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Otosklerose – Wenn die kleinsten Knochen des Körpers versteifen

Laura M.* hatte schon seit längerem Ohrgeräusche und eine zunehmende Schwerhörigkeit bemerkt. Sie war stark verunsichert. Nach verschiedenen Hörprüfungen stand die Verdachtsdiagnose fest: Laura M. leidet wahrscheinlich an einer Otosklerose. Endgültig konnte diese Erkrankung erst während der Operation festgestellt werden, zu welcher Laura M. von ihrem behandelnden Hals-Nasen-Ohrenarzt geraten wurde.

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Otosklerose – Was ist das?
Otosklerose ist eine Erkrankung im Bereich des Innen- und Mittelohrs, die aus dem Griechischen übersetzt in etwa ‚Ohrverhärtung‘ bedeutet. Betroffen ist dabei vor allem der  kleinste Knochen des menschlichen Körpers: Der Steigbügel. Er ist das letzte Glied der hinter dem Trommelfell sitzenden drei Gehörknöchelchen Hammer, Amboss und Steigbügel. Sie sind beweglich miteinander verbunden wie eine Kette. Ihre Aufgabe ist es, den Luftschall vom Trommelfell an das flüssigkeitsgefüllte Innenohr weiterzuleiten, wobei der Steigbügel die direkte Verbindung zum Innenohr bildet. „Bei einer Otosklerose finden vor allem am Steigbügel, schließlich auch im Innenohr, sogenannte Knochenumbauprozesse statt, die die Beweglichkeit des Steigbügels aufheben“, sagt Dr. Olaf Ebeling, Chefarzt der Klinik für Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde am Ortenau Klinikum Lahr. „Daraus folgt, dass die Knöchelchen versteifen und in ihrer Bewegung eingeschränkt sind. Der Steigbügel ist dann in seiner Funktion, den Schall auf das Innenohr zu übertragen, beeinträchtigt. Hörstörungen wie Ohrensausen, eine langsam fortschreitende Schallleitungsschwerhörigkeit sind die Folge.“ Wird eine Otosklerose nicht rechtzeitig diagnostiziert und entsprechend behandelt, kann sie sogar zu Taubheit führen. Häufig sind die Beschwerden zu Beginn auf ein Ohr beschränkt; im Zuge der Erkrankung sind in vielen Fällen später beide Ohren betroffen.

Frauen doppelt so häufig betroffen wie Männer
An Otosklerose erkranken bis zu etwa ein Prozent der Bevölkerung in Deutschland.  Während Frauen zwischen dem 20. und 40. Lebensjahr häufig darunter leiden, sind Männer nur etwa halb so oft betroffen. Die Ursachen für eine Otosklerose sind bislang noch nicht gänzlich geklärt. „Da Otosklerose in manchen Familien gehäuft und bei Menschen nicht-europäischer Abstammung deutlich seltener vorkommt, gehen wir davon aus, dass erbliche Faktoren die Erkrankung begünstigen. Weiterhin treten Umbauprozesse im Ohr wie bei Laura M. häufig bei Schwangerschaften auf, weshalb eine Verbindung zu hormonellen Veränderungen wahrscheinlich ist. Außerdem wird ein Zusammenhang mit Maserinfektionen diskutiert“, erklärt Dr. Ebeling.

Vielfältige Diagnosemöglichkeiten

„Da die Ohrgeräusche plötzlich und ohne Grund auftauchten, dachte ich zuerst, dass es eine Stressreaktion ist. Als sie dann aber mit der Zeit immer schlimmer wurden, einhergehend mit einer zunehmenden Schwerhörigkeit, habe ich zur Sicherheit Dr. Ebeling aufgesucht“, so die 31-Jährige. Nachdem Laura M. ihre Symptome schilderte, führte der Facharzt eine Stimmgabelprüfung durch. Neben anderen Hörtests eignet sich die Stimmgabelprüfung  besonders gut dazu, Otosklerose zu erkennen. Dadurch lässt sich ermitteln, ob ein Patient einen Ton auf normalem Weg schlechter hört als wenn der Arzt diesen Ton mit Vibrationen der Schädelknochen direkt auf das Innenohr überträgt. Hierbei kann man bereits erkennen, ob die Schallweiterleitung im Mittelohr zum Innenohr gestört ist. Nur bei weit fortgeschrittenen Erkrankungen lässt sich die Otosklerose manchmal im Computertomogramm diagnostizieren.

Nur eine operative Behandlung bringt Heilung
„Otosklerose kann mit einer medikamentösen Behandlung nicht geheilt werden. Die einzige Alternative stellt das Hörgerät dar. Hierbei wird allerdings das weitere Voranschreiten der Erkrankung nicht verhindert“, so Dr. Ebeling. Die am häufigsten angewandte Behandlungsmethode ist die sogenannte Stapedotomie, auch Stapesplastik genannt. Die Operation erfolgt über einen kleinen Schnitt am Eingang des Gehörgangs, weshalb auch von einem mikrochirurgischen Eingriff die Rede ist. Zunächst wird das Trommelfell abgelöst und nach vorne geklappt, so dass die Gehörknöchelchen in Erscheinung treten. „Anschließend wird ein Teil des Steigbügels, die sogenannten Steigbügelschenkel, mit feinsten Instrumenten und hier bei uns in Lahr mit einem speziellen Laser entfernt“, erklärt Dr. Ebeling. In die Fußplatte des Steigbügels, die bestehen bleibt, wird mit diesem Laser dann ein exakt definiertes  Loch geschossen. In diese Öffnung platziert der Operateur dann eine spezielle Hörprothese und befestigt sie am Amboss. Diese Prothese übernimmt die Aufgabe des Steigbügels und überträgt die Schallschwingungen vom Amboss auf das Innenohr.

Eine Prothese des Steigbügels verbessert das Hörvermögen deutlich
„In Lahr führen wir über 95 Prozent der Stapesplastiken in örtlicher Betäubung durch. Dies hat den Vorteil, dass Hörveränderungen sofort überprüft und eventuell gleich korrigiert werden können“, so Dr. Ebeling. „Auf Wunsch kann der Eingriff natürlich auch in Narkose erfolgen.“ Die Methode ist erfolgversprechend. Eine deutliche Verbesserung des Hörvermögens bei der Stapedotomie erfolgt in etwa 90 Prozent der Fälle. Auch Laura M. unterzog sich diesem Eingriff und ist sehr zufrieden mit dem Ergebnis: „Ich konnte schon eine Woche nach der OP um ein Vielfaches besser hören. Ich musste mich erst wieder an die für mich lauten Stimmen und Umgebungsgeräusche  gewöhnen. Heute bin ich sehr froh darüber, dass ich damals zeitnah einen HNO-Arzt aufgesucht habe und sich meine Lebensqualität dank dieser Operation verbessert hat“, freut sich die junge Frau.

* (Name wurde geändert)


Kontakt

Ortenau Klinikum Lahr-Ettenheim
Klinik für Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde Lahr

Dr. Olaf Ebeling
Klostenstraße 19
77933 Lahr  
Tel. 07821 93-2501
E-Mail: hno.lah@ortenau-klinikum.de

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