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Erkrankungen und Behandlungen Stent

Erkrankungen und Behandlungen / Stent

Was ist ein Stent?

Ein Stent – auch Gefäßstütze genannt – ist ein kleines aus einem Drahtgeflecht bestehendes Röhrchen, das in die Gefäße oder Hohlorgane eingesetzt wird, um diese offen zu halten oder zu stützen. Dadurch soll einem erneuten Gefäßverschluss vorgebeugt werden, wenn bereits eine Verengung der Herzkranzarterien vorkam. Die metallene Gefäßstütze soll Gefäßablagerungen verhindern und glättet den Gefäßinnenraum, indem sie gegen die Gefäßwand gepresst wird, um einen verbesserten Blutfluss innerhalb des Gefäßes zu bewirken.

Abbildung Schematische Darstellung Arterien und Venen

Was ist eine Arterienverkalkung?

Eine Arterienverkalkung (Arteriosklerose) bezeichnet eine krankhafte Veränderung der Gefäßwände, was prinzipiell in allen arteriellen Blutgefäßen auftreten kann. Dabei lagern sich unter anderem Blutfette, Bindegewebe und Kalk in den Arterien ab, also den Blutgefäßen, die das in der Lunge mit Sauerstoff angereicherte Blut in die Organe verteilen. Zunächst wird im Krankheitsverlauf die Zellwand geschädigt, sodass sie nicht mehr glatt sondern aufgeraut ist und verschiedene Blutzellen, wie weiße Blutkörperchen und Blutplättchen, leicht daran haften bleiben. Die weißen Blutkörperchen nehmen Fettverbindungen auf und wandeln sich in Schaumzellen um. Die eingelagerten Substanzen können wiederum Entzündungen hervorrufen, wodurch weitere weiße Blutkörperchen hinzukommen. Durch die Ablagerungen wird der Gefäßdurchmesser immer enger und die Arterienwand versteift. Das Resultat ist eine Einschränkung der Durchblutung der Organe.

Ursachen für eine Verengung der Blutgefäße

Bei der Entstehung der sogenannten Arteriosklerose spielen viele Faktoren eine Rolle, der initiale Ursprung ist jedoch noch nicht vollständig geklärt. Risikofaktoren sind unter anderem eine ungesunde Lebensweise, Rauchen, Fettstoffwechselstörungen, Diabetes, erhöhter Bluthochdruck sowie hormonelle Veränderungen.

Woran erkenne ich eine Arteriosklerose?

Eine Arteriosklerose beginnt meist harmlos mit einer verkrampften Wade beim Gehen oder einem stechenden Oberschenkel. Spätestens wenn diese Beschwerden immer häufiger auftreten, sollten Betroffene einen Arzt aufsuchen, da sich dahinter Durchblutungsstörungen verbergen können, die unbehandelt die Gefahr eines möglichen Infarkts vergrößern. Ein ständiges Kältegefühl und schlechte Wundheilung an Unterschenkel und Zehen zeichnen eine bereits fortgeschrittene Krankheit aus. Wird die Haut kalt und gefühllos, kann das einen vollständigen Verschluss anzeigen der direkt behandelt werden muss.

Wie kann ich einer Arterienverkalkung vorbeugen?

Herzinfarkte oder Schlaganfälle, ausgelöst durch verkalkte Arterien, betreffen nicht nur Ältere. Um einer Arterienverkalkung vorzubeugen ist es in erster Linie sinnvoll auf Rauchen zu verzichten und Übergewicht zu vermeiden oder abzubauen. Diese beiden Parameter sind nämlich die schlimmsten Übeltäter für einen Herzinfarkt, da sie Bluthochdruck und Diabetes fördern – die wiederum eine Verkalkung der Gefäße begünstigen. Eine ausgewogene Ernährung mit wenig tierischen Fetten oder Alkohol und regelmäßiger Bewegung im Alltag unterstützen ebenfalls das Herz-Kreislauf-System präventiv. Einen 100-prozentigen Schutz gibt es nicht, aber regelmäßige Untersuchungen des Blutes und Messung des Blutdrucks, vor allem bei Personen die bereits an Diabetes oder Bluthochdruck leiden, sind eine gute Vorbeugungsmaßnahme.

Wie wird ein Stent gesetzt?

Für die Durchführung einer Stent-Implantation sind nur kleine Schritte nötig. Zuerst wird ein äußerer Zugang gelegt, durch diesen führt der Arzt einen Führungskatheter ein, den er bis zur Stelle der Arterienverengung schiebt. Danach wird durch diesen ein Kontrastmittel eingespritzt, um die Arterienverengung optisch besser betrachten zu können. Unter dieser Röntgenkontrolle schiebt der Arzt anschließend einen dünnen Kunststoffschlauch (Katheter), der durch seine feinmaschige Gitterstruktur eng zusammengedrückt werden kann, in Richtung der Engstelle des betroffenen Gefäßes. An dieser Stelle wird dann der Stent platziert.

Arten von Stents

Stents gibt es in verschiedenen Größen und aus unterschiedlichen Materialen. Bei der Auswahl können Sie auf Ihren behandelnden Arzt vertrauen, der den passenden Stent nach medizinischen Gesichtspunkten für Sie auswählt.

Selbstentfaltender Stent

Dieser Stent besteht aus einem Stahlgittergeflecht und ist von einer Plastikhülle umgeben. Der Arzt bringt ihn durch den Führungskatheter in die Gefäßverengung ein und zieht die Hülle zurück, wodurch sich der Stent entfaltet.

Ballon-expandierender Stent

Hierbei wird der Stent von einem Ballon umgeben. Bei der Operation führt der Arzt den Ballonkatheter über den Führungskatheter ein, an dessen Spitze sich Ballon und Stent befinden. Der Ballon wird nach Erreichen der verengten Arterienstelle mit Kontrastmittel gefüllt, wodurch sich die Arterie weitet. Zeitgleich wird der Stent entfaltet und in die Gefäßwand gedrückt. Sobald der Stent gesetzt ist, kann das Kontrastmittel aus dem Ballon gesaugt und der Ballon über den Führungskatheter herausgezogen werden.

Beschichtete Stents

Es kann vorkommen, dass sich ein Blutgefäß nach dem Einsetzen eines Stents erneut verschließt, beispielsweise wenn das Narbengewebe zu wuchern beginnt. Um diese Zellvermehrung zu unterdrücken, wurden spezielle Stents entwickelt, die mit bestimmten Medikamenten beschichtet sind. Diese Medikamente setzen an der Einsatzstelle des Stents über einen langen Zeitraum einen Wirkstoff frei, der das Zellwachstum hemmt und somit eine weitere Verengung der Blutgefäße verhindert.

Welche Alternativen gibt es für einen Stent?

Alternative Behandlungsmöglichkeiten von verengten Herzkranzarterien sind die Laserangioplastie, Rotablation oder die Ballonaufdehnung. In 50 Prozent der Eingriffe wird statt eines Stents ein medikamentenbeschichteter Ballonkatheter verwendet. Der sogenannte Drug-Coated Balloon (DCB) ist eine Weiterentwicklung des gewöhnlichen Ballonkatheters. Er ist mit einem Medikament beschichtet, dessen Wirkstoff direkt in die Herzkranzgefäßwand gelangt. Das verhindert das Wachstum überschüssiger Zellen und somit eine erneute Wiederverengung. Sind allerdings alle drei Herzkranzarterien verengt, kommt als Alternative eine Bypassoperation in Frage.

Wann kann ein Stent vermieden werden? 

Je nachdem wie fortgeschritten die Verengung der Gefäße ist, wird entschieden, ob der Einsatz eines Stents nötig ist. Mithilfe einer Fraktionellen Flussreserve (FFR, Druckdrahtmessung) kann man das Niveau des maximalen Blutflusses in einem Gefäß am Blutdruck der Hauptschlagader oder dem Druck hinter dem Engpass messen. Ist der Wert größer als 0,8, muss kein Stent gesetzt werden. Für die Ablagerung in den Arterien sind Entzündungsprozesse verantwortlich, die man bei einem solchen Wert medikamentös behandeln kann.

Welche Komplikationen können durch einen Stent entstehen?

Komplikationen durch eine Stent-Implantation sind eher selten. In sehr wenigen Fällen könnte sich der Stent verschließen, sodass in den versorgten Bereich weniger oder kein Blut mehr fließt. Auch können Stents die mit Medikamenten beschichtet sind, im Vergleich zu den anderen Stent-Varianten minimal das Risiko für einen plötzlichen Gefäßverschluss erhöhen. Grund dafür sind die Medikamente, wegen derer die Schiene deutlich verlangsamt in das Gefäß einheilt und wodurch sich auf dem Fremdkörper Stent mitunter Blutgerinnsel bilden können. Eine sogenannte Stent-Thrombose, die auch einen Herzinfarkt nach sich ziehen kann, entwickelt sich allerdings nur in bis zu 3 Prozent der Fälle. 

Wie geht es nach einer Stent-Implantation weiter?

In der Regel kann der Patient nach einigen Kontrolluntersuchungen schon am Tag der Stent-Implantation entlassen werden. Damit kein Blutgerinnsel auftritt, sollen die Patienten blutverdünnende Medikamente einnehmen. Falls der Patient im Vorfeld einen Herzinfarkt erlitten hat, muss er für einen längeren Zeitraum im Krankenhaus bleiben. Sobald der Patient genesen ist, kann er wie gewohnt seinen Alltag bestreiten und Sport machen, der Stent stellt dabei keine Einschränkungen dar. Über Möglichkeiten der Einschränkungen oder Risiken die nach einer solchen Operation auftreten können, klärt Sie der behandelnde Arzt ausführlich auf.

Sport nach der Stent-Implantation

Nach dem Setzen eines Stents sollte ein Patient keinesfalls wieder direkt in sein gewohntes Trainingsprogramm einsteigen. Sport ist wichtig für die Genesung, aber eine Überbelastung kann eine Gefahr für den Patienten darstellen, weshalb er für den Sport beschwerdefrei und stabil sein sollte. Für Patienten mit koronaren Herzerkrankungen sind nicht alle Sportarten geeignet. Sie sollten beispielsweise auf jegliche Ballsportarten verzichten, um nicht über ihre Belastungsgrenze zu gehen. Nach einer Stent-Implantation sind leichte Ausdauersportarten wie Fahrradfahren, Walking, leichtes Joggen oder Spazieren optimal. Schwimmen, Ballsport oder schweres Krafttraining gilt es vorerst zu vermeiden. Nach einer Abklärung mit dem Arzt und seinem Einverständnis steht auch einer sportlichen Betätigung wie Schwimmen nichts mehr im Wege.

Wann nach einem Stent wieder Auto fahren?

Das hängt davon ab, ob die betroffene Person privat mit einem Pkw fährt oder beruflich zum Beispiel mit dem Lkw unterwegs ist. Während bei der Privatnutzung nach einer komplikationsfreien Stent-Implantation bereits nach 24 Stunden wieder eine Fahreignung besteht, müssen Lkw-Berufsfahrer aus Sicherheitsgründen in der Regel vier Wochen warten und eine fachärztliche Nachuntersuchung bestehen. Eine zusätzliche und grundsätzliche Voraussetzung ist, dass der Herzmuskel eine ausreichende Pumpkraft aufweist.

Verändert sich das Leben mit einem Stent?

Ein Stent muss das alltägliche Leben nicht einschränken. Es schadet jedoch nicht, ein gewisses Augenmerk auf eine gesunde Lebensweise zu legen, um eine weitere Arterienverkalkung zu vermeiden. Patienten mit einem Stent wird daher empfohlen, das Rauchen aufzugeben, auf eine cholesterinärmere Ernährung zu achten, fettige Mahlzeiten und übermäßigen Alkoholkonsum zu vermeiden sowie sportliche Aktivitäten in den Alltag zu integrieren. Befürchtungen, dass mit einem Stent technische Probleme wie ein Alarm durch Magnetwellen im Flughafen oder in Kaufhäusern ausgelöst werden, brauchen Betroffene nicht zu haben. Ebenso sind Untersuchungen wie Magnet-Resonanz-Tomographien (MRT) auch mit Stent ohne Komplikationen durchführbar.