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Medizin und Gesundheit | Archiv Archivierte Mitteilung

Vorsorgeuntersuchungen für Mutter und Kind – Gut vorbereitet auf den Start ins Leben

600 bis 700 Kinder erblicken pro Jahr das Licht der Welt im Ortenau Klinikum in Lahr – und das ganze Stationsteam freut sich jedes Mal aufs Neue mit den glücklichen Eltern.

Manchmal lassen sich die Kleinen reichlich Zeit, manchmal kommen sie zu früh oder brauchen Unterstützung, aber in den allermeisten Fällen erleben die Eltern eine glückliche Geburt. Regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen in der Schwangerschaft können erheblich dazu beitragen, Mutter und Kind den Start ins Leben zu erleichtern.
 
Ergänzend zu dieser Reportage finden Sie folgende Interviews:


Jede Schwangere hat Anspruch auf zirka zehn bis zwölf Vorsorgeuntersuchungen, Information und Beratung. Die Kosten hierfür übernehmen die Krankenkassen. Dr. (Sy.) Muneer Mansour, der neue Leiter der Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe des Ortenau Klinikums in Lahr, rät allen werdenden Müttern dringend, diese Angebote zu nutzen: „Werden alle Untersuchungstermine wahrgenommen, besteht eine gute Chance, mögliche Risiken frühzeitig zu erkennen und zu handeln, falls es nötig wird.“

Ganzheitliches Schmerzmanagement
Die Erstuntersuchung fällt üblicherweise in der 4. bis 8. Woche an. Dabei werden der allgemeine Gesundheitszustand und mögliche Vorerkrankungen einschließlich früherer Schwangerschaften erfasst, die Blutgruppe, der Rhesusfaktor bestimmt und der Mutterpass ausgestellt. Dieser Mutterpass begleitet die Schwangere überall hin bis zur Geburt. Die Vorsorgeuntersuchungen finden zunächst alle vier Wochen statt, ab der 32. Schwangerschaftswoche vierzehntägig und kurz vor der Geburt sogar wöchentlich. Bei jedem Termin werden zunächst Blutdruck und Gewicht der Schwangeren dokumentiert. Der Stand der Gebärmutter wird ertastet, die Lage des Kindes und seine Herztöne kontrolliert. Eine Urinprobe soll Hinweise auf eine Schwangerschaftsdiabetes oder Harnwegeinfektion geben. In regelmäßigen Abständen wird eine Blutprobe genommen und der Eisengehalt im Blut geprüft. Getestet wird auch die Immunität gegen Röteln, Syphilis und andere Antikörper, die dem Baby schaden könnten. Ein HIV-Test ist keine Pflicht, wird aber empfohlen und von der Kasse bezahlt. Zur Routine gehört außerdem ein Hepatitis-B-Test in der 32. bis 36. Schwangerschaftswoche.

Bitte zum Fototermin! Im Mutterpass sind drei Ultraschalluntersuchungen vorgesehen. Bereits bei der ersten Untersuchung (ca. 3. Monat) ist das Baby deutlich zu erkennen. Junge oder Mädchen, vielleicht sogar Zwillinge? Das klärt sich spätestens beim zweiten Termin (ca. 6. Monat). Die letzte Untersuchung findet im 8. Monat statt. Falls sich Auffälligkeiten zeigen, können zusätzliche Screenings sinnvoll sein.

Die Extras: kostenpflichtige Zusatzleistungen (IGeL)

Auf Wunsch werden Blutuntersuchungen auf verschiedene Erreger und Antikörpersuchtests auf Ringelröteln und Windpocken angeboten. Allgemein empfohlen wird insbesondere ein Abstrich auf Streptokokken (36. - 38. Woche), da diese Bakterien schwere Krankheiten bei Neugeborenen auslösen können.

Pränataldiagnostik – Nutzen und Risiken abwägen
Unter Pränataldiagnostik (PND) sind alle Untersuchungen außerhalb der regulären Schwangerschaftsvorsorge zusammengefasst, in denen es gezielt um Hinweise auf mögliche Fehlbildungen bzw. Behinderungen und erblich bedingte Erkrankungen geht. Man unterscheidet zwischen „nicht invasiven“ Verfahren (Ultraschallscreenings, Bluttests) und „invasiven“ Verfahren, die mit einem Eingriff in den Körper der Mutter verbunden sind und ein gewisses Risiko für das Kind darstellen können. Dazu gehören zum Beispiel die Fruchtwasseruntersuchung und die Nabelschnur- Punktion. Vielfach diskutiert ist das sogenannte Erst-Trimester-Screening. Dieses nicht invasive Diagnoseverfahren besteht aus mehreren Untersuchungen (etwa der Nackentransparenz-Messung), die das Risiko für eine Chromosomenstörung wie das „Down-Syndrom“ einschätzen oder auch auf Fehlbildungen hinweisen können. Die Pränataldiagnostik wird vor allem für Risikoschwangerschaften empfohlen. Allerdings muss festgehalten werden, dass die Testergebnisse nicht immer eindeutig sind. Vor allem aber sagt das Untersuchungsergebnis oft wenig darüber aus, wie beeinträchtigt das Kind nach der Geburt tatsächlich sein wird. Dr. (Sy.) Mansour rät deshalb: „Für werdende Eltern, die eine vorgeburtliche Diagnostik in Erwägung ziehen, ist es wichtig, sich über die einzelnen Verfahren zu informieren und mögliche Konsequenzen zu bedenken, bevor sie sich für oder gegen Pränataldiagnostik entscheiden.“

Risikoschwangerschaft? Seien Sie beruhigt!
Laut Mutterpass zählen Frauen über 35 Jahren oder unter 18 Jahren zur Risikogruppe, darüber hinaus gelten Vorerkrankungen wie Diabetes, Asthma, Bluthochdruck sowie Früh- oder Fehlgeburten, Mehrlingsschwangerschaften und Erbkrankheiten in der Familie als Risikofaktoren. Eine sogenannte Risikoschwangerschaft muss jedoch noch kein Anlass zur Sorge sein. Die Einstufung bedeutet oft nur, dass der Verlauf der Schwangerschaft besonders sorgfältig beobachtet werden muss. Selbst die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (http://www.bzga.de) gibt Entwarnung: „Angesichts des großen Angebots vorgeburtlicher Untersuchungen gerät die Tatsache, dass fast alle Kinder gesund geboren werden, manchmal aus dem Blick.“

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Hinweis:

Die hier publizierten Beiträge sind redaktionell und die darin enthaltenen Angaben zu Daten, Fakten, Kontakten o.ä. werden nicht aktualisiert. Zur näheren Information besuchen Sie bitte die jeweiligen Fachkliniken auf der Website des Ortenau Klinikums.

Patientenzeitschrift Heft 17

Die Ortenau Gesundheitswelt informiert Patienten und Besucher des Ortenau Klinikums halbjährlich über wichtige Gesundheitsthemen wie Prävention, Erkrankungen und Therapiemöglichkeiten.


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