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Bauchspeicheldrüsenkrebs: Die Gefahr im Bauch

Beim morgendlichen Blick in den Spiegel traf es Heiner Müller* völlig unvorbereitet: Das Weiße seiner Augen hatte die Farbe einer überreifen Zitrone angenommen. Als zusätzlich ein starker Juckreiz auftrat, wurde er misstrauisch. Sein Hausarzt diagnostizierte zunächst eine Gelbsucht, forschte jedoch weiter nach. Zum Glück für Herrn Müller, denn Grund für die Symptome war ein Pankreaskarzinom. Durch die frühzeitige Diagnose gelang es den Spezialisten der Allgemein-, Viszeral- und Gefäßchirurgie am Ortenau Klinikum Offenburg-Gengenbach den Tumor operativ zu entfernen. Nur 14 Tage nach dem Eingriff ist Herr Müller bereits wieder auf seinem Rennrad unterwegs – und ein gutes Beispiel dafür, wie wichtig Früherkennung ist.

Bauchspeicheldrüsenkrebs, auch Pankreaskarzinom genannt, ist schwer zu erkennen.

Prof. Dr. Uwe Pohlen, Chefarzt der Allgemein-, Viszeral- und Gefäßchirurgie und Facharzt für Chirurgie und Viszeralchirurgie am Ortenau Klinikum Offenburg-Gengenbach

Bauchspeicheldrüsenkrebs, auch Pankreaskarzinom genannt, ist schwer zu erkennen. Etwa sechs Prozent aller Krebstodesfälle sind auf einen aggressiven Tumor in der Bauchspeicheldrüse zurückzuführen. Das liegt unter anderem daran, dass das Geschwür von außen nicht zu sehen ist und auch nicht ertastet werden kann: Das Pankreas liegt gut versteckt im oberen Bauchbereich zwischen Magen und Wirbelsäule. Ein Teil des etwa 15 cm langen Organs ist für die Produktion von Verdauungsenzymen zuständig, während der andere Teil den Zuckerstoffwechsel mithilfe der Hormone Insulin, Glukagon und Somatostatin reguliert. Durch den Krebs werden diese Prozesse beeinträchtigt.

Symptome beachten

Mögliche Symptome für Bauchspeicheldrüsenkrebs können rasanter Gewichtsverlust, ständige Bauchschmerzen, fehlender Appetit oder ein neu auftretender Diabetes mellitus sein. Besonders häufig bricht auch die leicht erkennbare Gelbsucht (Ikterus) aus, die die Ärzte bei Herrn Müller auf den Krebs aufmerksam machte. Die Krankheit tritt in den meisten Fällen auf, wenn sich der Tumor in der Nähe oder im Gallengang selbst befindet. Ein deutliches Zeichen ist eine gelbliche Färbung von Haut und Schleimhäuten. „Jeder Ikterus ist sofort vom Arzt abzuklären und ist bis zum Beweis des Gegenteils hochgradig verdächtig auf eine bösartige Neubildung“, betont Prof. Dr. Uwe Pohlen, Chefarzt der Allgemein-, Viszeral- und Gefäßchirurgie und Facharzt für Chirurgie und Viszeralchirurgie am Ortenau Klinikum Offenburg-Gengenbach. Das ist besonders wichtig, denn es gilt: Je früher ein Tumor entdeckt wird, desto größer sind die Chancen auf Heilung.

Früherkennung als beste Chance auf Heilung

„Die Erkrankung ist deswegen besonders gefährlich, da der Tumor sehr aggressiv ist und häufig erst zu spät erkannt wird. Idealerweise sollte der Tumor im Frühstadium erkannt werden“, erklärt Professor Pohlen. Das Problem ist, dass gerade im Frühstadium nicht immer Symptome erkennbar sind, beziehungsweise rechtzeitig mit der Krebserkrankung in Zusammenhang gebracht werden können. Auch wirkliche Risikofaktoren gibt es nicht. Begünstigt werden kann die Erkrankung jedoch durch exzessiven Alkoholkonsum und eine dadurch immer wieder entzündete Bauchspeicheldrüse. Auch die Risikogruppe ist entscheidend: So sollten sich vor allem Männer ab dem 60. Lebensjahr regelmäßig untersuchen lassen.

Schonendes OP-Verfahren

Treten verdächtige Symptome auf, werden zunächst in einer Röntgenröhre (Computertomographie) Aufnahmen des Bauchraumes gemacht. Danach folgt eine Endosonographie, bei der der Magen mithilfe eines Ultraschallgeräts untersucht wird. Außerdem wird der Patient auf sogenannte Tumormarker,  biochemische Substanzen, die vermehrt auftreten, wenn ein Tumor den Körper befallen hat, getestet.

Liegt ein Befall der Bauchspeicheldrüse vor, besprechen sich die jeweiligen Spezialisten im Tumorboard und wählen die am besten geeignete Behandlung aus. Im Fall von Herrn Müller wurde die primäre Operation empfohlen. „Die Operation ist eine pyloruserhaltende (Magenschließer-erhaltende) Pankreaskopfentfernung. Hierbei werden der gesamte Zwölffingerdarm, die Gallenblase sowie Teile des Gallengangs entfernt, ebenso der Bauchspeicheldrüsenkopf. Erhalten bleiben ungefähr 2 cm des Zwölffingerdarms hinter dem Magenschließer“, erklärt Prof. Dr. Pohlen das übliche Vorgehen. „Dann wenden wir in unserer Klinik ein sehr schonendes Verfahren an. Die Bauchspeicheldrüse wird in den Magen eingenäht und danach wieder die Gallengänge mit dem Dünndarm verbunden und dann der Magen mit erhaltenem Schließmuskel wieder in den Dünndarm fixiert“.

Risiken während der Abheilungsphase

Verläuft der Eingriff erfolgreich, kann der Patient bereits am nächsten Tag wieder langsam anfangen zu essen und sich nach der Abheilungsphase normal ernähren. Der Heilungsprozess birgt jedoch auch Risiken: „Die Operation ist nicht ungefährlich, da die Verbindung der Bauchspeicheldrüse mit dem Verdauungstrakt hochproblematisch ist und in ca. 30 Prozent der Fälle nicht richtig abheilt und daraus eine Pankreasfistel resultiert, die je nach Größe kleine und große  Komplikationen machen kann“, erläutert der Spezialist. Auch ein Diabetes mellitus könne auftreten. Das sei jedoch nur selten der Fall, da sich die Erfolgsorgane der Insulinproduktion in der gesamten Bauchspeicheldrüse befänden. Nach einer erfolgreichen Operation gilt außerdem: Der aggressive Tumor kann jederzeit wiederkommen – umso wichtiger ist also, sich regelmäßig durchchecken zu lassen. Herr Müller genießt trotzdem seine zurück gewonnene Lebensqualität in vollen Zügen.

* Name von der Redaktion geändert

Ihre Fachklinik vor Ort

Klinik für Allgemein-, Viszeral- und Gefäßchirurgie

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Tel. 0781 472-2001
E-Mail: allgemeinchirurgie.og@ortenau-klinikum.de

Vorträge mit Prof. Dr. Uwe Pohlen

 

Do, 25. März 2018, 19 Uhr

Ortenau Klinikum in Offenburg St. Josefsklinik, Auditorium

Themenabend Darmkrebs –Behandlungsmöglichkeiten bei Darmkrebs


Große Schnitte oder Schlüssellochchirurgie – wie operiere ich Patienten mit Darmkrebs?
Prof. Dr. Uwe Pohlen, Leiter des Darmzentrums Standort Offenburg, Chefarzt der Allgemein-, Viszeral- und Gefäßchirurgie, Ortenau Klinikum Offenburg-Gengenbach

Den Tumor verkleinern: Kombinierte Radio-Chemotherapie
Prof. Dr. med. Felix Momm, Chefarzt der Radio-Onkologie, Ortenau-Klinikum Offenburg-Gengenbach

Adjuvant oder Palliativ: Medikamentöse onkologische Behandlungsmöglichkeiten beim Darmkrebsleiden
Dr. Bernhard Linz, Ambulantes  Therapiezentrum für Hämatologie und Onkologie, Offenburg

Im Anschluss besteht die Gelegenheit, das Gespräch mit Experten und Mitgliedern der Selbsthilfegruppe „Deutsche ILCO Offenburg/Ortenau“ zu suchen und Fragen zu klären.

Di, 11. September 2018, 19 Uhr

Ortenau Klinikum in Offenburg St. Josefsklinik, Auditorium

Was heißt moderne Chirurgie und welche Entwicklung nimmt die Chirurgie in den nächsten Jahren?


Die Chirurgie hat in den letzten Jahren eine beachtliche Entwicklung durchgemacht. Die Schlüssellochchirurgie (minimalinvasive Chirurgie) hat in allen Bereichen Einzug gehalten. Leisten- und Narbenbrüche werden minimalinvasiv mit neu entwickelten Kunststoffnetzen operiert. Dick- und Dünndarmoperationen erfolgen minimalinvasiv. Der Trend geht zu immer weniger invasiven Operationen. Auch die neue Volkserkrankung „Adipositas“ kann eigentlich nur durch eine Operation verbessert werden. Auch hierfür haben wir uns als Adipositaszentrum qualifiziert. Große Operationen an der Speiseröhre und an der Bauchspeicheldrüse dürfen nur noch operiert werden, wenn das Krankenhaus über genug nachzuweisende Qualifikation verfügt (Mindestmengen). Auch für diese großen Eingriffe zeichnet sich unser Haus aus. Der Vortrag soll Ihnen einen Einblick in die Möglichkeiten einer großen chirugischen Klinik geben und am Ende aufzeigen, wie die Entwicklung der nächsten Jahre aussehen wird.

Prof. Dr. Uwe Pohlen, Chefarzt der Allgemein-, Viszeral- und Gefäßchirurgie am Ortenau Klinikum Offenburg-Gengenbach

Patientenzeitschrift Heft 15

Die Ortenau Gesundheitswelt informiert Patienten und Besucher des Ortenau Klinikums halbjährlich über wichtige Gesundheitsthemen wie Prävention, Erkrankungen und Therapiemöglichkeiten.


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