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Medizin und Gesundheit | Archiv Archivierte Mitteilung

Den Herzschlag im Blick: Event-Rekorder entdecken Herzrhythmusstörungen

Wenn das Herz aus dem Rhythmus gerät, kann ein sogenannter Event-Rekorder Aufschluss über die Ursache geben.

Wenn das Herz aus dem Rhytmus gerät, kann ein sogenannter Event-Rekorder Aufschluss über die Ursache geben. © peshkova - Fotolia.com

 

Bis zu vier Milliarden Mal schlägt das Herz von unserer Geburt bis zu unserem Tod. Bei jedem Schlag zieht es sich zusammen und befördert so pro Minute vier bis sechs Liter Blut durch unsere Adern, das unseren Körper mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt. Man spricht von einer Herzrhythmusstörung, wenn das Herz aus dem Takt gerät – zu schnell, langsam oder holprig schlägt. „Unser Herzschlag wird ausgelöst durch einen elektrischen Reiz im rechten Vorhof des Herzen. Von diesem sogenannten Sinusknoten wird der Impuls über den Vorhof verteilt, was die Muskeln im Vorhof zum Kontrahieren bringt und Blut in die Herzkammer befördert – unser ganz eigener Turbolader“, sagt Dr. Michael Rost, Leitender Arzt und Ärztlicher Direktor der Inneren Medizin am Ortenau Klinikum Oberkirch und Facharzt für Innere Medizin, Notfallmedizin, Internistische Röntgendiagnostik und Palliativmedizin.

 

Elektrische Impulse

Wenn auch Muskelzellen außerhalb des Sinusknotens elektrische Impulse erzeugen, kann sich der Vorhof nicht mehr synchron zur Kammer zusammenziehen und das Blut fließt nicht vollständig in die Herzkammer. Diese zusätzlichen elektrischen Reize führen zu dem Phänomen, das als Herzstolpern bekannt ist. Herzrasen entsteht dagegen, wenn die sogenannten Erregungswellen im Herz in eine Dauerschleife geraten, die eine effektive Impulsübertragung unmöglich machen.

 

Die Grenzen eines EKG

Mittels EKG versuchen Ärzte Herzrhythmusstörungen aufzudecken. 24-Stunden oder 7-Tage-EKGs bieten zwar eine verlässliche Diagnose, das gilt aber nur für Vorfälle innerhalb des Untersuchungszeitraums. „Nicht alle Störungen sind dann vorhanden, wenn wir ein EKG aufzeichnen. Ein EKG ist eine Momentaufnahme, die nicht jede unregelmäßig oder selten auftretende Herzrhythmusstörung erfasst“, so Dr. Rost. „Ein Negativbefund wischt also nicht alle Sorgen vom Tisch. Diese Ungewissheit ist sehr belastend für unsere Patienten, damit wollen wir sie nicht nach Hause schicken. Hier kommt der Event-Rekorder ins Spiel.“

 

Einsatz des Event-Rekorders

Auch hinter plötzlicher Bewusstlosigkeit können Herzrhythmusstörungen stehen, meist in Form von Herzaussetzern. „Zu uns kommen häufig Patienten, die wiederholt und scheinbar grundlos in Ohnmacht fallen. Wenn Blutdrucktests, EKG und andere Untersuchungen keinen Hinweis auf die Ursache liefern, raten wir zum Einsatz des Event-Rekorders“, so Dr. Rost, „sinnvoll ist er auch bei Patienten, die wiederholt Schlaganfälle haben, ohne dass wir eine Ursache finden. Dahinter kann eine unbemerkte Rhythmusstörung im Herzvorhof stehen, die der Rekorder sofort erkennt.“

 

Wächter des Herzschlags

Das kleine medizinische Gerät kann Leben retten: „Bei einem Sportler, der alle paar Monate ohne Vorwarnung ohnmächtig wurde, sahen wir beispielsweise einen plötzlichen Herzstillstand von über 20 Sekunden. Damit war klar, dass wir einen Herzschrittmacher einsetzen mussten“, so Dr. Rost. Manchmal liefert das Gerät auch ganz andere Hinweise: „Wir haben bei einem anderen Patienten festgestellt, dass er zwar keine Herzrhythmusstörung hatte, aber wohl einen epileptischen Anfall, der sich im Zittern der EKG-Ableitung zeigte.“

 

Mini-Langzeit-EKG

Der Event-Rekorder funktioniert wie ein Mini-Langzeit-EKG. Dazu wird er über einen kleinen Hautschnitt neben dem Brustbein eingesetzt – ein einfacher Eingriff unter örtlicher Betäubung. Zwischen zwei und vier Jahren kann das Gerät Herzsignale aufzeichnen. Wenn der Patient auffällige Symptome bemerkt, kann er selbst mittels einer kleinen Fernbedienung die Speicherung auslösen. In solchen Fällen, aber auch bei den regelmäßigen Kontrollen, analysiert der Arzt die aufgezeichneten EKG-Signale. Das geht drahtlos und schmerzfrei mit einem „Programmierkopf“, den der Arzt auf die Brust legt. „Dann sehen wir, ob der Zustand des Patienten auf eine Herzrhythmusstörung zurückzuführen ist oder nicht – in beiden Fällen erhalten wir eine wertvolle Information. Der Rekorder gehört inzwischen zu unseren wichtigsten Diagnoseinstrumenten mit einem sehr hohem Anteil an wegweisenden Befunden“, so Dr. Rost.

 

 

Patientenzeitschrift Heft 17

Die Ortenau Gesundheitswelt informiert Patienten und Besucher des Ortenau Klinikums halbjährlich über wichtige Gesundheitsthemen wie Prävention, Erkrankungen und Therapiemöglichkeiten.


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