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Medizin und Gesundheit | Artikel Aktueller Artikel

Hightech-Medizin bringt Herzen in den richtigen Takt

An der Medizinischen Klinik des Ortenau Klinikums in Lahr kann das gesamte Spektrum der Herzrhythmusstörungen behandelt werden. Auch für Notfall-Patienten, die beispielsweise mit Herzrasen eingeliefert werden, ist das dortige Team bestens gerüstet – denn seit Juli 2017 verfügt der Standort über eine Sektion im Bereich Rhythmologie. Unter Leitung von Dr. med. univ. Robert Pölsler werden dort elektrophysiologische Untersuchungen und Ablationen angeboten.

Hightech-Medizin bringt Herzen in den richtigen Takt.

Direkt vor der Haustür bieten sich zahlreiche Möglichkeiten, die Herzgesundheit zu stärken.

Prof. Dr. Manfred Mauser © Ortenau Klinikum

Dr. med. univ. Robert Pölsler © Ortenau Klinikum

Das Herz macht Sprünge, der Brustkorb verengt sich und das Ringen nach Luft setzt ein: Wer von Herzrhythmusstörungen betroffen ist, wird häufig in der Nacht von entsprechenden Symptomen geplagt. „Für Patienten ist das sehr unangenehm. Hinzu kommt die Gefahr eines Schlaganfalls oder einer Herzschwäche“, warnt Dr. med. univ. Robert Pölsler. Doch wie kommt es dazu?

„Das Herz gerät aus dem Takt“

Der gewöhnliche Puls liegt bei etwa 60 bis 100 Schlägen pro Minute. Patienten mit Herzrhythmusstörungen erreichen teilweise einen weit höheren oder niedrigeren Puls. „Ihr Herz gerät aus dem Takt“, erklärt Dr. Pölsler. Als häufigste Herzrhythmusstörung gilt das Vorhofflimmern. Dabei lösen die Lungenvenen elektrische Impulse aus, die den gesunden Herzschlag unterbrechen. Im gesunden Herzen ist der Sinusknoten im rechten Herzvorhof der Taktgeber. Er bildet ein elektrisches Signal, das über ein Reizleitungssystem in die beiden Herzkammern geleitet wird und dort das Zusammenziehen des Herzmuskels auslöst – den menschlichen Herzschlag.

Virtuelle Darstellung des Herzens durch 3D-Mappingverfahren

Dr. Pölsler und sein Team sind genau diesen Auslösern auf der Spur. Die Suche beginnt in den meisten Fällen nach dem gleichen Schema: Zunächst gilt es, andere Erkrankungen auszuschließen. Beispielsweise kann eine Schilddrüsenüberfunktion für Störungen im Herzrhythmus verantwortlich sein. Anschließend folgt die elektrophysiologische Untersuchung. Der Experte spricht von „Triggern“ (Auslösern), die dabei in den Lungenvenen aufgesucht und isoliert werden. Die Möglichkeit dazu bietet eine spezielle Herzkatheteruntersuchung, bei der zwei gängige Verfahren zum Einsatz kommen: die Verödung mit Hitze (Radiofrequenzablation) und mit Kälte (Kryoablation). In einem frühen Stadium, dem anfallsartigen Vorhofflimmern, platzieren die Kardiologen einen Ballon in die Lungenvene und kühlen ihn auf minus 40 bis minus 60 Grad ab. Dadurch entstehen kleine Narben, die die auslösenden elektrischen Impulse stoppen. Doch auch für Patienten mit komplexer Anatomie und Vorhofflimmern in fortgeschrittenen Stadien besteht Hoffnung. Durch eine virtuelle Darstellung können die Kardiologen die komplette Anatomie und Elektrik des Herzens untersuchen. „Uns steht dafür das hochmoderne 3D-Mappingverfahren zur Verfügung. So lässt sich das Herz ähnlich einer Landkarte darstellen“, erklärt der Sektionsleiter. Im nächsten Schritt werden dann mit Hilfe einer Katheter-Spitze Punkt für Punkt Narben um die Lungenvenen herum gesetzt. „Mit den von uns eingesetzten Verfahren konnten wir seit Sektionsgründung bereits zahlreiche Patienten erfolgreich behandeln“, so die positive Bilanz von Dr. Pölsler.

Medizinische Diagnose: „Je früher, desto besser.“

Diese neuen Methoden sind einzigartig für das Ortenau Klinikum. Eine therapeutische Alternative für Betroffene gibt es derzeit nur in Form von Medikamenten, die das Herz im Takt halten oder verlangsamen. Die grundlegenden Ursachen können diese zwar nicht beheben, einige Rhythmusstörungen lassen sich so aber gut behandeln, wenn auch mit deutlich schlechterem Erfolg. In jedem Fall sollten Patienten Warnsignale ernst nehmen und der medizinischen Abklärung nicht zu lange aus dem Weg gehen. Hier gilt laut dem Experten: „Je früher, desto besser.“

Rhythmussprechstunde:

Um Fragen zu Herzrhythmusstörungen und möglichen Behandlungen zu besprechen, bietet Dr. Pölsler eine Rhythmussprechstunde im Medizinischen Versorgungszentrum in Lahr nach telefonischer Vereinbarung unter der Nummer 07821 93-2857 an.

 



„Ein Ausflug in die Schwarzwälder Natur ist purer Genuss – ganz ohne Reue“

Fragen an den Chefarzt der Medizinischen Klinik in Lahr, Professor Dr. Manfred Mauser, und Rhythmologie-Sektionsleiter  Dr. med. univ. Robert Pölsler.

Herr Professor Mauser, welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es in Ihrer Medizinischen Klinik in Lahr?

In unserer Klinik werden jährlich über 3.500 Patienten mit akuten oder chronischen Erkrankungen des Herzens, des Kreislaufs, der Gefäße und der Lunge stationär behandelt. Einen besonderen Schwerpunkt bildet die Untersuchung und Behandlung von Durchblutungsstörungen des Herzens. Hierfür steht ein Linksherz-Kathetermessplatz der neuesten Generation zur Verfügung und auch das Herzinfarktzentrum Ortenau ist Teil der Medizinischen Klinik Lahr.

Herr Dr. Pölsler, was sind Warnsignale bei Herzrhythmusstörungen?

Diese sind nicht immer einfach zu erkennen. Ein anhaltend unregelmäßiger Herzschlag ist aber ein Grund, der eine ärztliche Untersuchung erfordert. Teilweise erleiden Patienten auch Zusammenbrüche mit starkem Herzrasen. Sie erfordern in jedem Fall eine dringliche weitere Abklärung.

Wer ist besonders gefährdet?

Gefährdet sind Patienten mit bestehenden Herzkrankheiten. Das kann beispielsweise ein langjähriger Bluthochdruck sein. Nach einem Herzinfarkt sollten Betroffene ebenfalls wachsam bleiben. Des Weiteren gibt es Patienten mit einer angeborenen Herzrhythmusstörung, die besonders beeinträchtigt sind.

Körperliche Fitness ist erwiesenermaßen wichtig für Herzkranke. Wie motivieren Sie Ihre Patienten, sich mehr zu bewegen? 

Haben Sie einen Tipp? Ich verweise gerne auf das Angebot direkt vor der Haustür – unsere Region bietet unzählige Möglichkeiten zum Radfahren, Wandern und Spazierengehen. Ein Ausflug in die Schwarzwälder Natur ist purer Genuss – ganz ohne Reue.


Ihre Fachklinik vor Ort

Medizinische Klinik – Kardiologie, Pneumologie, Intensivmedizin
Sektion Rhythmologie
Standort Lahr
Prof. Dr. Manfred Mauser
Dr. med. univ. Robert Pölsler
Klostenstraße 19
77933 Lahr
Tel. 07821 93-2403
E-Mail: kardiologie.lah@ortenau-klinikum.de 

Patientenzeitschrift Heft 16

Die Ortenau Gesundheitswelt informiert Patienten und Besucher des Ortenau Klinikums halbjährlich über wichtige Gesundheitsthemen wie Prävention, Erkrankungen und Therapiemöglichkeiten.


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