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Ein neues Leben beginnt – durch Adipositaschirurgie zu neuer Vitalität

Die Geschichte von Larissa Wolf* zeigt, warum noch immer viele Betroffene vergebens gegen ihr extremes Übergewicht ankämpfen und erst spät professionelle Behandlung in Anspruch nehmen.

Für Larissa Wolf beginnt ein neues Leben

Dr. Bernhard Hügel

Es sind Erinnerungen aus einem anderen Leben: Als Larissa Wolf die Fotos aus vergangenen Jahren vor sich auf dem Tisch ausbreitet, erkennt sie sich selbst nicht wieder. Nur acht Monate ist es her, da wog die 43-jährige Filialmitarbeiterin noch über 140 Kilo. Sie ließ nichts unversucht im Kampf gegen das Übergewicht: Ernährungsumstellung, Bewegung, Verhaltenstherapie – doch der gewünschte Erfolg stellte sich nicht ein. Was auf die Frustration folgte, war eine noch stärkere Gewichtszunahme. „Ich konnte nicht mich nicht mehr richtig bewegen und meine Arbeit nicht mehr richtig ausführen“, erinnert sich Frau Wolf. Zusätzlich zu den Schmerzen in den Gelenken litt sie unter gefährlich erhöhten Blutwerten und einem hohen Blutdruck. Larissa Wolf reagierte auf diese Warnsignale und ließ sich im Adipositas-Zentrum des Ortenau Klinikums Offenburg von Chefarzt Dr. Bernhard Hügel beraten.

Wie Larissa Wolf leidet ein Viertel der deutschen Erwachsenen unter Adipositas. Die Tendenz ist steigend, jeder vierte Deutsche hat bereits starkes Übergewicht. Dies hat die jüngste Studie des Robert-Koch-Instituts aus den Jahren 2008 bis 2011 ergeben. Übergewicht bezieht sich auf den sogenannten Körper-Masse-Index (BMI). Um diesen zu errechnen, wird das Gewicht in Kilogramm durch das Quadrat der Körpergröße in Metern geteilt. Bei einem BMI von 25 bis 30 wird von Übergewicht gesprochen, bei einem höheren BMI von Adipositas (aus dem Lateinischen „adeps“ für „Fett‘). Laut dem Robert-Koch-Institut sind für die Entstehung von Adipositas hauptsächlich Ernährungs- und Bewegungsgewohnheiten und erblichen Faktoren verantwortlich.

Die Operation als einzige Option

Konservative Therapiemaßnahmen wie Diäten oder eine Erhöhung der körperlichen Aktivität können Adipositas-Patienten meist keine Besserung verschaffen. „Ab einem BMI von über 40 sprechen wir von einer morbiden Adipositas“, erklärt Dr. Hügel, „die Gesundheitsgefährdung ist dann so groß, dass ein operativer Eingriff nötig ist.“ Für viele Patienten ist die Operation die letzte Chance, um ausreichend Gewicht zu verlieren und eventuelle Begleiterkrankungen wie Bluthochdruck oder Diabetes positiv zu beeinflussen. Unbehandelt kann die Adipositas zu Schlaganfall, Herzinfarkt oder Krebs führen. „Derzeit kommen viele Patienten noch viel zu spät zu uns. Der durchschnittliche BMI zum Operationszeitpunkt liegt bei über 50 kg/m² und damit deutlich über dem bundesdeutschen Durchschnitt. Bei dieser Ausprägung sprechen wir von einer „Super-Obesity“ mit einer absoluten Operationsindikation. Hierzu stehen verschiedene Operationsmöglichkeiten zur Verfügung“, so Dr. Hügel, „sie sind minimalinvasiv, was bedeutet, dass wir dank der sogenannten „Schlüsselloch-Chirurgie“ nur kleine Stiche durchführen.“

Verschiedene Operationstechniken führen zum Ziel

Eine Operationstechnik ist der „Schlauchmagen“. „Über einen innenliegenden, kalibrierenden Schlauch wird der Magen mit Klammernahtgeräten so zerteilt, dass das Fassungsvermögen des Magens auf maximal 100 Milliliter verkleinert wird“ erläutert Dr. Hügel, „der Restmagen wird entfernt und damit auch der Teil, der das sogenannte Hungerhormon ausschüttet.“ Nach dem Eingriff stellt sich während der Nahrungsaufnahme schneller ein Sättigungsgefühl ein. Eine weitere Möglichkeit ist die Magenbypass-Operation, die weltweit zu den am häufigsten durchgeführten Operationen zählt. Auch bei diesem Verfahren wird der Magen verkleinert, es bleibt aber nur ein Stück von maximal 30 Millilitern zurück. „Indem wir den Zwölffingerdarm umgehen, wird die Ausschüttung von Hormonen, die Adipositas begünstigen, gedrosselt oder gestoppt“, so Dr. Hügel, „diese Hormone werden nämlich bei Nahrungskontakt mit der Wand des Zwölffingerdarms ausgeschüttet.“ Durch den gleichzeitig verringerten Weg der Nahrung im Dünndarm nimmt der Körper außerdem etwa 40 Prozent der aufgenommenen Fette nicht auf und scheidet diese unverdaut aus.

Erfolgsmodell Adipositas-Zentrum

Der erste Eingriff fand am Ortenau Klinikum Offenburg-Gengenbach im November 2010 statt. 2016 wurde dann am Klinikstandort Offenburg Ebertplatz ein Adipositas-Zentrum implementiert. Die enge interdisziplinäre Zusammenarbeit im gesamten Klinikum führt viele Patienten zu Dr. Hügel. „Die jahrelange Erfahrung mit übergewichtigen Patienten ist ein Erfolgsfaktor unseres Zentrums. Wir sind froh, auf ein exzellentes Team aus Ernährungstherapeuten und Pflegekräften sowie die erforderlichen Zusatzdisziplinen wie Innere Medizin, Psychotherapie und Plastische Chirurgie zurückgreifen zu können“, bekräftigt der Chefarzt. Auch Larissa Wolf ist stolz auf ihren Erfolg. Sie konnte nach ihrer Bypass-Operation vor zwölf Monaten bereits um die 60 Kilo abnehmen. „Für mich beginnt ein neues Leben“, sagt sie und sammelt die Fotos vom Tisch. Sie legt sie an ihren Platz in der Schrankschublade zurück und verschließt diese sorgfältig.

*Name von der Redaktion geändert
 

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Adipositas-Zentrum

Ortenau Klinikum Offenburg Gengenbach
Standort Offenburg Ebertplatz
Dr. Bernhard Hügel
Ebertplatz 12
77654 Offenburg
Tel. 0781 472-2001
E-Mail: allgemeinchirurgie.og@ortenau-klinikum.de


Patientenzeitschrift Heft 15

Die Ortenau Gesundheitswelt informiert Patienten und Besucher des Ortenau Klinikums halbjährlich über wichtige Gesundheitsthemen wie Prävention, Erkrankungen und Therapiemöglichkeiten.


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