Ausbildung und Beruf Interview

Interview

"Die Pflege bietet eine Vielfalt an Weiterbildungsmöglichkeiten, die beeindruckend ist"

Interview mit Ute Braun, ehem. Leiterin des Bildungszentrums für Gesundheits- und Pflegeberufe in Achern

Abbildung Ute Braun

Ute Braun

Name: Ute Braun
Beruf: Ehem. Leiterin des Bildungszentrums für Gesundheits- und Pflegeberufe in Achern, Dipl. Pflegepädagogin (FH), Krankenschwester
Hobbys: Lesen, Sport, Gartenarbeit, Vogelkunde, mein Kater Mogli

Ortenau Gesundheitswelt: Frau Braun, welche Ausbildungsberufe und Fortbildungen bieten Sie am Bildungszentrum in Achern an?

Ute Braun: Wir bieten Gesundheits- und Krankenpflege als Ausbildung an.

OG: Welches Konzept, welche Leitlinien verfolgen Sie im Bildungszentrum?

Ute Braun: Wir möchten die Auszubildenden in ihrer Individualität unterstützen, indem wir Lernberatung und Begleitung anbieten. Umwege und Fehler sind erlaubt, Feedbacks sollen hilfreiche Orientierung geben. Lernen soll ansteckend sein und in zwischenmenschlichen Beziehungen stattfinden. Wir verstehen uns als Begleiter und Berater der Lernenden, möchten motivieren und die Ressourcen des Einzelnen fördern.

OG: Wie viele Auszubildende unterrichten Sie und Ihre Kollegen zur Zeit?

Ute Braun: Wir haben 84 Auszubildende, die wir betreuen.

OG: Das Ortenau Klinikum ist regional stark verwurzelt. Kommen Ihre Auszubildenden aus der Region?

Ute Braun: Etwa zwei Drittel kommen aus dem Ortenaukreis, der Rest aus dem Landkreis Rastatt oder teilweise aus dem angrenzenden Elsass.

OG: Welche Schulausbildung sollten angehende Auszubildende mitbringen?

Ute Braun: Der Gesetzgeber fordert eine 10-jährige Schulbildung. Wir freuen uns über alle, die ein gutes Mittlere Reife-Zeugnis vorlegen können oder eine gute Fachschulbildung nachweisen. Selbstverständlich sind auch Menschen mit Abitur gern gesehen. Im Rahmen unserer Kooperation mit der Katholischen Hochschule in Freiburg ist es jungen Menschen mit Hochschulzugangsberechtigung möglich, ausbildungsbegleitend zu studieren.

OG: Als Bildungszentrumsleiter haben Sie einen vielfältigen Aufgabenbereich. Wie sieht Ihr Arbeitsalltag am Bildungszentrum aus?

Ute Braun: Teamsitzungen leiten, mit Kooperationspartnern in Kontakt treten, administrative Tätigkeiten, Gespräche mit Schülern, Unterricht durchführen, vor- und nachbereiten, Beurteilungen dokumentieren, mich mit Stationsleitungen austauschen, Praxisbesuche bei den Schülern durchführen, Post bearbeiten...

OG: Das Bildungszentrum steht in enger Verbindung zum Ortenau Klinikum. Welche Vorteile ergeben sich aus dieser Zusammenarbeit mit Pflegekräften und Ärzten?

Ute Braun: Wir können auf pflegerische und medizinische Fachdozenten zurückgreifen. Die Wege sind kurz – wenn es Probleme gibt, kann man schnell mal mit den betreffenden Menschen persönlich Kontakt aufnehmen. Die Situation vor Ort auf den Stationen bleibt vertraut.

OG: Worin unterscheiden sich die Anforderungen an Auszubildende im Pflegebereich von denen anderer Ausbildungsberufe?

Ute Braun: Im Pflegebereich sind schon mal sehr viel mehr Theoriestunden zu bewältigen als in einem anderen Ausbildungsberuf. Die Auszubildenden arbeiten im Dreischichtdienst und werden mit sehr vielen sehr kritischen Lebenssituationen konfrontiert. Das Ausbildungsgehalt ist deutlich höher als in anderen Ausbildungsberufen.

OG: Welche wichtigen Eigenschaften sollte ein Pflegeschüler unbedingt mitbringen?

Ute Braun: Kontaktfreudig (Freude am Umgang mit Menschen), kommunikativ und empathisch sollte er sein.

OG: Welche persönlichen und beruflichen Chancen sehen Sie für Auszubildende im Pflegebereich?

Ute Braun: Die Pflege bietet eine Vielfalt an Weiterbildungsmöglichkeiten, die beeindruckend ist. Ich finde, das macht den Beruf so attraktiv, denn nach der Grundausbildung ist noch lange nicht Schluss – falls Interesse, Motivation und Engagement besteht.

OG: Was wünschen Sie sich in Zukunft für die Pflegeausbildung?

Ute Braun: Ich wünsche mir eine Integration in das öffentliche Bildungssystem. Die Auszubildenden sollten zudem nicht mehr auf dem Stellenplan angerechnet werden. Der Gesetzgeber sollte sich endlich an die EU-Vorgaben in allen Bereichen halten und für Deutschland keine Ausnahmen einräumen.

OG: Sie arbeiten täglich mit jungen Menschen zusammen. Was macht Ihnen an der Arbeit mit den Auszubildenden besonders viel Spaß?

Ute Braun: Die unverbrauchte und vielfach motivierte und engagierte Herangehensweise der jungen Menschen. Ihre Neugier auf das Leben im Allgemeinen und auf den Beruf im Besonderen.

OG: Was ist Ihnen beim Umgang mit den Pflegeschülerinnen und -schülern besonders wichtig?

Ute Braun: Ich möchte, dass die Schüler und Schülerinnen in uns verlässliche Begleiter in ihrer Ausbildung erkennen. Aufrichtigkeit und verantwortungsvolles Handeln auf beiden Seiten ist hierfür wichtig.

OG: Was wünschen Sie sich für die Zukunft Ihrer Schülerinnen und Schüler?

Ute Braun: Dass die Arbeitsbedingungen in der Pflege sich verbessern und die Anerkennung, die der Beruf hat, sich auch in der Höhe des Gehaltes ausdrückt, das ein Pflegender nach dem Examen erhält. Die Einrichtung einer Pflegekammer würde die Durchsetzung beruflicher Interessen auf höchster Ebene unterstützen.

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