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Leben mit der Diagnose Brustkrebs – Gute Chancen auf Heilung geben Betroffenen Hoffnung

Es war ein Montag im Spätsommer 2009, zwei Tage vor ihrem 50. Geburtstag, als Inge H.* die Hiobsbotschaft erhielt: „Sie haben Brustkrebs.“ Die Lehrerin erinnert sich noch genau an diesen Moment, in dem ihr der Boden unter den Füßen weggezogen wurde.

 

Eine Erfahrung, die sie mit vielen anderen Frauen teilt. Heutzutage hat die Mehrheit der Brustkrebs-Patientinnen jedoch berechtigte Hoffnung, wieder gesund zu werden. Auch Inge H. hat die Krankheit besiegt und gilt – fünf Jahre nach der Diagnose – als geheilt.

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Das sogenannte Mammakarzinom stellt mit bundesweit ca. 58.000 Neuerkrankungen jährlich die häufigste Krebserkrankung bei Frauen dar. Noch vor wenigen Jahrzehnten kam das einem Todesurteil gleich. „In den letzten Jahren sind die Chancen, Brustkrebs hinter sich zu lassen oder dauerhaft unter Kontrolle zu halten, so gut wie noch nie zuvor“, macht Prof. Dr. Karsten Münstedt, Chefarzt der Frauenklinik und Leiter des Brustzentrums am Ortenau Klinikum Offenburg-Gengenbach, den Patientinnen Mut. Sein Kollege Dr. Muneer Mansour, Chefarzt der Frauenklinik und Leiter des Brustzentrums in Lahr, weist in diesem Zusammenhang auf die Bedeutung der Früherkennung hin: „Krebs entwickelt sich oft über Jahre hinweg. Vorstufen davon lassen sich jedoch häufig schon vor dem eigentlichen Ausbruch der Krankheit erkennen.“ In den beiden Frauenkliniken mit ihren zertifizierten Brustzentren am Ortenau Klinikum in Offenburg und Lahr setzt man auf neueste bildgebende Diagnoseverfahren, um zwischen gutartigen Tumoren, die etwa 75 Prozent der Befunde ausmachen, und bösartigen Tumoren – umgangssprachlich Krebs – genau unterscheiden zu können.

Was ist Brustkrebs?

Brustkrebs ist eine bösartige Tumorerkrankung der Brustdrüse, 99 Prozent der Betroffenen sind Frauen. Da sich die Krebszellen wesentlich schneller vermehren als die gesunden Zellen, zerstören sie das gesunde Gewebe und können sich in benachbarten Organen ausbreiten und dort Metastasen bilden. Rund die Hälfte der Patientinnen sind zum Zeitpunkt der Diagnose über 65 Jahre. In sehr seltenen Fällen können sich auch bei Männern Knoten in der Brust bilden. „In der Regel sind die Tumore gutartig, dennoch sollte man den Befund abklären lassen“, mahnt Dr. Mansour.

Die Ursachen sind noch nicht vollständig geklärt

„Die meisten Frauen erkranken spontan, ohne erkennbare Ursache“, räumt Prof. Münstedt ein und betont: „Es gibt jedoch einige Risikofaktoren.“ Zu diesen gehören Übergewicht, Bewegungsmangel, zu viel Alkohol, bestimmte gutartige Veränderungen der Brust, hormonelle Einflüsse und das Alter. Ab dem 40. Lebensjahr steigt das Risiko, an Brustkrebs zu erkranken, deutlich. Die genetische Veranlagung spielt nur bei etwa fünf bis zehn Prozent der Frauen eine Rolle.

Präventionsmaßnahmen

„Je früher bösartige Tumore erkannt werden, desto besser sind im Allgemeinen die Behandlungsaussichten“, darin sind sich die Chefärzte beider Brustzentren einig. Deshalb raten sie dazu, das kostenlose Vorsorgeangebot der Krankenkassen einmal im Jahr wahrzunehmen. Zusätzlich haben Frauen zwischen 50 und 69 Jahren alle zwei Jahre Anspruch auf eine kostenlose Mammographie-Untersuchung. Unabhängig davon sollten Frauen ihre Brust regelmäßig selbst auf Veränderungen hin untersuchen. „Ich spürte sofort, dass etwas nicht stimmte, als ich beim Eincremen zufällig den Knoten in meiner rechten Brust entdeckte“, sagt Inge H. „Zuerst habe ich versucht, das Ganze zu ignorieren, aber nach drei schlaflosen Nächten bin ich zu meinem Hausarzt gegangen, der mich zur weiteren Diagnostik gleich an die Frauenklinik des Ortenau Klinikums überwies.“

Die Therapie: Keine Operation ohne gesicherte Diagnose

„Selbst wenn die Ergebnisse der Biopsie eindeutig sind, sollte nichts überstürzt werden“, so Prof. Münstedt. „Die Patientinnen brauchen ausreichend Zeit, erst einmal den Schock zu überwinden und sich über die verschiedenen Behandlungsmöglichkeiten zu informieren.“ In den meisten Fällen ist eine Operation unumgänglich. Dabei kann bei der Entfernung des Tumorgewebes oft brusterhaltend und viel schonender als früher vorgegangen werden. Auch die Möglichkeiten eines späteren operativen Brustaufbaus haben sich enorm weiterentwickelt. Häufig wird die Operation mit einer Strahlen- und/oder Chemotherapie kombiniert. Anschließend folgt gegebenenfalls noch eine Anti-Hormon oder eine Immuntherapie, um das Rückfallrisiko zu senken.

„Die ersten Monate nach der Brust-OP waren wirklich hart, aber es hat sich gelohnt zu kämpfen. Ich habe wieder mit dem Klavierspielen angefangen, das Wandern für mich entdeckt und gelernt, das Leben neu zu genießen“, freut sich Inge H. heute.

* (Name wurde geändert).

 

Lesen Sie hier auch unser Interview mit Prof. Dr. Karsten Münsted und Dr. Muneer Mansour

 

Kontakt:

Ortenau Klinikum Offenburg-Gengenbach
Frauenklinik Offenburg Ebertplatz
Brustzentrum sowie Gynäkologisches Krebszentrum Offenburg

Prof. Dr. Karsten Münstedt
Dr. Andreas Brandt
Ebertplatz 12
77654 Offenburg
Tel. 0781 472-3701
E-Mail: frauenklinik.og@ortenau-klinikum.de

Ortenau Klinikum Lahr-Ettenheim
Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe
Brustzentrum Lahr

Dr. Muneer Mansour
Klostenstraße 19
77933 Lahr
Tel. 07821 93-2551
E-Mail: gyngebh.lah@ortenau-klinikum.de

Hinweis:

Die hier publizierten Beiträge sind redaktionell und die darin enthaltenen Angaben zu Daten, Fakten, Kontakten o.ä. werden nicht aktualisiert. Zur näheren Information besuchen Sie bitte die jeweiligen Fachkliniken auf der Website des Ortenau Klinikums.

Patientenzeitschrift Heft 16

Die Ortenau Gesundheitswelt informiert Patienten und Besucher des Ortenau Klinikums halbjährlich über wichtige Gesundheitsthemen wie Prävention, Erkrankungen und Therapiemöglichkeiten.


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