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Mit Asthma bronchiale aktiv leben

Einatmen, kurze Pause, ausatmen. Über unsere Atmung machen wir uns im Alltag kaum Gedanken, denn sie funktioniert im Idealfall automatisch. Erst wenn Lunge und Atemwege erkranken und das Luftholen zur Last wird, machen wir uns bewusst, wie sehr unsere Lebensqualität vom richtigen Atmen und gesunden Atemwegen abhängt. Die medizinische Fachrichtung, die sich mit der Behandlung von Lungen- und Atemwegserkrankungen befasst, heißt Pneumologie.

„Zu den häufigsten Krankheiten, die wir auf diesem Gebiet behandeln müssen, gehören Erkrankungen mit Verengungen der Atemwege wie die COPD oder die chronisch obstruktive Bronchitis, die meist bei Rauchern auftritt. Bei Kindern und jüngeren Erwachsenen steht insbesondere das Asthma bronchiale im Vordergrund“, sagt Dr. Stefan Hambrecht, Chefarzt Innere Medizin am Ortenau Klinikum Kehl. Volkskrankheit Asthma Asthma bronchiale, so der medizinische Fachausdruck, ist inzwischen eine der großen Volkskrankheiten. So leiden in Deutschland Schätzungen zufolge bereits drei bis sechs Prozent der jungen Erwachsenen und etwa zehn Prozent der Kinder an Asthma. „Mediziner unterscheiden allergische und nicht allergische Asthmaformen.

Beim allergischen Asthma reagiert das Immunsystem auf bestimmte allergene Reize wie Pollen, Tierhaare oder Hausstaubmilben“, erklärt Dr. Hambrecht. „Nicht allergisches Asthma kann viele Ursachen haben, meist wird es durch einen Infekt ausgelöst. Aber auch bestimmte Medikamente, auf die der Patient allergisch reagiert, saurer Magensaft bei Reflux, seltener auch chemische oder
giftige Stoffe wie Rauch, Staub, Dämpfe oder Ozon können für eine Asthma-Erkrankung verantwortlich sein.“ Nicht immer können die Mediziner eindeutig klären, welches der ursächliche Auslöser der Asthmaerkrankung ist, sehr oft bestehen auch Mischformen aufgrund eines sogenannten „überempfindlichen Bronchialsystems“.

Entzündung der Atemwege
Eine asthmatische Entzündung der Atemwege lässt die Schleimhaut anschwellen, die Bronchialmuskulatur verkrampft, es kommt zu einer gesteigerten Produktion
von Schleim in den Bronchien – das erschwert das Atmen, ganz besonders das Ausatmen. Dabei entstehen in der Regel pfeifende und brummende Atemgeräusche. In schweren Fällen kann die
Einatemluft nicht mehr ungehindert ausgeatmet werden. Folge: ein lebensbedrohlicher Atemnots-Anfall, ein sogenannter Akuter Asthma-Anfall, droht – notärztliche Hilfe ist erforderlich.

Auch Sport und Atemübungen helfen

Wie schlimm ist Asthma für die Betroffenen? „Zwar können wir Asthma nicht komplett heilen, aber wir können die Krankheit, also die Entzündung der Atemwege, sehr gut kontrollieren“, so Dr. Hambrecht. „Bei optimaler Therapiekontrolle sind die Patienten meist vollständig leistungsfähig, können beispielsweise wieder Sport und Ausdauersport betreiben. Ein weitgehend normales und aktives Leben trotz Asthma ist möglich, und deshalb ist es uns wichtig, unsere Patienten im Umgang mit ihrer Krankheit zu schulen.“

Erfolgreiche Behandlung

Eine erfolgreiche Asthma-Behandlung zeichnet sich durch mehrere Faktoren aus und wird der Schwere der Erkrankung angepasst. Die medikamentöse Therapie stützt sich weitgehend auf zwei Säulen: Zum einen die sogenannten „Reliever“, schnell in ihrer Wirkung einsetzende Bronchialerweiterer, die meist als Spray inhaliert werden. In der nächsten Stufe der Asthmabehandlung folgt die Hinzunahme von sogenannten „Controllern“: langwirksame Bronchialerweiterer, die meist als feines Pulver inhaliert werden; beim Asthma bronchiale in Kombination mit entzündungshemmendem Cortison. Zusätzlich zur Einnahme der Medikamente sollten Patienten die Auslöser ihrer Krankheit möglichst meiden. Auch eine Hyposensibilisierung, bei der das Immunsystem an die allergieauslösenden Stoffe gewöhnt wird, verspricht bisweilen Erfolg.

Spezielle Atemtechniken, Sport und psychologische Tipps helfen den Patienten, gut mit der Krankheit zu leben, ebenso wie eine regelmäßige Kontrolle durch den Hausarzt und Lungenfacharzt. Ganz wichtig: „Wer Asthma hat und trotzdem raucht, sollte sofort damit aufhören! Studien beweisen, dass Rauchen den Erfolg von medikamentösen Asthma-Therapien deutlich mindert“, so Dr. Hambrecht.

Veränderungen aufmerksam verfolgen

Doch auch bei einer optimalen Therapie kann sich der Zustand der Patienten, zum Beispiel durch einen Infekt, verschlechtern. „Um solche Krisen frühzeitig zu erkennen, raten wir Betroffenen zu regelmäßigen sogenannten Peak-Flow-Messungen“, so Dr. Hambrecht. Diese kann der Patient nach entsprechender Einweisung selbst durchführen. Dabei misst ein kleines Gerät die maximale Strömungsgeschwindigkeit der ausgeatmeten Luft. Aufgrund der ermittelten Werte lassen sich Veränderungen in den Atemwegen verfolgen. Generell sollten Asthma-Patienten auf erste Infekt-Anzeichen besonders sensibel reagieren und spätestens bei Verschlechterung ihrer Atemlage ihren
Arzt aufsuchen.

Nachgefragt
Fragen an Dr. Stefan Hambrecht, Chefarzt Innere Medizin am Ortenau Klinikum Kehl

Herr Dr. Hambrecht, welche Leistungen bieten Sie neben der Asthma-Behandlung noch an?

Bei Verdacht auf eine Atemwegs- oder Lungenerkrankung können wir mittels umfangreicher Lungenfunktionsmessungen im sogenannten Bodyplethysmographen alle Lungen- und Atemparameter genau bestimmen. Ein großer Teil unserer Arbeit widmet sich Patienten mit COPD, der chronischen obstruktiven Bronchitis. Sie trifft in erster Linie Raucher und ist, wie auch Asthma, nicht heilbar. Während sich jedoch beim Asthmatiker durch Therapie die Lungenfunktion vollständig erholen kann, leiden COPD-Patienten unter einem irreversiblen Lungenfunktionsverlust. Wir konzentrieren uns deshalb darauf, die Lebensqualität der Betroffenen durch Nikotinkarenz, mit bronchialerweiternden Medikamenten oder Sauerstoff-Langzeitgaben so weit wie möglich zu verbessern. Wichtig ist die konsequente Behandlung von Infekten: Jeder Infekt bei einem COPD-Patienten ist mit einem kleinen Herzinfarkt beim Herzkranken vergleichbar.

Der Aufgabenbereich der Inneren Medizin im Ortenau Klinikum Kehl geht über die Behandlung von Asthma und COPD in der Pneumologie, aber auch über die Pneumologie hinaus?
Ja: In der Pneumologie ist beispielsweise die Lungenspiegelung (Bronchoskopie) auf hohem Niveau angesiedelt, wir diagnostizieren durch Gewebsentnahmen mit Zange und Feinnadel, therapieren mit Argonbeamer und neuerdings wagen wir uns im Rahmen einer Studie auch an die Implantation von endobronchialen Ventilen bei COPD-Erkrankten mit fortgeschrittenem Krankheitsbild. Pneumologischerseits bieten wir eine große Ambulanz an, die von den niedergelassenen Kollegen im Hanauerland und deren Patienten rege genutzt wird. In unserer gesamten Abteilung mit 87 Betten betreuen wir jährlich mehr als 4000 Patienten auf unterschiedlichen Gebieten der Inneren Medizin. Zu unseren Schwerpunkten gehört die Kardiologie, also die Diagnostik und Behandlung von
Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems, und weiterhin ein sehr aktiver Gastroenterologischer Schwerpunkt, der sich mit den Erkrankungen des Verdauungssystems beschäftigt. Komplettiert wird die Abteilung durch die Fachrichtungen Hämatologie-Onkologie, Diabetologie und Intensivmedizin. Um die stationären und ambulanten Patienten kümmert sich ein Medizinerteam, das neben mir aus vier Oberärzten sowie zehn Assistenzärzten besteht. Alle genannten Fachbereiche sind mit Schwerpunktexperten abgedeckt. Neuerdings hat sich im Ärztehaus an der Klinik noch eine kardiologische Praxis als Medizinisches VersorgungsZentrum (MVZ) angegliedert.

Und wo liegen Ihre Leistungsschwerpunkte in der Gastroenterologie?
Neben den Basis-Untersuchungen wie Ultraschall der Organe mit allen Punktionstechniken bildet die diagnostisch-therapeutische Endoskopie von Magen und Dickdarm einen Schwerpunkt. Letzteres wird neuerdings durch ein spezielles Führungssystem ganz ohne Röntgenstrahlen durchgeführt. Ergänzt wird das Angebot durch  Untersuchungen von Galle- und Bauchspeicheldrüsengang mittels ERCP. Auch halten wir viele Spezialuntersuchungen wie die Kapselendoskopie, die pH- und Impedanz pH-Metrie der Speiseröhre vor. Wir haben uns ferner auf die Behandlung chronisch-entzündlicher Darmerkrankungen (CED) wie Morbus Crohn und Colitis ulcerosa spezialisiert.

Dr. Stefan Hambrecht

Chefarzt Innere Medizin

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