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Interview zum Thema "Sport mit künstlichen Gelenken"

Fragen an Dr. Oliver Datz, Chefarzt der Chirurgischen Abteilung am Ortenau Klinikum Wolfach

 

Dr. Datz, viele Menschen denken, dass sie ihre sportliche Betätigung nach dem operativen Einsatz einer Knie- oder Hüftprothese aufgrund von Einschränkungen aufgeben zu müssen. Ist das richtig?


Nein, das ist falsch und ein weit verbreitetes Vorurteil. Grundsätzlich ist festzuhalten, dass Menschen mit einem künstlichen Knie- oder Hüftgelenk zwar nicht jede, aber doch eine Vielzahl verschiedener Sportarten ausüben können. Der richtige Sport, in einem sinnvollen Maß ausgeübt, ist also möglich und sogar sehr wichtig.


Welche Sportarten eigenen sich für Menschen mit künstlichen Knie- oder Hüftgelenken, welche Bewegungen sind tabu?


Geeignete Sportarten sind generell solche, die die Gelenke nicht zu sehr belasten. Beispielsweise Schwimmen mit Kraulbeinschlag, Radfahren, Walking sowie – unter professioneller Anleitung – auch leichtes Krafttraining. Heftige Stoßbewegungen, wie sie bei sogenannten „Impact-Sportarten“, etwa Tennis- oder Squashspielen, oder bei Ballsportarten üblich sind, sollten Menschen mit künstlichem Knie- oder auch Hüftgelenk allerdings vermeiden oder in enger Absprache mit dem jeweils behandelnden Facharzt nur in einem sehr begrenztem Umfang durchführen. Generell ist eine wettkampf- oder leistungsorientierte Ausübung in diesen Sportarten nicht zu empfehlen. Auch im Bewegungsalltag ist darauf zu achten, dass abrupte Rotationsbewegungen, extensive Adduktion und Belastungsspitzen, etwa durch Sprünge, unbedingt zu vermeiden sind, da die Gefahr von Verrenkungen oder Gelenklockerung besteht. In der Regel ist Sport mit Hüftprothesen jedoch weniger problematisch als mit Knieprothesen, da auf die Knie beim Sport meist besonders starke Kräfte einwirken.


Welche Sportarten eigenen sich beispielsweise für Menschen mit einer Knieprothese?


Patienten mit einer oder gar zwei Knieprothesen empfehle ich beispielsweise eine Sportart zu wählen, mit der ganz gezielt die Beinmuskulatur trainiert werden kann. Denn eine kräftige Beinmuskulatur entlastet das Implantat und sorgt so für einen sicheren Gang. Zudem sollte die gewählte Sportart weder die Gelenke noch die Muskulatur überbelasten. Ideal sind für Menschen mit künstlichen Kniegelenken etwa Sportarten wie Schwimmen oder Radfahren.


Sie sagen, dass Sport auch mit Knieprothesen wichtig ist. Weshalb?

Bei vielen Patienten wird zunächst nur ein Implantat eingesetzt, weil meistens nur ein Knie von Arthrose betroffen ist. Die Wahrscheinlichkeit, dass auch das zweite Knie oder ein anderes Gelenk an Arthrose erkrankt, ist bei ihnen jedoch recht hoch. Sport ist für diese Menschen deshalb so wichtig, weil der Körper Knochensubstanz und Knorpel hauptsächlich kräftigt, wenn unser Bewegungsapparat gefordert und moderat belastet wird. Es ist sozusagen eine präventive Maßnahme, die vor der Ausbildung einer weiteren Arthrose schützt. Darüber hinaus wächst auch das Implantat besser ein, wenn die Knochen regelmäßig belastet werden. Generell begünstigt Bewegung auch die Haltbarkeit des Implantats.


Kann man nach dem operativen Einsatz einer Knie- oder Hüftprothese denn wieder sofort sportlich aktiv werden?

 

Auch das lässt sich pauschal schwer sagen. Generell sollte die OP jedoch mindestens sechs Monate zurückliegen, das Implantat muss stabil verankert und der Patient schmerzfrei sein. Nur so kann garantiert werden, dass die Muskeln, Bänder und Sehnen die ausreichende Stabilität erreicht haben und einen angemessenen Bewegungsumfang ermöglichen. Auch das Gangbild des Patienten muss gut sein, es darf keine Zeichen von Lockerung oder Fehlposition bzw. Osteoporose geben. Darüber hinaus sollten natürlich auch das Herz-Kreislauf-System entsprechend stabilisiert und für den Anforderungen des Sports gewachsen sein. Am besten ist es stets, mit seinem behandelnden Arzt das sportliche Vorhaben abzusprechen.


Kontakt:
Orte
nau Klinikum Wolfach
Chirurgische Abteilung

Dr. Oliver Datz
Oberwolfacher Straße 10
77709 Wolfach
Tel. 07834 970-401
E-Mail: sekretariat.chirurgie@wol.ortenau-klinikum.de

 

 

 

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