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Medizin und Gesundheit | Archiv Archivierte Mitteilung

Bluthochdruck: Die stille Gefahr

Volkskrankheit Bluthochdruck. Etwa 20 Millionen Deutsche leiden darunter, Experten schätzen, dass in der Altersgruppe „Über 55“ sogar jeder Zweite betroffen ist. Damit zählt Hypertonie, so der medizinische Fachbegriff, zu den häufigsten Kreislauferkrankungen.

Bluthochdruck zählt zu den häufigsten Kreislauferkrankungen. ©Alexander Raths_Fotolia.com

„Normal ist ein Blutdruckwert von etwa 120 zu 80, wer dauerhaft bei 140 zu 90 und mehr liegt, sollte unbedingt mit einem Arzt sprechen“, sagt Chefarzt Dr. Bruno M. Kaufmann vom Fachbereich Innere Medizin des Ortenau Klinikums in Wolfach. Da hoher Blutdruck nicht sofort Beschwerden verursachen muss, kann die Krankheit lange Zeit unentdeckt bleiben und wird deshalb als „stille Gefahr“ bezeichnet. Denn wenn der Druck in den Gefäßen steigt, erhöht sich das Risiko für
einen Schlaganfall, und auch die inneren Organe können Schaden nehmen.

Übergewicht und Rauchen erhöhen das Risiko
„Viele Menschen wissen überhaupt nicht, dass sie unter Hypertonie leiden“, erklärt Dr. Kaufmann. Die Krankheit kann praktisch jeden treffen, doch es gibt Risikofaktoren. „Wenig Bewegung, Stress, hoher Salz- und Alkoholkonsum, sowie Rauchen begünstigen die Entstehung von Bluthochdruck“, so Dr. Kaufmann. Besonders häufig sind Menschen mit Übergewicht betroffen. Auch Typ-2-Diabetes und erhöhte Blutfettwerte gehen häufig mit erhöhtem Blutdruck einher. Weit seltener ist Hypertonie die Folge von Nieren- oder Nebennieren-Erkrankungen, Stoffwechselstörungen, Gefäßerkrankungen oder der Einnahme von Medikamenten. Man spricht in diesen Fällen von einer sekundären Hypertonie, im Gegensatz zur primären Hypertonie, die „Bluthochdruck an sich“ bezeichnet.

Nicht warten, bis es zu spät ist
Wie macht sich Bluthochdruck bemerkbar? „Erste Anzeichen können Müdigkeit, Schwindel und Kopfschmerz sein. Viele Hypertonie-Patienten klagen über Nasenbluten und Kurzatmigkeit. Häufig ist auch eine rote Gesichtsfarbe ein weiteres Indiz für Bluthochdruck, ebenso wie Übelkeit und Sehstörungen“, sagt Oberarzt Dr. Igor Reitmann vom Ortenau Klinikum in Wolfach. Allerdings muss man bei einem einmalig erhöhten Wert nicht sofort Angst bekommen. „Um eine zuverlässige Diagnose stellen zu können, machen wir Langzeitmessungen über 24 Stunden oder raten zu wiederholten Messungen“, betont Dr. Reitmann. Gefährlich wird Bluthochdruck vor allem dann, wenn er über einen langen Zeitraum hinweg nicht behandelt wird und bereits Schäden an den Blutgefäßen auftreten. „Deshalb sollte man nicht warten, bis es zu spät ist, sondern regelmäßig den
Blutdruck messen lassen“.

Medikamente können helfen

Die schlechte Nachricht ist: Wenn Hypertonie nicht rechtzeitig behandelt wird, nimmt der Körper dauerhaft Schaden. Die gute Nachricht: „Gegen erhöhten Blutdruck kann man selbst eine Menge tun“, sagt Dr. Reitmann. Wer auf sein Gewicht achtet, sich gesund ernährt, regelmäßig Sport treibt, nicht raucht und seinen Alkohol-Konsum einschränkt, tut für die Gesundheit und den Blutdruck
das Beste. Aber nicht immer lassen sich erhöhte Blutdruckwerte mit einer Umstellungvon Ernährung und Lebensweise in den Griff bekommen. Ganz besonders dann, wenn durch die Hypertonie schon Organschäden eingetreten sind oder weitere Herz-Kreislauf-Erkrankungen vorliegen. „In diesem Fall gibt es sehr gute Medikamente, die helfen, den Blutdruck dauerhaft zu senken“, sagt Chefarzt Dr. Kaufmann. Wichtig zu wissen: Die meisten Antihypertensiva erreichen ihre Wirkung erst nach einigen Tagen. Und Dr. Reitmann betont: „Ein gesunder Lebensstil ist in jedem Fall wichtig. Medikamente können dafür kein Ersatz sein.“

Nachgefragt

Fragen an Dr. Bruno M. Kaufmann, Chefarzt Innere Medizin am Ortenau Klinikum Wolfach und Facharzt für Innere Medizin, Schwerpunktanerkennung Kardiologie, und Oberarzt Dr. Igor Reitmann, Facharzt Innere Medizin am Ortenau Klinikum Wolfach

Herr Dr. Kaufmann, Bluthochdruck zählt zu den häufigsten Erkrankungen des Herz-Kreislaufsystems. Welche Möglichkeiten haben Sie im Fachzentrum für Innere Medizin des Ortenau Klinikums Wolfach, um Herz-Kreislauferkrankungen zu diagnostizieren?

Dr. Kaufmann: Wir verfügen über eine große Bandbreite von modernsten Diagnose- Methoden. Für Funktionsuntersuchungen des Herzens haben wir beispielsweise die Möglichkeit, Langzeit-EKG, Belastungs-EKG, Langzeitblutdruckmessung, Transoesophageale- und Stress-Echokardiographie vorzunehmen. Außerdem können wir bei sämtlichen Organen eine Ultraschalluntersuchung mittels der Farb-Duplex-Methode vornehmen. Ich möchte aber auch festhalten: Wir verfügen auch im Bereich Gastroenterologie über große Erfahrung.

Was passiert bei einer Langzeitmessung?

Dabei wird von einem tragbaren Messgerät über einen längeren Zeitraum von mehr als 24 Stunden ein Blutdruckprofil erstellt. Das Gerät, eine Oberarm-Manschette aus Gummi, misst automatisch alle 15 bis 30 Minuten den Blutdruck. Parallel dazu muss der Patient aufschreiben, was er gerade macht. Diese Daten werten wir dann aus und erstellen einen individuellen Therapie-Plan für den jeweiligen Patienten.

Herr Dr. Reitmann, warum ist eine Langzeitblutdruckmessung notwendig?
Dr. Reitmann: Wir raten beispielsweise dann dazu, wenn ein Verdacht auf „Praxishochdruck“ vorliegt, der Patient also aufgrund der Stresssituation beim Arzt einen erhöhten Wert hat. Auch dann, nach einer medikamentösen Blutdruckeinstellung empfiehlt sich eine Langzeitmessung. Ebenso dann, wenn der Blutdruck eines Patienten schwer kontrollierbar ist und manchmal krisenhaft ansteigt.

Patientenzeitschrift Heft 16

Die Ortenau Gesundheitswelt informiert Patienten und Besucher des Ortenau Klinikums halbjährlich über wichtige Gesundheitsthemen wie Prävention, Erkrankungen und Therapiemöglichkeiten.


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