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Medizin und Gesundheit | Artikel Aktueller Artikel

Arztgeschichte: Neues Bestrahlungsgerät am Ortenau Klinikum Offenburg-Kehl

Hochmoderne Geräte, präzises Arbeiten – kurz vor Ostern ging in der Abteilung für Radioonkologie ein neues, zusätzliches Bestrahlungsgerät in Betrieb. Wie es dazu kam und was die neue Technik auszeichnet, berichtet Chefarzt Prof. Dr. Felix Momm.

Neues Bestrahlungsgerät: Varian TrueBeamTM © Ortenau Klinikum

Prof. Dr. Felix Momm © Ortenau Klinikum

Bauplan des Anbaus Radiologie Offenburg © Ortenau Klinikum

Verlauf Stereotaktische Strahlentherapie © Ortenau Klinikum

Die Abteilung für Radioonkologie ist als Baustein des Onkologischen Zentrums Ortenau für die strahlentherapeutische Behandlung von Patientinnen und Patienten mit Krebs in unserem Landkreis zuständig. Dazu kommen Betroffene aus den unmittelbar benachbarten Kreisen und solche, die für spezielle Behandlungen teilweise weit her aus dem Ausland zu uns in die Ortenau kommen. Insgesamt behandeln wir etwa 1.700 neue Patienten pro Jahr. Seit 2012 werden dafür zwei moderne Bestrahlungsgeräte – das sind Linearbeschleuniger – an der St. Josefsklinik in Offenburg genutzt. Bei von den Fachgesellschaften empfohlenen maximal 600 Patienten pro Gerät und Jahr sind die beiden Maschinen schon seit der Eröffnung mehr als ausgelastet.

Kurz vor Ostern, am 15. April 2019, wurde ein neues, zusätzliches Bestrahlungsgerät in einem Erweiterungsbau an der St. Josefsklinik Offenburg in Betrieb genommen. Den grundsätzlichen Beschluss für diese dringend benötigte Erweiterungsmaßnahme hatte der Kreistag am Nikolaustag 2016 gefasst. Die für eine Baumaßnahme im Öffentlichen Dienst sehr kurze Planungs-, Genehmigungs- und Bauzeit von zweieinhalb Jahren haben wir den Mitarbeitern unseres Ortenau Klinikums in der Radioonkologie, aber auch im Technischen Betrieb, in der Bauabteilung und in der Verwaltung zu verdanken, die ihre Aufgaben zuverlässig und kontinuierlich erfüllt haben. Zusätzlich sind wir den Architekten, Bauleitern und Handwerkern zu Dank verpflichtet. Trotz Hochkonjunktur im Bauwesen haben sie auch unseren durch vielerlei notwendige Strahlenschutzmaßnahmen durchaus komplexen Erweiterungsbau schnell vorangetrieben. Wir sind dankbar für die Hilfe aus der Politik und der Kreisverwaltung, die das Projekt immer über alle Parteigrenzen und persönliche Ansichten hinweg unterstützt und mit der Investition von etwa fünf Millionen Euro erst ermöglicht haben. Der Ortenaukreis als Träger unseres Klinikums hat bei dieser Erweiterungsmaßnahme gezeigt, wie geradlinig und komplikationslos Bauen in der Hand des Öffentlichen Dienstes funktionieren kann.

Das Gebäude: Sicherer Strahlenschutz

In der Radioonkologie werden Krebspatienten mit ionisierenden Strahlen, das heißt Gammastrahlen, Photonenstrahlen oder im Grunde Röntgenstrahlen, behandelt. Diese werden genau dosiert und exakt an die erkrankte Stelle im Patienten gebracht. Die grundsätzliche Idee dafür stammt aus dem Ende des 19. Jahrhunderts, als z. B. Marie Curie kurze Zeit nach der Entdeckung der Radioaktivität damit begann, Tumorpatienten mit den Gammastrahlen aus Radium zu behandeln. Damals konnte man die Strahlen noch nicht so exakt dosieren und das medizinische Personal wurde, ebenso wie die Patienten, mit erheblichen Strahlendosen belastet. Mittlerweile darf man Bestrahlungsgeräte nur noch in entsprechend ausgestatteten Gebäuden betreiben, die sicherstellen, dass niemand durch die Strahlung gefährdet wird. Dafür benötigt man dicke Betonmauern und Strahlenschutztore, die einen erheblichen Bauaufwand verursachen.

Unser neuer Bestrahlungsraum erlaubt den direkten Zugang zum Bestrahlungsgerät, was eine dicke Türe notwendig macht: Das Strahlenschutztor durchmisst 1,18 m, wiegt ca. 24 Tonnen und bewegt sich auf Eisenbahnschienen. Im Grunde ist es eine mit Schwerbeton ausgegossene Stahlwanne. An anderen Stellen ist die Stahlbetonwand des Bestrahlungsraumes bis zu 2,50 m dick. Dieser immense Aufwand garantiert den Strahlenschutz für Passanten und Mitarbeiter. Wir Kolleginnen und Kollegen aus der Radioonkologie würden – aus Perspektive des Strahlenschutzes gesehen – ohne Bedenken unsere eigenen Kinder auf oder neben dem Gebäude spielen lassen.

Das Bestrahlungsgerät: Höchste Präzision

Bei der Auswahl des neuen, dritten Bestrahlungsgerätes, einem TrueBeamTM der Firma Varian, wurde zunächst darauf geachtet, dass die Maschine zu den beiden bereits in Betrieb befindlichen Maschinen und der vorhandenen Netzwerkstruktur zur Bestrahlungsplanung und für den Betriebsablauf passt. Somit stellen wir sicher, dass beispielsweise bei einer Gerätewartung die Patienten auch ohne viel Umrechnungsaufwand an den beiden anderen Geräten bestrahlt werden können.

In einer Zeit dynamischer Weiterentwicklungen in der Strahlentherapie bedeutet das neue Gerät vor allem nochmals verbesserte technische Möglichkeiten für die Behandlung unserer Patienten. Die wichtigen Stichworte lauten hier Stereotaktische Hochpräzisionsstrahlentherapie (STX) bzw. Radiochirurgie und atemgetriggertes Gating: STX erlaubt das auf Millimeter genaue Einbringen einer sehr hohen Strahlendosis in den Tumor, sodass dieser sehr effektiv abgetötet werden kann – unter maximaler Schonung des umliegenden gesunden Gewebes. Das neue Gerät verfügt über einen hochpräzisen, in alle drei Raumrichtungen linear verschiebbaren und in alle drei Rotationsachsen drehbaren Tisch zur Patientenlagerung. Es kann sehr viel schneller erheblich mehr Strahlendosis abgeben, als die bisherigen Geräte. Das macht eine stereotaktische Bestrahlung beispielsweise auch für Patienten möglich, die nicht lange ruhig liegen können. Das atemgetriggerte Gating erlaubt zudem, Tumoren, die sich während der Bestrahlung durch die Atmung des Patienten bewegen, trotzdem präzise zu bestrahlen und gesundes Gewebe maximal zu schonen.

Mit dem neuen Bestrahlungsgerät verfügen wir in der Ortenau über den neuesten Stand der Technik für Hochpräzisionsstrahlentherapie und Radiochirurgie sowie gleichzeitig über genug Kapazität für die zügige Behandlung der Patienten, die eine Strahlentherapie brauchen. 


Ihre Fachklinik vor Ort 

Radioonkologie
Ortenau Klinikum Offenburg-Kehl
Betriebsstelle Offenburg St. Josefsklinik
Prof. Dr. Felix Momm
Weingartenstraße 70
77654 Offenburg
Telefon: 0781 472-3201
E-Mail: radioonkologie.og@ortenau-klinikum.de 


Hinweis:

Die hier publizierten Beiträge sind redaktionell und die darin enthaltenen Angaben zu Daten, Fakten, Kontakten o.ä. werden nicht aktualisiert. Zur näheren Information besuchen Sie bitte die jeweiligen Fachkliniken auf der Website des Ortenau Klinikums.