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sein. Anschließend folgt die elektrophysio-

logische Untersuchung. Der Experte spricht

von „Triggern“ (Auslösern), die dabei in

den Lungenvenen aufgesucht und isoliert

werden. Die Möglichkeit dazu bietet eine

spezielle Herzkatheteruntersuchung, bei

der zwei gängige Verfahren zum Einsatz

kommen: die Verödung mit Hitze (Radio-

frequenzablation) und mit Kälte (Kryoabla-

tion). In einem frühen Stadium, dem an-

fallsartigen Vorhofflimmern, platzieren die

Kardiologen einen Ballon in die Lungen-

vene und kühlen ihn auf minus 40 bis mi-

nus 60 Grad ab. Dadurch entstehen kleine

Narben, die die auslösenden elektrischen

Impulse stoppen. Doch auch für Patienten

mit komplexer Anatomie und Vorhofflim-

mern in fortgeschrittenen Stadien besteht

Hoffnung. Durch eine virtuelle Darstellung

können die Kardiologen die komplette

Anatomie und Elektrik des Herzens unter-

suchen. „Uns steht dafür das hochmoderne

3D-Mappingverfahren zur Verfügung. So

lässt sich das Herz ähnlich einer Landkarte

darstellen“, erklärt der Sektionsleiter. Im

nächsten Schritt werden dann mit Hilfe ei-

ner Katheter-Spitze Punkt für Punkt Narben

um die Lungenvenen herum gesetzt. „Mit

den von uns eingesetzten Verfahren konn-

ten wir seit Sektionsgründung bereits zahl-

reiche Patienten erfolgreich behandeln“,

so die positive Bilanz von Dr. Pölsler.

Medizinische Diagnose:

„Je früher, desto besser.“

Diese neuen Methoden sind einzigartig für

das Ortenau Klinikum. Eine therapeutische

Alternative für Betroffene gibt es derzeit

nur in Form von Medikamenten, die das

Herz im Takt halten oder verlangsamen.

Die grundlegenden Ursachen können diese

zwar nicht beheben, einige Rhythmusstö-

rungen lassen sich so aber gut behandeln,

wenn auch mit deutlich schlechterem Er-

folg. In jedem Fall sollten Patienten Warn-

signale ernst nehmen und der medizi-

nischen Abklärung nicht zu lange aus dem

Weg gehen. Hier gilt laut dem Experten:

„Je früher, desto besser.“

Medizin und Gesundheit

Die Elektrophysiologische

Untersuchung

Bei der Elektrophysiologischen Unter-

suchung (EPU) wird ein Herzkatheter

in eine Herzkammer eingeführt, um

Herzrhythmusstörungen, die im Vorfeld

diagnostiziert wurden, abzuklären.

Der Zugang erfolgt unter örtlicher Be-

täubung über eine spezielle Schleuse

an der Leiste. Der Herzschlag wird von

zwei Punkten in der rechten Herzkammer

durch elektrische Impulse gesteuert,

dem Sinus-Knoten und dem AV-Knoten.

Ist einer dieser Punkte gestört, kommt es

zu Herzrhythmusstörungen. Mit Hilfe der

Katheter kann der Arzt nun Messungen

durchführen und ein Elektrokardiogramm

(EKG) direkt aus dem Herzen schreiben.

Werden Störsignale festgestellt, können

deren Ursprungsorte sofort verödet wer-

den. Die falsche Erregungsleitung

ist somit dauerhaft unterbunden.

Katheter

Katheter

Sinus-Knoten

AV-Knoten

Elektrische

Impulse

Untere

Hohlvene

Direkt vor der Haustür bieten sich zahlreiche

Möglichkeiten, die Herzgesundheit zu stärken.

© Patrizia Tilly – Fotolia.com

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ORTENAU

GESUNDHEITSWELT