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Fünf Minuten entscheiden über Leben und Tod

Ein plötzlicher Herztod kann jeden treffen. Entscheidend ist, ob und wie schnell Hilfsmaßnahmen eingeleitet werden. In der Regel sind die Betroffenen auf umstehende Laien angewiesen. Warum man vor der Anwendung von Erste-Hilfe-Maßnahmen keine Angst haben muss, erklärt Dr. Rolf Ermerling, Chefarzt der Anästhesie am Ortenau Klinikum Kehl sowie Leitender Notarzt und Transplantationsbeauftragter.

Bis bei einem Herzstillstand Hilfe eintrifft, sollten Ersthelfer eine Herzmassage durchführen. Dabei drückt man 100 Mal pro Minute etwa fünf Zentimeter tief mitten auf den Brustkorb.

Dr. Rolf Ermerling, Chefarzt der Anästhesie am Ortenau Klinikum Kehl sowie Leitender Notarzt und Transplantationsbeauftragter

Mit 80.000 bis 100.000 Fällen pro Jahr gehört der plötzliche Herztod zu den häufigsten Todesursachen in Deutschland. Männer sind dreimal so häufig betroffen wie Frauen. Ein Mensch bricht zusammen und verliert das Bewusstsein, weil das Herz stockt. Meist liegt dem Ganzen eine Erkrankung zugrunde, die zuvor unentdeckt blieb.

Zeit bis zur Reanimation ist entscheidend

„Auslöser eines plötzlichen Herztodes ist meist das Kammerflimmern, bei dem sich der Herzmuskel nicht mehr geordnet kontrahiert“, erklärt Dr. Ermerling. „Es gelangt kein Blut mehr in den Kreislauf und das Gehirn sowie der restliche Körper werden nicht mehr mit Sauerstoff versorgt.“ Auch ein unmittelbarer Herzstillstand kann den Herztod auslösen. Es kommt zum Verlust des Bewusstseins und der Betroffene atmet nicht mehr normal oder gar nicht mehr.

„Ohne Blutzufuhr und Sauerstoff können die Organe und vor allem das Gehirn nur kurze Zeit überleben“, gibt der Facharzt für Anästhesiologie, Spezielle anästhesiologische Intensivmedizin und Notfallmedizin zu bedenken. „Führt ein Ersthelfer eine Herzdruckmassage durch, wird so ein gewisser Blutkreislauf, welcher für die Sauerstoffversorgung des Gehirn benötigt wird, aufrechterhalten.“ Denn auch wenn das Herz stillsteht, befindet sich dennoch Restblut darin, das so zu den lebenswichtigen Organen gepumpt wird. „Entscheidend ist, wie viel Zeit bis zum Beginn von Reanimationsmaßnahmen vergeht“, so der Chefarzt. Pro verstrichener Minute verringert sich die Überlebenswahrscheinlichkeit um ungefähr zehn Prozent. Findet innerhalb von fünf Minuten kein Eingreifen statt, ist es unwahrscheinlich, dass der Betroffene überlebt.

Jeder kann Ersthelfer sein

Die drei wichtigen Schritte bei der Erstversorgung sind Prüfen, Rufen und Drücken. Zuerst sollte die Person angesprochen und gegebenenfalls leicht an den Schultern gerüttelt werden. Dabei ist stets auf die Atmung zu achten. „Erfolgt keine Reaktion, muss sofort der Notruf 112 kontaktiert werden“, betont Dr. Ermerling. Bis Hilfe eintrifft, sollte eine Herzmassage durchgeführt werden. Dabei drücken Ersthelfer 100 Mal pro Minute etwa fünf Zentimeter tief mitten auf den Brustkorb.

Dass im Notfall niemand Berührungsängste haben muss und jeder zum Lebensretter werden kann, egal ob Arzt, Schüler oder Angestellter, vermittelt der Chefarzt auch bei Vorträgen im Rahmen der Schüler-Gesundheitsakademie. Die wichtigste Botschaft: Bei einem Herzstillstand zählt buchstäblich jede Minute.

Gut zu wissen!

PULS: Im Notfall rufen Sie 112 und beginnen Sie sofort mit der Wiederbelebung. Suchen Sie nicht nach dem Puls – das kostet wertvolle Zeit.

SAUERSTOFF: Wer Mund-zu-Mund-Beatmung nicht beherrscht, beschränkt sich auf Herzdruckmassage. Es befindet sich noch Sauerstoff in der Lunge.

AUSREICHENDER DRUCK: Auch bei einer korrekten Herzdruckmassage kann es zu Rippenbrüchen kommen. Nehmen Sie diese in Kauf, um ein Leben zu retten.

DAUER: Brechen Sie die Reanimation nicht ab, sobald Sanitäter in Sicht sind. Machen Sie weiter, bis der Rettungsdienst die Maßnahme übernimmt.

Ihre Fachklinik vor Ort

Anästhesie

Dr. Rolf Ermerling
Kanzmattstr. 2
77694 Kehl
Tel. 07851 873-186
E-Mail: anaesthesie(at)kel.ortenau-klinikum.de

Patientenzeitschrift Heft 14

Die Ortenau Gesundheitswelt informiert Patienten und Besucher des Ortenau Klinikums halbjährlich über wichtige Gesundheitsthemen wie Prävention, Erkrankungen und Therapiemöglichkeiten.


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