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Medizin und Gesundheit | Artikel Aktueller Artikel

Arthrose - Oberflächenprothesen für jüngere Patienten

Gelenkerkrankungen wie die Arthrose zählen zu den häufigsten Leiden in Deutschland. Meist sind Knie- oder Hüftgelenke von den Knorpelschädigungen betroffen. Ist die Erkrankung weit fortgeschritten, kann ein künstliches Gelenk neue Lebensqualität verleihen. Seit einigen Jahren werden insbesondere bei jüngeren, sportlich aktiven Patienten im Fall einer Hüftgelenksarthrose auch sogenannte Oberflächenprothesen eingesetzt. Dabei wird der erkrankte Oberschenkelkopf nicht entfernt, sondern überkront.

Foto ©Rido - Fotolia.com

Symptome

Eine Arthrose beginnt meist mit einer Initialverletzung, sei es durch einen Unfall oder eine länger andauernde Fehlbelastung. Aber auch mangelnde Bewegung begünstigt die Erkrankung: „Viele Menschen unterschätzen die positive Wirkung, die regelmäßige Bewegung auf Gelenke und Knochen hat“, sagt Dr. Oliver Datz, Chefarzt der Chirurgie am Ortenau Klinikum Wolfach. „Egal ob Nordic Walking, Jogging oder Fahrradfahren, alle diese Bewegungsabläufe beugen Erkrankungen und Schädigungen der Gelenke vor. Nur wenn Gelenke bewegt werden, bleibt die schützende Knorpelschicht erhalten.“ Eine beginnende Arthrose äußert sich mit der typischen Gelenksteifigkeit, die zunächst auch wieder verschwindet. Später kommen Spannungsgefühle und die typisch stechenden Schmerzen bei Belastung hinzu, bis das Gelenk schließlich sogar in Ruhestellung schmerzt.

 

Maßnahmen ausschöpfen

„Arthrose ist nicht heilbar oder rückgängig zu machen. Die Schon-Haltung, die eine beginnende Gelenkerkrankung verursacht, verschlimmert die Arthrose dagegen und sorgt für Schäden an anderen Gelenken“, so Dr. Datz. Ziele der Behandlung sind daher Schmerzlinderung, Erhöhung der Beweglichkeit und Gehleistung sowie die Eindämmung der Arthrose. Obwohl Arthrose nicht heilbar ist, stellt sie keinesfalls einen Schicksalsschlag dar, dem man sich beugen muss. „Im Gegenteil, man kann selbst sehr viel dazu beitragen, den Abbau des Knorpels zu verlangsamen und die Symptome zu lindern, insbesondere durch Kräftigung der Muskeln und durch bestimmte Verhaltensweisen“, erläutert Dr. Datz.

 

Steigerung der Lebensqualität

Eine Operation mit Gelenkersatz ist stets der letzte Schritt, den ein Mediziner gemeinsam mit seinem Patienten in Erwägung zieht, wie Dr. Datz betont. „Eine Operation ist dann notwendig, wenn konservative Maßnahmen nicht weiterhelfen, also Physiotherapie, Einlagenversorgung oder lokale Schmerztherapien.“ In der Regel ist dies der Zeitpunkt, an dem der Patient dauerhaft unter Schmerzen und einer erkennbaren Bewegungseinschränkung leidet. Dann kann durch den Einsatz einer Prothese eine echte Steigerung der Lebensqualität erreicht werden.

 

Diagnose

Nachdem der Mediziner den Patienten zu seiner Krankheitsvorgeschichte, Lebens- und Ernährungsweise befragt hat, erfolgt die körperliche Untersuchung. „Das reicht von der Prüfung der Haltung und des Gangs bis hin zu Röntgenuntersuchungen, Ultraschall, Magnetresonanztomografie und Arthroskopie“,  so Dr. Datz. Bei der Arthroskopie, der Gelenkspiegelung, führt der Arzt über kleine Schnitte Untersuchungsinstrumente in das Gelenk ein. Dadurch kann er sich ein exaktes Bild vom Zustand des Knorpels machen und gegebenenfalls kleinere chirurgische Eingriffe vornehmen.

 

Geringer Knochenverlust

Herkömmliche Hüftprothesen bestehen aus der Hüftpfanne und dem Hüftkopf. Der Kopf wird mithilfe eines Schafts im Oberschenkelknochen verankert. Für diese Befestigung muss dem Knochen entfernt werden – je nach Methode und Art der Prothese mal mehr, mal weniger. Bei Patienten, die älter als 70 Jahre sind, ist dies kein Problem, da die Hüftgelenksprothese meist nicht mehr gewechselt werden muss. Anders dagegen bei jüngeren Patienten: Muss bei der Operation zu viel Knochensubstanz entnommen werden, kann ein (mitunter erst viele Jahre später erfolgender) sogenannter Revisionseingriff problematisch sein. Denn: Eine zweite Prothese kann dann nicht mehr richtig am Oberschenkelknochen befestigt werden. Häufig kommen deshalb sogenannte Kurzschaftprothesen zum Einsatz, die mit geringem Knochenverlust eingesetzt werden.

 

McMinn-Prothese

Noch weniger Knochen geht beim reinen Oberflächenersatz verloren, der „McMinn-Prothese“. Dabei wird, ähnlich wie beim Überkronen eines Zahns, der erkrankte beziehungsweise verschlissene Hüftkopf des Oberschenkelknochens nur so weit entfernt, bis sich die Hüftkappe aufsetzen lässt. „Bei diesen Kappenprothesen werden die Gelenkflächen nur oberflächlich ersetzt“, erklärt Dr. Datz. Vorteil: Für später eventuell nötige Austausch-Operationen ist noch genug Knochenmasse vorhanden. „Voraussetzung“, fügt Dr. Datz hinzu, „ist jedoch eine gute Knochenqualität, was insbesondre bei Osteoporose-Patienten kritisch zu würdigen ist.“

 

 

Fragen an Dr. Oliver Datz, Chefarzt Chirurgie am Ortenau Klinikum Wolfach

 

Herr Dr. Datz, was empfehlen Sie Patienten, die an Arthrose leiden: Schonung oder Sport?

Viel bewegen, aber wenig belasten ist mein Ratschlag. Versucht ein Patient, Gelenke zu schonen, indem er Bewegung vermeidet, schadet er seinem Körper. Denn die Vermeidung bestimmter Bewegungsabläufe schwächt die Muskeln am Gelenk. Die Deutsche Gesellschaft für Sportmedizin und Prävention empfiehlt beispielsweise Gymnastik, Radfahren, Walking, Schwimmen und Aqua-Jogging. Wichtig ist aber auch, dass sich bereits Erkrankte, Senioren und weniger sportliche Menschen von einem Arzt beraten lassen, bevor sie sportlich aktiv werden.

Wie lauten Ihre Ratschläge zur Prävention?

Auch hier gilt: wer rastet, der rostet. Einer der wesentlichen Risikofaktoren für die Entstehung einer Arthrose ist Übergewicht. Jedes Kilo zu viel belastet den Knorpel und fördert seinen Verschleiß. Starke Belastungen – ob beim Fußball, Skifahren oder Kniebeugen – sollten allerdings vermieden werden.

Wann wird ein Oberflächenersatz – Stichwort „McMinn-Prothese“ – eingesetzt?

Voraussetzung ist vor allem ein stabiles Knochengewebe. Daher kommt diese Methode für eher jüngere Männer bis etwa zum 65. Lebensjahr in Betracht bzw. für Frauen – wegen der Osteoporose – bis etwa zum 60. Lebensjahr. Grundsätzlich ist dies jedoch immer abhängig vom biologischen Alter, das bei jedem Menschen variiert.

 

Kontakt

Ortenau Klinikum Wolfach

Chirurgische Abteilung
Chefarzt
Dr. Oliver Datz
Oberwolfacher Straße 10

77709 Wolfach

Tel. 07834 970-401

E-Mail: Oliver.Datz@ortenau-klinikum.de

Patientenzeitschrift Heft 17

Die Ortenau Gesundheitswelt informiert Patienten und Besucher des Ortenau Klinikums halbjährlich über wichtige Gesundheitsthemen wie Prävention, Erkrankungen und Therapiemöglichkeiten.


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