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Medizin und Gesundheit | Archiv Archivierte Mitteilung

Herz aus dem Takt

Das Herz ist der wichtigste Muskel und Motor unseres Körpers. Es schlägt etwa 60 bis 100 Mal pro Minute und pumpt pro Tag rund 7000 Liter Blut durch den Körper, um die Organe mit Sauerstoff und Nährstoffen zu versorgen. Kommt der Motor ins Stottern, schlägt das Herz zu langsam, zu schnell oder unregelmäßig, sollte man der Ursache dafür auf den Grund gehen.

© Kzenon – Fotolia.com

Herzrhythmusstörungen und die Folgen
Damit sich der Herzmuskel zusammenziehen und wieder entspannen kann, muss er durch elektrische Impulse angestoßen werden. Hauptimpulsgeber und natürlicher Schrittmacher des Herzens ist der sogenannte  „Sinusknoten“, ein Geflecht von Nervenzellen im Bereich des rechten Vorhofes. Wenn dieser regelmäßige Sinusrhythmus gestört ist, sprechen wir von Herzrhythmusstörungen. „Herzrhythmusstörungen können Menschen aller Altersgruppen betreffen. Sie kommen sehr häufig vor, können harmlos oder auch gefährlich bzw. Ausdruck einer ernsten Erkrankung sein“,  sagt Oberarzt Dr. Christian Reimling, Leiter der Sektion Kardiologie am Ortenau Klinikum Achern.  

Was bringt das Herz aus dem Takt?

Herzklopfen kennt jeder: Nicht nur bei sportlichen Höchstleistungen, sondern ebenso beim ersten Kuss oder vor einer wichtigen Prüfung. Und wer schon mal bei Glatteis auf der Autobahn die Kontrolle über sein Auto verloren hat, der weiß auch, wie sich Herzrasen anfühlt. All das sind ganz normale Reaktionen: Unter körperlicher Belastung oder in emotionalen Ausnahmesituationen schlägt das Herz bis zu 160 Mal pro Minute, während es in Ruhe bzw. im Schlaf auf lediglich 60  bis 40 Schläge pro Minute kommt. Problematisch wird es erst, wenn das Herz plötzlich aus unerklärlichen Gründen ins Stolpern gerät, sehr langsam schlägt oder bedrohliches Herzrasen auftritt.  Man unterscheidet dabei zwischen zu langsamen (bradykarden)  und zu schnellen (tachykarden) Herzfrequenzen.

Herzstolpern, Extrasystolen, Vorhofflimmern

In der kardiologischen Sektion des Ortenau Klinikums Achern ist man auf die Diagnose und Behandlung von Herzrhythmusstörungen und insbesondere auf die Implantation von Schrittmachern, Defibrillatoren und Eventrekordern spezialisiert. Zu den häufigsten Rhythmusstörungen zählen Extrasystolen, d.h. Extraschläge des Herzens, und Vorhofflimmern. Die Symptome der Patienten reichen von  Herzrasen/Herzklopfen  über verminderte Belastbareit, Schwindel, Atemnot, Unwohlsein bis hin zu Ohnmachtsanfällen. „Herzrhythmusstörungen können harmlos oder gefährlich sein, sie können als eigenständige Erkrankung auftreten oder Symptom einer anderen Erkrankung sein “, macht Dr. Reimling deutlich.

Auslöser des Stolperherzens sind meist Extraschläge aus den Vorhöfen oder Herzkammern. Ist das Herz gesund, brauchen Extrasystolen, die durch Stress, Aufregung, Angst oder Freude ausgelöst sind, nicht behandelt zu werden – es sei denn, die Lebensqualität der Betroffenen ist deutlich eingeschränkt. Die Extraschläge  können jedoch genauso  gut  durch eine Herzerkrankung oder zum Beispiel durch Kaliummangel oder eine Schilddrüsenüberfunktion verursacht sein. Deshalb rät der Kardiologe dringend, die  entsprechenden Beschwerden ernst zu nehmen und abklären zu lassen. Unter Vorhofflimmern versteht man das unkoordinierte, unregelmäßige, schnelle Zucken der Herzvorhöfe, das zu einem unregelmäßigen Puls mit unterschiedlich langen Pausen führt. Allein in Deutschland leiden etwa 1,8 Millionen Menschen darunter. „Auch Vorhofflimmern  ist an sich nicht direkt bedrohlich, es kann jedoch zur Bildung von Blutgerinnseln führen, die in der Folge die Blutgefäße verstopfen und möglicherweise einen Schlaganfall auslösen“, warnt Dr. Reimling.  Das Problem: Viele Betroffene haben gar keine Beschwerden, sodass die Störung in vielen Fällen nur durch Zufall – oder zu spät – entdeckt wird.

Auf Spurensuche mit modernsten Diagnoseverfahren
Ob eine Herzrhythmusstörung harmlos, ein Warnsignal oder lebensbedrohlich ist, lässt sich nur durch eine genaue Diagnose feststellen. Bereits kleinste Vernarbungen oder Entzündungen des Herzmuskelgewebes  können das Entstehen von Extrasystolen oder Vorhofflimmern begünstigen. Das einfache Elektrokardiogramm – kurz EKG –  liefert erste, richtungsweisende Befunde. Es kann durch ein Belastungs-EKG und/oder ein Langzeit-EKG ergänzt werden. Als wichtiges Untersuchungsverfahren gilt die Ultraschall-Untersuchung des Herzens, die Echokardiographie. Damit lässt sich die Herzleistung bestimmen und das Risiko eines plötzlichen Herztodes abschätzen. Zur weiteren Ursachenabklärung kann eine Computertomografie oder Kernspintomografie gemacht oder eine Herzkatheteruntersuchung angeordnet werden. Tritt die Herzrhythmusstörung nur selten auf, kommen heute zur Abklärung auch Herzmonitore (Event-Recorder) zum Einsatz, die direkt unter die Haut implantiert werden und jede Auffälligkeit aufzeichnen.

Welche Therapiemöglichkeiten gibt es?
Zunächst gilt es, die Grunderkrankung – soweit bekannt – zu bekämpfen, etwa durch die Beseitigung von Engstellen der Herzkrankgefäße oder Reparatur der Herzklappen. Neue Möglichkeiten ergeben sich durch die elektrische Verödung von Herzgewebe, das die Herzrhythmusstörungen auslöst, die sogenannte Ablation. Darüber hinaus ist in der Regel eine medikamentöse Behandlung zum Beispiel mit Blutdrucksenkern, Betablockern, Entwässerungstabletten und/oder Gerinnungshemmern unerlässlich, um das Herz zu entlasten und Gerinnselbildung zu verhindern.

Mehr Lebensqualität durch Herzrhythmusimplantate
Früher stand man Herzrhythmusproblemen beinahe hilflos gegenüber; inzwischen bestehen sehr gute Behandlungsmöglichkeiten durch moderne Medikamente, in manchen Fällen spezielle Herzkatheteruntersuchungen, sogenannte Ablationen und nicht zuletzt durch den Einsatz  der modernen Herzschrittmacher, Defibrillatoren und CRT-Systeme. In der Sektion Kardiologie in  Achern  wird eine  sehr differenzierte Schrittmachertherapie verfolgt, da verschiedene Systeme der führenden Hersteller zur Verfügung stehen. „Beim Einsatz von Implantaten ist es wichtig, auf die Grunderkrankung und die Bedürfnisse der Patienten einzugehen“, betont Dr. Reimling. „Ein 80-jähriger, eher immobiler Patient benötigt ein anderes Gerät als eine 40-jährige, berufstätige, sportlich aktive Frau.“ Sein Fazit: „Auch mit einem Herzschrittmacher oder mit einem Defibrillator lässt sich heute bei regelmäßiger Nachsorge gut und lange leben.“


Kontakt

Ortenau Klinikum Achern-Oberkirch
Kardiologie
Betriebsstelle A
chern
Dr. Christian Reimling
Josef-Wurzler-Str. 7
77855 Achern
Tel. 07841 700-2310
E-Mail: Christian.Reimling@ortenau-klinikum.de