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Bahnbrechende Behandlungsmethode bei Schlaganfall

Bei einem Hirnschlag zählt jede Sekunde: Pro Minute werden ungefähr zwei Millionen Nervenzellen, 14 Milliarden Nervenverbindungen und 12 Kilometer Nervenkabel beschädigt. Rund 40 Prozent der Betroffenen überleben den Vorfall nicht. Für die Überlebenden ist das Risiko bleibender Schäden hoch. Ein völlig neues Verfahren verbessert die Prognose insbesondere bei schweren Schlaganfällen.

Prof. Dr. Harald Brodoefel (2. v. r.) und sein Team im Angiographielabor des Ortenau Klinikums in Lahr.

Prof. Dr. Harald Brodoefel

Priv.-Doz. Dr. Christian Blahak

Thrombektomie Bei der Thrombektomie wird ein Katheter über die Beckenarterie und die Hauptschlagader bis ins die Kopfgefäße geschoben. Durch den Katheter wird ein Drahtgeflecht (Fangstent) eingeführt, mit dem das Blutgerinnsel entfernt werden kann.

Kann ein Mensch eine Körperseite nicht mehr bewegen, hat einseitige Taubheitsgefühle, Doppelbilder oder einseitige Sehstörungen und spricht undeutlich, sollte umgehend ein Notarzt gerufen werden – die Anzeichen deuten auf einen Schlaganfall hin. Dabei wird das Gehirn nicht mehr ausreichend mit sauerstoffreichem Blut versorgt. In 80 Prozent der Fälle ist die Blutversorgung durch ein Gerinnsel in den Gefäßen blockiert. „Bisher war die einzige Behandlungsoption die Infusion eines speziellen Medikamentes zur Auflösung des Blutgerinnsels (Lysetherapie). Das ist allerdings nur in den ersten viereinhalb Stunden nach Symptombeginn möglich“, erklärt Priv.-Doz. Dr. Christian Blahak, Chefarzt der neurologischen Klinik am Ortenau Klinikum in Lahr. Vor allem große Blutgerinnsel, die besonders ausgedehnte Schlaganfälle verursachen, könnten aber häufig nicht rechtzeitig aufgelöst werden, berichtet er.

Eingriff direkt nach der Diagnose

Eine erst seit wenigen Jahren verfügbare Behandlungsmethode zeigt ausgerechnet bei Patienten mit schwersten Schlaganfällen und bislang sehr ungünstiger Prognose erstaunliche Ergebnisse. „Der Grund hierfür ist, dass die für solche Schlaganfälle verantwortlichen großen Blutgerinnsel in kräftigeren Hirngefäßabschnitten zu finden und so unseren Drähten und Kathetern zugänglich sind“, erklärt Prof. Dr. Harald Brodoefel, Chefarzt der Radiologie. „Die sogenannte mechanische Thrombektomie ist ein echter Fortschritt in der Schlaganfalltherapie und ihre Einführung in Lahr ein großer Gewinn für unsere Patienten“, freuen sich Priv.-Doz. Dr. Christian Blahak und Prof. Dr. Harald Brodoefel. Beide haben sich für die Einführung der Methode am Ortenau Klinikum in Lahr engagiert. Patienten mit akutem Schlaganfall, bei denen der Verschluss eines größeren hirnversorgenden Gefäßes gefunden wird, werden seit vergangenem Jahr zusätzlich zur Lysetherapie notfallmäßig in ein spezielles Angiographielabor verbracht. Anhand von Röntgenstrahlen analysieren dort die behandelnden Ärzte den Verlauf der Blutgefäße und schieben unter Vollnarkose zahlreiche Katheter von der Leiste über die Hauptschlagader bis in die Hals- und Kopfgefäße vor. „Über einen der Katheter wird ein Drahtgeflecht direkt neben dem Blutgerinnsel entfaltet. Dieses verfängt sich darin und kann dann über einen Saugkatheter geborgen werden“, berichtet Prof. Dr. Brodoefel. „Der Eingriff dauert in der Regel weniger als eine Stunde.“

Hohe Erfolgschance durch Studien belegt

Fünf vielbeachtete jüngere Studien belegen die Überlegenheit der Methode bei der Entfernung großer Blutgerinnsel in Ergänzung zur bisherigen Infusion. Auch im Klinikum in Lahr wurden bis dato schon mehr als 60 Patienten erfolgreich behandelt. „Der Großteil der Patienten profitiert nach dem Einsatz des Verfahrens von kleineren Infarktzonen und geringeren Behinderungen im Vergleich zur bisherigen Schlaganfall-Behandlung“, erklärt Priv.-Doz. Dr. Blahak. Bei manchen Patienten bilden sich Symptome wie Halbseitenlähmung und Sprachlosigkeit noch während der Behandlung nahezu komplett zurück. „Solche Ergebnisse sind natürlich enorm motivierend“, bestätigt Professor Brodoefel. Seit Anfang dieses Jahres wird die neue Methode durch eine enge Kooperation zwischen dem Klinikum Lahr und den anderen Standorten des Ortenau Klinikums für den gesamten Kreis angeboten. Auf diese Weise konnte die hohe Qualität der Schlaganfallversorgung für den Ortenaukreis noch weiter ausgebaut werden.

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Patientenzeitschrift Heft 15

Die Ortenau Gesundheitswelt informiert Patienten und Besucher des Ortenau Klinikums halbjährlich über wichtige Gesundheitsthemen wie Prävention, Erkrankungen und Therapiemöglichkeiten.


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