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Grauer Star – schleichender Nebel trübt die Sehkraft

Unser Auge lässt sich gut mit einer Fotokamera vergleichen. Im menschlichen Auge, wie auch in der Kamera, befindet sich eine Linse. Beide Linsen brechen das Licht so, dass ein scharfes Bild auf der Nervenzellschicht bzw. einem Film oder Photo-Chip entstehen kann. Wenn die Kameralinse verschmutzt ist, lässt sie sich einfach säubern. Doch was tun wir, wenn die Linse in unserem Auge beeinträchtigt ist? Priv.-Doz. Prof. h.c. (Twer) Dr. Konrad Hille, Chefarzt der Augenklinik am Ortenau Klinikum Offenburg-Gengenbach erklärt, wie es zu einer Trübung der Augenlinse kommt und wie diese behandelt werden kann.

Priv.-Doz. Prof. h.c. (Twer) Dr. Konrad Hille

Ist die Augenlinse getrübt, wird von Grauem Star oder einer Katarakt gesprochen. Meist erkranken beide Augen, teilweise auch zeitversetzt. Als der „Graue Star“ noch nicht operiert werden konnte, erblindeten die Patienten und „starrten“ in die Leere, daher der Name der Erkrankung: „starrer Blick“ oder Star. Die Pupille erscheint grau und mit der zunehmenden Trübung der Augenlinse nimmt auch die Sehleistung ab. Heute ist der graue Star gut behandelbar.

Zunehmende Verschlechterung der Sehfähigkeit

Der Graue Star tritt verstärkt ab einem Alter von 60 Jahren in Erscheinung. Selten können aber auch Kinder und Jugendliche betroffen sein, zum Beispiel wenn die Linsentrübung vererbt wurde, Verletzungen oder Infektionen vorliegen. Häufig bleibt die Ursache aber unbekannt. Es beginnt zunächst die Verschlechterung der Sehfähigkeit. „Die Patienten sehen wie durch einen Nebel. Gegenstände werden unscharf oder sehen aus, als seien sie hinter einem Schleier verborgen“, erklärt Prof. Dr. Hille, „mit der Zeit verdichtet sich dieser Nebel. Häufig ist auch eine erhöhte  Blendungsempfindlichkeit oder eine Änderung der Brechkraft mit einer zunehmenden Kurzsichtigkeit, so dass Lesen ohne Brille sogar vorübergehend möglich sein kann, bis die Linse dann zu sehr eintrübt.“ Durch diese Sehstörungen verschlechtern sich auch die räumliche Wahrnehmung sowie die Orientierungsfähigkeit.

Behandlung individuell auf den Patienten abgestimmt

Der Graue Star entsteht, wenn Stoffwechselprozesse nicht mehr optimal arbeiten, so dass sich Stoffwechselprodukte in der  Linse ablagern. „Auch starke Sonneneinstrahlung, Zuckerkrankheit, verschiedene Hauterkrankungen und bestimmte Medikamente, Rauchen oder eine Verletzung können zu dieser Erkrankung führen“, so der Augenspezialist. Um ein normales Sehen mit einer möglichst geringen Brillenkorrektur zu erhalten, muss bei einer Entfernung der getrübten Linse diese durch eine künstliche Linse ersetzt werden. „Die Linse wird nach Wunsch des Patienten so gewählt, dass er entweder in der Ferne oder in der Nähe scharf sehen kann“, so Dr. Hille, „Wenn es gewünscht wird, können wir auch gegen Mehrkosten Speziallinsen einpflanzen, die zum Beispiel gleichzeitiges Sehen auf die Ferne und die Nähe ermöglichen.“

Gute Chancen auf einwandfreie Sicht

Laut dem Chefarzt der Augenklinik müsse der Behandlungsablauf aber mit dem Patienten gesondert besprochen werden, da nicht jeder für eine solche Speziallinse geeignet sei. „Durchgeführt wird der Eingriff in der Regel ambulant in örtlicher Betäubung mithilfe von Augentropfen oder einer Spritze“, führt Dr. Hille aus, „in besonders schwierigen Situationen können wir aber auch eine stationäre Behandlung und einen Eingriff in Vollnarkose anbieten.“ Er fügt hinzu, dass die Risiken der Behandlung dabei sehr gering seien. Jährlich lassen sich über 800.000 Menschen in Deutschland operieren. 90 Prozent der operierten Personen erreichen anschließend eine Sehleistung zwischen 50 und 100 Prozent.

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Priv.-Doz. Prof. h.c. (Twer) Dr. Konrad Hille
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Tel. 0781 472-2204
E-Mail: augenheilkunde.og@ortenau-klinikum.de

Patientenzeitschrift Heft 16

Die Ortenau Gesundheitswelt informiert Patienten und Besucher des Ortenau Klinikums halbjährlich über wichtige Gesundheitsthemen wie Prävention, Erkrankungen und Therapiemöglichkeiten.


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