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Kniearthrose – Wenn jeder Schritt zur Qual wird.

Mit patientenindividuellen Behandlungskonzepten Lebensqualität zurückgewinnen

Beim Gehen, Treppen steigen, ins Auto einsteigen und vielen anderen alltäglichen Bewegungsabläufen ist unser größtes Gelenk aktiv – das Kniegelenk. Es ist nicht nur das größte Gelenk des menschlichen Körpers und kompliziert aufgebaut, sondern auch das am meisten beanspruchte, weshalb es häufig zu Erkrankungen kommt.

Das Kniegelenk verbindet drei Knochen miteinander: den Oberschenkelknochen, das Schienbein und die Kniescheibe, die von Bändern, Sehnen, und Muskeln zusammengehalten werden. Zwischen dem Oberschenkelknochen und dem Schienbein, die eine große Gelenkfläche bilden, befinden sich zwei sogenannte Menisken. Diese beiden halbmondförmigen Stoßdämpfer bestehen aus elastischem Knorpelgewebe und fangen den Druck und die Belastungen ab, denen unsere Knie täglich ausgesetzt sind.

 

Diagnose: Kniegelenksarthrose

Die weltweit häufigste Erkrankung des Kniegelenks ist die Arthrose. „Arthrose nennt man den übermäßigen Verschleiß der schützenden Knorpelschicht im Gelenk. Wenn die Knorpelschicht in den Gelenken dünner wird, bis die Knochen aufeinander reiben, dann liegt Arthrose vor, die starke Schmerzen hervorrufen kann“, erklärt Dr. Wolfgang Beeres, Chefarzt der Abteilung für Unfallchirurgie und Endoprothetik am Ortenau Klinikum Achern. Dabei betrifft die Erkrankung keineswegs nur ältere Menschen. „Die Ursachen von Arthrose sind ganz unterschiedlich. So können auch jüngere Menschen betroffen sein, zum Beispiel aufgrund einer erhöhten Belastung durch bestimmte, intensiv betriebene Sportarten oder eines Berufes, der körperlich sehr fordernd ist. Arthrose ist außerdem häufig eine Folge vorangegangener Verletzungen, die die Kniegelenke gewissermaßen vorbelasten. Auch die Überlastung der Knie durch zu viel Körpergewicht kann eine Ursache von Arthrose sein“, so Dr. Beeres. Dies soll jedoch nicht bedeuten, dass der Arthrose durch Schonung der Knie und Vermeiden von Bewegung vorgebeugt werden könne. Im Gegenteil: Bewegungsmangel fördert die Arthrose des Gelenks. Schließlich sind unsere Kniegelenke ja für die Bewegung geschaffen.

Konservative Therapien ausschöpfen

Eine Arthrose ist leider nicht rückgängig zu machen. Ist ein Gelenk betroffen, gilt es, den Schmerzen entgegenzuwirken und die fortschreitende Erkrankung zu verlangsamen. So ist bei Übergewicht in jedem Fall eine Gewichtsabnahme nötig, um die Gelenke zu entlasten. „Die richtige Bewegung, und zwar regelmäßig, ist sehr wichtig bei Kniearthrose“, weiß Dr. Beeres und er fügt hinzu: „Eine Operation wird erst in Betracht gezogen, wenn konservative Maßnahmen wie Physiotherapie, Krankengymnastik und Schmerztherapie nicht mehr weiterhelfen.“ In solchen Fällen leiden die Betroffenen alltäglich unter ihren Schmerzen, auch in Ruhestellung.

 

Wenn nichts mehr hilft

Wenn die Bewegung stark eingeschränkt ist und jeder Schritt zur Qual wird, kann durch den Einsatz eines Knieimplantats verloren gegangene Lebensqualität zurückgewonnen werden. Denn von Arthrose Betroffene wollen trotz ihrer Erkrankung möglichst ohne Einschränkung in Beruf, Alltag und Freizeit an ihrem bisherigen Leben anschließen. Die moderne Endoprothetik wird diesen hohen Ansprüchen der Patienten an Mobilität und Aktivität heute zunehmend gerecht. „Aufgrund unserer jahrzehntelangen Erfahrung im Bereich des Kniegelenkersatzes und dank des rasanten Fortschritts im Bereich der Medizintechnik können wir in der Abteilung für Unfallchirurgie und Endoprothetik hervorragende Ergebnisse für unsere Patienten erzielen“, betont Chefarzt Dr. Beeres. Am Anfang der medizinischen Behandlung steht eine ausführliche Untersuchung: „Eine intensive Diagnosephase ist die Grundlage für die Wahl des optimalen Operationsverfahrens und des geeigneten Implantats“, sagt Dr. Beeres.

 

Patientenindividuelle Knieimplantate

Vor allem für jüngere Patienten bietet die moderne Medizin innovative Behandlungsmöglichkeiten, z. B. mit vorab maßgefertigten Implantaten. Hierbei wird das Implantat dem Knochen angepasst und nicht umgekehrt wie bei bisherigen Endoprothesen. Wesentlicher Vorteil solch patientenindividueller Knieimplantate ist neben der exakten Passgenauigkeit von Implantat und Knochen, dass wirklich nur die erkrankten Bereiche der Gelenkoberfläche ersetzt werden. Gesunder Knochen bleibt erhalten. Der Eingriff ist dadurch weniger traumatisch und der vollständige Genesungsprozess erheblich kürzer. Allerdings ist diese Operationsmethode noch auf wenige sorgfältig ausgewählte Patienten beschränkt und muss in weiteren Studien untersucht werden. Bis zur allgemeinen Anwendung wird es noch dauern. Bis solide Ergebnisse vorliegen, favorisiert Achern bei jüngeren Patienten mit einseitiger Arthrose im Kniegelenk die Implantation von Schlittenprothesen, sogenannten unicondylären Systemen. Auch dabei ist der Eingriff wesentlich kleiner, gesunde Gelenkstrukturen bleiben erhalten und die Rehabilitation ist schmerzärmer und deutlich schneller.

Hoher Qualitätsstandard

Die Fachabteilung für Unfallchirurgie und Endoprothetik am Ortenau Klinikum Achern bietet eine hohe Behandlungsqualität. Das bestätigt die unabhängige www. weisse-liste.de, ein gemeinsames Internetportal der Bertelsmannstiftung und der Dachverbände der größten Patienten- und Verbraucherorganisationen. Hier finden Patienten leicht verständliche Beurteilungen über deutsche Krankenhäuser. Grundlage sind gesetzlich vorgeschriebene Qualitätsberichte der Krankenhäuser mit Informationen über die Qualifikation ihrer Ärzte und den Erfolg ihrer Behandlungen. Ergänzt werden diese Daten durch die Erfahrungen ehemaliger Patienten, die gemeinsam mit der AOK und der BARMER GEK erhoben werden: Überdurchschnittlich viele, nämlich 84% der befragten Patienten, geben an, dass sie die Chirurgische Abteilung in Achern weiterempfehlen würden. Zudem bescheinigt die AOK der Fachabteilung in Achern eine überdurchschnittlich hohe Qualität bei dem Schwerpunkt Knieendoprothetik, ebenso den endoprothetischen Fachkliniken in Gengenbach, Lahr und Wolfach. Basis der Bewertung ist das sogenannte QSR-Verfahren der AOK, ein Verfahren zur Qualitätssicherung von Krankenhausbehandlungen, bei dem Ergebnisse ausgewählter Behandlungen anhand möglicher Komplikationen bzw. unerwünschter Folgeereignisse (Indikatoren) bewertet werden. Die Abkürzung QSR steht für „Qualitätssicherung mit Routinedaten“. Das Bewertungsverfahren besitzt den Vorteil auch langfristige Behandlungsqualität messen zu können.

 

Den Krankenhausnavigator der AOK finden Sie hier:
http://weisse-liste.krankenhaus.aok.de  

Wodurch zeichnet sich die Abteilung für Unfallchirurgie und Endoprothetik aus?

Ein besonderer Schwerpunkt unserer Abteilung ist der künstliche Ersatz des Knie- und Hüftgelenks mit jährlich bis zu 500 Eingriffen einschließlich komplexer Wechseloperationen nach Prothesenlockerung, -bruch oder -infektion. Dabei werden hochwertige, innovative Implantate, die auch bei besonders schwierigen Fällen geeignet sind, eingesetzt. Neben unserer jahrzehntelangen Erfahrung mit endoprothetischen Operationen zeichnet sich unsere Abteilung durch die Möglichkeit aus Knochen aus unserer eigenen Knochenbank, kombiniert mit sogenannten modularen Prothesenkomponenten zu ersetzen. Durch diese Kombination können auch schwierigste Probleme dauerhaft mit guten Ergebnissen gelöst werden.

 

Herr Dr. Beeres, welche Hilfe können Sie Patienten mit Kniearthrose am Ortenau Klinkum Achern anbieten?

Wenn Betroffene von Kniearthrose nach Ausschöpfung aller konservativen Behandlungsmöglichkeiten auch im Ruhezustand – sogar nachts – Schmerzen haben und sich kaum noch bewegen können, ist der Einsatz von einem Knieimplantat zumeist unausweichlich. Wir möchten diesen Patienten ihre Lebensqualität zurückgeben und dabei deren körperliche Fähigkeiten und Funktionen wieder herstellen bzw. erhalten. Dabei achten wir sehr sorgfältig auf modernste Implantationstechnik für eine lange Standzeit, also Haltedauer unserer Prothesen.

 

Welche OP ist bei Kniearthrose die richtige?

Jede Behandlungsmethode richtet sich nach dem Ausmaß der Erkrankung und dem Patienten selbst. Auch wenn verschiedene Patienten ähnliche Symptome zeigen, kann sich die Wahl des Operationsverfahrens und die der Implantate unterscheiden. Hier diagnostizieren wir in jedem Einzelfall sehr genau Wenn Betroffene von Kniearthrose nach Ausschöpfung aller konservativen Behandlungsmöglichkeiten auch im Ruhezustand – sogar nachts – Schmerzen haben und sich kaum noch bewegen können, ist der Einsatz von einem Knieimplantat zumeist unausweichlich. Wir möchten diesen Patienten ihre Lebensqualität zurückgeben und dabei deren körperliche Fähigkeiten und Funktionen wieder herstellen bzw. erhalten. Dabei achten wir sehr sorgfältig auf modernste Implantationstechnik für eine lange Standzeit, also Haltedauer unserer Prothesen.

 

Welche OP ist bei Kniearthrose die richtige?

Jede Behandlungsmethode richtet sich nach dem Ausmaß der Erkrankung und dem Patienten selbst. Auch wenn verschiedene Patienten ähnliche Symptome zeigen, kann sich die Wahl des Operationsverfahrens und die der Implantate unterscheiden. Hier diagnostizieren wir in jedem Einzelfall sehr genau und entwickeln für jeden Patienten ein individuelles Behandlungskonzept. Zur Zeit werden überwiegend sogenannte Oberflächenersatzimplantate mit Knochenzement eingesetzt, da die Arthrose meist beide Gelenkzonen innen und außen betrifft. Je nach Notwendigkeit und intraoperativem Augenschein kann auch ein Ersatz der Kniescheibenrückseite ergänzt werden. Bei vorwiegend einseitigem Verschleiß, meist des inneren Gelenkspaltes, der sog. Varusarthrose, setzen wir zunehmend auch einseitige Schlittenprothesen ein. Diese stellen einen wesentlich geringeren Eingriff mit weniger Schmerzen und deutlich schnellerer Rekonvaleszenz dar, da gesunde Gelenkbereiche erhalten bleiben und nur der erkrankte Knochen durch das Implantat ersetzt wird. Sie sind vor allem für jüngere Patienten geeignet und haben den großen Vorteil, dass bei späterer Lockerung infolge des langjährigen hohen Aktivitätsniveaus in der Regel problemlos zu einer konventionellen Oberflächenprothese gewechselt werden kann. Diese Methode scheint vielversprechend und zukunftstauglich zu sein, ist aber momentan noch in der Erprobungsphase. Daher liegen noch keine längerfristigen Ergebnisse vor, so dass hier unserer Meinung nach vor der allgemeinen Anwendung noch weitere Studienergebnisse abgewartet werden sollten.

Kontakt

Die Fachkliniken der Endoprothetik Ortenau finden Sie hier.

 

Interview

 
 
 
 
 
 
 
 

Herr Professor Fink, seit wann gibt es die Arbeitsgemeinschaft Endoprothetik und was sind deren Ziele?

Die Arbeitsgemeinschaft Endoprothetik wurde 1996 als gemeinnütziger Verein gegründet. Mitglieder sind führende Orthopäden und Unfallchirurgen sowie Wissenschaftler, die sich mit Fragen der Endoprothetik und anderen, gelenkerhaltenden Behandlungsverfahren beschäftigen. Die Arbeitsgemeinschaft Endoprothetik hat im Wesentlichen zwei Aufgaben. Zum einen die Fort- und Weiterbildung von Ärzten und OP-Personal. Zum zweiten die Sicherung der Qualität in der endoprothetischen Patientenversorgung.

 

Wie profitieren Patienten von Ihren medizinischen und wissenschaftlichen Aktivitäten?

Letztlich hat alles, was wir tun, einen Effekt auf die gute Versorgung der Patienten – seien es Fortbildungen, Schulungen und Workshops für Ärzte und Pflegepersonal. Oder aber auch unsere Aktivitäten im Hinblick auf die Qualitätssicherung und –kontrolle. So unterstützen wir die Einführung des Endoprothesenregisters Deutschland (EPRD). Das Endoprothesenregister sammelt alle relevanten Daten zur Endoprothetik von Hüft- und Kniegelenken in Deutschland, um Patienten mehr Sicherheit und bessere Qualität zu bieten – kurz: Transparenz in der endoprothetischen Versorgung. Ziel ist es stets, die Lebensqualität von Patienten mit Erkrankungen und Verletzungen der Gelenke nachhaltig zu verbessern. Außerdem sind wir an der Etablierung der Endocert-Initiative als Grundlage für die Zertifizierung von Endoprothetikzentren beteiligt.

 

Was raten Sie Patienten, die vor einer Knie-Operation stehen?

Wichtig ist natürlich zuerst die Frage: Welcher Arzt hat einen guten Ruf? Hier sollte man sich beispielsweise im eigenen Bekanntenkreis umhören. Außerdem rate ich Patienten, eine Klinik aufzusuchen, in der dieser Eingriff sehr häufig durchgeführt wird, in der die Ärzte also über hohe Erfahrung verfügen. Dafür lohnt es sich, entsprechende Wege in Kauf zu nehmen. Bei der Wahl des geeigneten Verfahrens und Implantats sind die Empfehlungen von „Dr. Google“ mit Vorsicht zu genießen. Hier sollten Patienten dem Rat Ihres Arztes vertrauen, der nach einer intensiven Diagnosephase das optimale Operationsverfahren und geeignete Implantat auswählt.

 

Weitere Informationen unter www.ae-germany.com

 

 

Patientenzeitschrift Heft 15

Die Ortenau Gesundheitswelt informiert Patienten und Besucher des Ortenau Klinikums halbjährlich über wichtige Gesundheitsthemen wie Prävention, Erkrankungen und Therapiemöglichkeiten.


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