäßerkrankungen erfolgt an der Betriebsstelle Offenburg Ebertplatz. Seit dem 1. Juli dieses Jahres ist das Gefäßzentrum Nördliche Ortenau von allen drei Fachgesellschaften zertifiziert: der Deutschen Gesellschaft für Gefäßchirurgie und Gefäßmedizin (DGG), der Deutschen Gesellschaft für Radiologie (DRG) sowie
der Deutschen Gesellschaft für Angiologie (DGA).

Hinweis:

Die hier publizierten Beiträge sind redaktionell und die darin enthaltenen Angaben zu Daten, Fakten, Kontakten o.ä. werden nicht aktualisiert. Zur näheren Information besuchen Sie bitte die jeweiligen Fachkliniken auf der Website des Ortenau Klinikums.

    Dr. Andreas Riemer

    Leiter des Gefäßzentrums              Nördliche Ortenau

 

Patientenzeitschrift Heft 17

Die Ortenau Gesundheitswelt informiert Patienten und Besucher des Ortenau Klinikums halbjährlich über wichtige Gesundheitsthemen wie Prävention, Erkrankungen und Therapiemöglichkeiten.


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