Kontrast:
Seitenzoom:
aA

Medizin und Gesundheit | Archiv Archivierte Mitteilung

Kniearthrose – Wenn jeder Schritt zur Qual wird

Mit patientenindividuellen Behandlungskonzepten Lebensqualität zurück gewinnen

Das Kniegelenk ist das größte Gelenk des menschlichen Körpers und wird am meisten beansprucht. © Africa Studio – Fotolia.com

Beim Gehen, Treppen steigen, ins Auto einsteigen und vielen anderen alltäglichen Bewegungsabläufen ist unser größtes Gelenk aktiv – das Kniegelenk. Es ist nicht nur das größte Gelenk des menschlichen Körpers und kompliziert aufgebaut sondern auch das am meisten beanspruchte, weshalb es häufig zu Erkrankungen kommt.

Das Kniegelenk verbindet drei Knochen miteinander: den Oberschenkelknochen, das Schienbein und die Kniescheibe, die von Bändern, Sehnen, und Muskeln zusammengehalten werden. Zwischen dem Oberschenkelknochen und dem Schienbein, die eine große Gelenkfläche bilden, befinden sich zwei sogenannte Menisken. Diese beiden halbmondförmigen Stoßdämpfer bestehen aus elastischem Knorpelgewebe und fangen den Druck und die Belastungen ab, denen unsere Knie täglich ausgesetzt sind.

Diagnose: Kniegelenksarthrose

Die weltweit häufigste Erkrankung des Kniegelenks ist die Arthrose. „Arthrose nennt man den übermäßigen Verschleiß der schützenden Knorpelschicht im Gelenk. Wenn die Knorpelschicht in den Gelenken dünner wird, bis die Knochen aufeinander reiben, dann liegt Arthrose vor, die starke Schmerzen hervorrufen kann“, erklärt Dr. Wolfgang Beeres, Chefarzt der Abteilung für Unfallchirurgie und Endoprothetik am Ortenau Klinikum Achern. Dabei betrifft die Erkrankung keineswegs nur ältere Menschen. „Die Ursachen von Arthrose sind ganz unterschiedlich. So können auch jüngere Menschen betroffen sein, zum Beispiel aufgrund einer erhöhten Belastung durch bestimmte, intensiv betriebene Sportarten oder eines Berufes, der körperlich sehr fordernd ist. Arthrose ist außerdem häufig eine Folge vorangegangener Verletzungen, die die Kniegelenke gewissermaßen vorbelasten. Auch die Überlastung der Knie durch zu viel Körpergewicht kann eine Ursache von Arthrose sein“, so Dr. Beeres. Dies soll jedoch nicht bedeuten, dass der Arthrose durch „Schonung der Knie“ und Vermeiden von Bewegung vorgebeugt werden könne. Im Gegenteil: Bewegungsmangel fördert die Arthrose des Gelenks. Schließlich sind unsere Kniegelenke ja für die Bewegung geschaffen.

Abbildung: Schematische Darstellung einer Kniearthrose
Schematische Darstellung einer Kniearthrose

Konservative Therapien ausschöpfen

Eine Arthrose ist leider nicht rückgängig zu machen. Ist ein Gelenk betroffen, gilt es, den Schmerzen entgegen zu wirken und die fortschreitende Erkrankung zu verlangsamen. So ist bei Übergewicht in jedem Fall eine Gewichtsabnahme nötig, um die Gelenke zu entlasten. „Die richtige Bewegung, und zwar regelmäßig, ist sehr wichtig bei Kniearthrose“, weiß Dr. Beeres, der erfahrene Chefarzt der Abteilung für Unfallchirurgie und Endoprothetik, und er fügt hinzu: „Eine Operation wird erst in Betracht gezogen, wenn konservative Maßnahmen wie Physiotherapie, Krankengymnastik und Schmerztherapie nicht mehr weiterhelfen.“  In solchen Fällen leiden die Betroffenen alltäglich unter ihren Schmerzen, auch in Ruhestellung.

Wenn nichts mehr hilft

Wenn die Bewegung stark eingeschränkt ist und jeder Schritt zur Qual wird, kann durch den Einsatz eines Knieimplantats verloren gegangene Lebensqualität zurück gewonnen werden. Denn von Arthrose Betroffene wollen trotz ihrer Erkrankung möglichst ohne Einschränkung in Beruf, Alltag und Freizeit an ihrem bisherigen Leben anschließen. Die moderne Endoprothetik wird diesen hohen Ansprüchen der Patienten an Mobilität und Aktivität heute zunehmend gerecht. „Aufgrund unserer jahrzehntelangen Erfahrung im Bereich des Kniegelenkersatzes und dank des rasanten Fortschritts im Bereich der Medizintechnik können wir in der Abteilung für Unfallchirurgie und Endoprothetik hervorragende Ergebnisse für unsere Patienten erzielen“, betont Chefarzt Dr. Beeres. Am Anfang der medizinischen Behandlung steht eine ausführliche Untersuchung: „Eine intensive Diagnosephase ist die Grundlage für die Wahl des optimalen Operationsverfahrens und des geeigneten Implantats“, sagt Dr. Beeres.

Patientenindividuelle Knieimplantate
Vor allem für jüngere Patienten bietet die moderne Medizin innovative Behandlungsmöglichkeiten, z. B. mit vorab maßgefertigten Implantaten. Hierbei wird das Implantat dem Knochen angepasst und nicht umgekehrt, wie bei bisherigen Endoprothesen. Wesentlicher Vorteil solch patientenindividueller Knieimplantate ist neben der exakten Passgenauigkeit von Implantat und Knochen, dass wirklich nur die erkrankten Bereiche der Gelenkoberfläche ersetzt werden. Gesunder Knochen bleibt erhalten. Der Eingriff ist dadurch weniger traumatisch und der vollständige Genesungsprozess erheblich kürzer. Allerdings ist diese Operationsmethode noch auf wenige sorgfältig ausgewählte Patienten beschränkt und muss in weiteren Studien untersucht werden. Bis zur allgemeinen Anwendung wird es noch dauern. Bis solide Ergebnisse vorliegen, favorisiert Achern bei jüngeren Patienten mit einseitiger Arthrose im Kniegelenk die Implantation von Schlittenprothesen, sogenannten unicondylären Systemen. Auch dabei ist der Eingriff wesentlich kleiner, gesunde Gelenkstrukturen bleiben erhalten und die Rehabilitation ist schmerzärmer und deutlich schneller.

Hoher Qualitätsstandard
Die Fachabteilung für Unfallchirurgie und Endoprothetik am Ortenau Klinikum Achern bietet eine hohe Behandlungsqualität. Das bestätigt die unabhängige www.weisse-liste.de, ein gemeinsames Internetportal der Bertelsamannstiftung und der Dachverbände der größten Patienten- und Verbraucherorganisationen. Hier finden Patienten leicht verständliche Beurteilungen über deutsche Krankenhäuser. Grundlage sind gesetzlich vorgeschriebene Qualitätsberichte der Krankenhäuser mit Informationen über die Qualifikation ihrer Ärzte und den Erfolg ihrer Behandlungen. Ergänzt werden diese Daten durch die Erfahrungen ehemaliger Patienten, die gemeinsam mit der AOK und der BARMER GEK erhoben werden: Überdurchschnittlich viele, nämlich 84% der befragten Patienten, geben an, dass sie die Chirurgische Abteilung in Achern weiterempfehlen würden. Zudem bescheinigt die AOK der Fachabteilung in Achern eine überdurchschnittlich hohe Qualität im Schwerpunkt Knieendoprothetik, ebenso den endoprothetischen Fachkliniken in Gengenbach, Lahr und Wolfach. Basis der Bewertung ist das sogenannte QSR-Verfahren der AOK, ein Verfahren zur Qualitätssicherung von Krankenhausbehandlungen, bei dem Ergebnisse ausgewählter Behandlungen anhand möglicher Komplikationen bzw. unerwünschter Folgeereignisse (Indikatoren) bewertet werden. Die Abkürzung QSR steht für "Qualitätssicherung mit Routinedaten". Das Bewertungsverfahren besitzt den Vorteil auch langfristige Behandlungsqualität messen zu können.

Den Krankenhausnavigator der AOK finden Sie hier:

http://weisse-liste.krankenhaus.aok.de

 

Nachgefragt

Interview mit Dr. Wolfgang Beeres, Chefarzt der Abteilung für Endoprothetik und Unfallchirurgie am Ortenau Klinikum in Achern

Wodurch zeichnet sich die Abteilung für Unfallchirurgie und Endoprothetik aus?
Ein besonderer Schwerpunkt unserer Abteilung ist der künstliche Ersatz des Knie- und Hüftgelenks mit jährlich bis zu 500 Eingriffen einschließlich komplexer Wechseloperationen nach Prothesenlockerung, -bruch oder -infektion. Dabei werden hochwertige, innovative Implantate, die auch bei besonders schwierigen Fällen geeignet sind, eingesetzt. Basis dazu ist unsere jahrzehntelange Erfahrung mit endoprothetischen Operationen und die Möglichkeit, verloren gegangenen Knochen aus unserer eigenen Knochenbank in Verbindung mit sogenannten modularen Prothesenkomponenten zu ersetzen. Durch diese Kombination können auch schwierigste Probleme mit dauerhaft guten Ergebnissen gelöst werden.

Herr Dr. Beeres, welche Hilfe können Sie Patienten mit Kniearthrose am Ortenau-Klinkum Achern anbieten?
Wenn Betroffene von Kniearthrose nach Ausschöpfung aller konservativen Behandlungsmöglichkeiten auch im Ruhezustand – sogar nachts – Schmerzen haben und sich kaum noch bewegen können, ist der Ersatz mit einem Knieimplantat zumeist unausweichlich. Wir möchten diesen Patienten ihre Lebensqualität zurückgeben und dabei deren körperliche Fähigkeiten und Funktionen wieder herstellen bzw. erhalten. Dabei achten wir sehr sorgfältig auf modernste Implantationstechnik für eine lange Standzeit, also Haltedauer unserer Prothesen.

Welche OP ist bei Kniearthrose die richtige?
Jede Behandlungsmethode richtet sich nach dem Ausmaß der Erkrankung und dem Patienten selbst. Auch wenn verschiedene Patienten ähnliche Symptome zeigen, kann sich die Wahl des Operationsverfahren und die der Implantate unterscheiden. Hier diagnostizieren wir in jedem Einzelfall sehr genau und entwickeln für jeden Patienten ein individuelles Behandlungskonzept. Zur Zeit werden überwiegend sogenannte Oberflächenersatzimplantate mit Knochenzement eingesetzt, da die Arthrose meist beide Gelenkzonen innen und außen betrifft. Je nach Notwendigkeit und intraoperativem Augenschein kann auch ein Ersatz der Kniescheibenrückseite ergänzt werden. Bei vorwiegend einseitigem Verschleiß meist des inneren Gelenkspaltes, der sog. Varusarthrose, setzen wir zunehmend auch einseitige Schlittenprothesen ein. Diese stellen einen wesentlich geringeren Eingriff mit weniger Schmerzen und deutlich schnellerer Rekonvaleszenz dar, da gesunde Gelenkbereiche erhalten bleiben und nur der erkrankte Knochen durch das Implantat ersetzt wird.  Sie sind vor allem für jüngere Patienten geeignet und haben den großen Vorteil, bei späterer Lockerung infolge des langjährigen hohen Aktivitätsniveaus meist problemlos auf eine konventionelle Oberflächenprothese gewechselt werden zu können. Ganz neu ist die Entwicklung sogenannter individueller Prothesen, die zusammen mit dem dafür notwendigen Instrumentarium speziell für die jeweilige Anatomie des Patienten angefertigt werden. Diese Methode scheint vielversprechend und zukunftstauglich zu sein, ist aber momentan noch in der Erprobungsphase. Daher liegen noch keine längerfristigen Ergebnisse vor, so dass hier unserer Meinung nach vor der allgemeinen Anwendung noch weitere Studienergebnisse abgewartet werden sollten.

 

Endoprothetik Ortenau

Die Endoprothetik Ortenau ist ein Zusammenschluss aller in diesem Fachbereich spezialisierten Ärzte am Ortenau Klinikum zu einem Qualitätszirkel. Ziel ist es, einen engen Erfahrungsaustausch zu pflegen, sich gemeinsam laufend über den aktuellen wissenschaftlichen Stand der Endoprothetik, über neue Operationsmethoden und Materialen zu informieren, sowie gemeinsame Qualitätsstandards festzulegen und sich in bestimmten Fällen konsiliarisch zu Rate zu ziehen, um für jeden Patienten ein individuelles Behandlungskonzept zu entwickeln. Basis hierfür ist ihre jahrzehntelange Erfahrung mit jährlich mehr als 2.100 endoprothetischen Operationen in Folge von Arthrose an Hüfte (Coxarthrose = Hüftgelenksarthrose) oder Knie (Gonarthrose = Kniegelenksarthrose) – für das Jahr 2008 waren dies über fünf Prozent der in Baden-Württemberg durchgeführten Endoprothese-Operationen an Hüfte und Knie (seit 2008 sind die Eingriffszahlen weitgehend unverändert). Zudem verfügt die Endoprothetik Ortenau über große Erfahrung mit speziellen endoprothetischen Eingriffen z. B. an Schulter, Ellenbogen, Hand und Sprunggelenk.

Weitere Informationen unter www.endoprothetik-ortenau.de

 

 

Ihre Fachkliniken der Endoprothetik Ortenau


Ortenau Klinikum Achern
Unfallchirurgie und Endoprothetik

Dr. med. Wolfgang Beeres
Josef-Wurzler-Str. 7
77855 Achern
Tel. 07841 700-2200
E-Mail: chirurgie.ach@ortenau-klinikum.de

Ortenau Klinikum Lahr-Ettenheim
Klinik für Unfall-, Orthopädische und Wirbelsäulenchirurgie

Prof. Dr. Akhil P. Verheyden
Klostenstraße 19
77933 Lahr
Tel. 07821 93-2303
E-Mail: Tina.Fader@ortenau-klinikum.de

Ortenau Klinikum Offenburg-Gengenbach
Orthopädie, Spezielle Orthopädische Chirurgie, Orthopädische Rheumatologie

Dr. Bruno Schweigert
Leutkirchstraße 32
77723 Gengenbach
Tel. 07803 89-3001
E-Mail: orthopaedie.og@ortenau-klinikum.de

Ortenau Klinikum Offenburg-Gengenbach
Unfall-, Hand- und Wiederherstellende Chirurgie

Priv.-Doz. Dr. Reinhard Meier
Ebertplatz 12
77654 Offenburg
Tel. 0781 472-3301
E-Mail: unfallchirurgie.og@ortenau-klinikum.de

Ortenau Klinikum Wolfach
Chirurgische Abteilung

(Unfallchirurgie/ Orthopädie)
Dr. Oliver Datz
Oberwolfacher Straße 10
77709 Wolfach
Tel. 07834 970-401
E-Mail: Oliver.Datz@ortenau-klinikum.de 

Hinweis:

Die hier publizierten Beiträge sind redaktionell und die darin enthaltenen Angaben zu Daten, Fakten, Kontakten o.ä. werden nicht aktualisiert. Zur näheren Information besuchen Sie bitte die jeweiligen Fachkliniken auf der Website des Ortenau Klinikums.

Patientenzeitschrift Heft 16

Die Ortenau Gesundheitswelt informiert Patienten und Besucher des Ortenau Klinikums halbjährlich über wichtige Gesundheitsthemen wie Prävention, Erkrankungen und Therapiemöglichkeiten.


Jetzt durchblättern

Zum Zeitschriften-Archiv