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Ortenau Gesundheitswelt 6

Inwiefern hat sich die Pflege in Deutsch- land in den letzten 10 Jahren verändert? Neben dem demographischen Wandel, also der Alterung der Gesellschaft, ergeben sich Veränderungen in der Pflege insbe- sondere aus der verkürzten Verweildauer der Patienten im Krankenhaus. Dies hat zu einem großen Teil mit dem medizinischen Fortschritt zu tun: Viele Operationen, für die man früher mehrere Tage stationär im Krankenhaus bleiben musste, können heute z. B. aufgrund minimal-invasiver OP-Verfah- ren ambulant durchgeführt werden. Eingriffe sind dadurch weniger traumatisch, wodurch die Patienten heute schneller wieder nach Hause können. Gleichzeitig sind aber auch diePatientenzahlenkontinuierlichgestiegen. Insgesamt bedeutet diese deutschlandweite Entwicklung für die Pflegekräfte einen stei- genden Arbeitsaufwand: Jede Einweisung und Entlassung eines Patienten wird von einer Pflegekraft vorbereitet und durchge- führt – der damit verbundene bürokratische Aufwand ist gestiegen. Aber auch in der me- dizinischen Behandlung – in Diagnostik und Therapie – bedeuten mehr Patienten mehr Arbeit im Bereich der Pflege. Die Dokumen- tation und Organisation der Abläufe und Pro- zesse sind heute natürlich zu einem großen Teil EDV-gestützt, das erleichtert zwar die Ar- beit, macht sie aber nicht immer schneller. Fragen an Ludger Risse (Diplom-Pflegewirt; Registrierter beruflich Pflegender), stellvertre- tender Vorsitzender des Bundes- verbands Pflegemanagement und Vorsitzender des Pflegerates NRW Bundesverband Pflegemanagement Das sagt die Fachgesellschaft Was sind die Aufgaben des Bundes- verbands Pflegemanagement und welche Themen liegen Ihnen besonders am Herzen? Als Berufsverband vertreten wir die Interes- sen derjenigen, die beruflich in der Pflege tätig sind. Hierzu zählen alle Pflegeberufe in den verschiedensten Einrichtungen mit teilweise sehr unterschiedlichen Arbeitsum- feldern. Die aktive Interessenvertretung der Profession Pflege und des Pflegemanage- ments in Politik und Öffentlichkeit gehört damit zu unserem Hauptziel und -zweck. Wenn es beispielsweise um die Einführung neuer Gesetze in der Pflege geht, ist es wichtig, dass wir uns als Experten politisch Gehör verschaffen, Akzente setzen und Ein- fluss nehmen. Insbesondere setzen wir uns dafür ein, die Öffentlichkeit für das Thema Pflege zu sensibilisieren. Es ist wichtig für jeden Einzelnen, sich mit der Notwendigkeit einer funktionierenden Pflege in unserer Ge- sellschaft auseinanderzusetzen, auch wenn er selbst noch nicht pflegebedürftig ist. Krankenhäuser sind komplexe, hoch spe- zialisierte Einrichtungen, welche Fähig- keiten sollte eine Pflegekraft für diese Arbeitsumgebung mitbringen bzw. be- herrschen? Eine Pflegefachkraft sollte für die Ausübung ihres Berufs natürlich erst einmal fundiertes medizinisches wie pflegerisches Wissen ha- ben. Auch die Fähigkeit zur selbständigen Weiterbildung über entsprechende Fachlite- ratur und Publikationen gehören hierzu. Ihr theoretisches Wissen müssen die Pflegekräf- te auch unter Zeitdruck in die Praxis umset- zen können. Außerdem müssen Pflegekräfte in der Lage sein, ad hoc Prioritäten zu set- zen. Denn in einer kritischen Situation ist die Realität oft eine andere als die beschriebene im Lehrbuch. „Was ist jetzt am wichtigsten? Ist diese Maßnahme sinnvoll? Was mache ich als nächstes?“ Eine kompetente Pflege- kraft beantwortet sich diese Fragen schnell, trifft ihre Entscheidungen selbstbewusst und handelt danach. Kommunikationsfähigkeit – mit Patienten, Angehörigen, dem Team und anderen Berufsgruppen am Arbeitsplatz – ist eine sehr wichtige Eigenschaft; Empathie und Durchsetzungsvermögen ebenso. Wo sehen Sie Lösungen, um dem Pflege- kräftemangel in Deutschland entgegen- zuwirken? Dem deutschlandweiten Pflegekräfteman- gel können wir nur entgegenwirken, wenn wir das Problem am Ansatz anpacken und Lösungsansätze verantwortungsvoll umset- zen. Das Anwerben ausländischer Fachkräf- te alleine reicht beispielsweise nicht aus. Wir arbeiten weiter daran, die Pflege zu professionalisieren, die Ausbildung und das Arbeitsumfeld zu verbessern, so dass der Pflegeberuf an Attraktivität gewinnt. Hierzu gehört auch ein verändertes Bewusstsein für die Pflege in der Gesellschaft: Die Pfle- ge muss anerkannt, geschätzt und ange- messen entlohnt werden. Dies beginnt mit der Einsicht, dass eine professionalisierte und selbstverwaltete Pflege notwendig ist. Nur so können wir dem deutschlandweiten Fachkräftemangel in der Pflege wirksam entgegen steuern. Bundesverband Pflegemanagement e.V. Alt-Moabit, 9110559 Berlin Tel. 030 44037693 info@bv-pflegemanagement.de TITELTHEMA ORTENAU GESUNDHEITSWELT 5 minierteGesundheits-undKrankenpflege- rin. Patient Raimund S. (der Name wurde geändert) ist nüchtern, erhält heute noch eine Sonographie des Abdomens, anschlie- ßend findet ein Röntgen-Thorax statt und morgen erhält Herr S. eine Osteosynthese. Für Laien klingt das völlig unverständlich, doch für die beiden erfahrenen Pflegekräf- te sind dies präzise Informationen. „Nach den drei Jahren Pflege-Ausbildung sind kontakt Die Pflegefachkräfte haben oft engeren Kontakt zum Patienten als die Ärzte (hier bei der Mobilisation eines Patienten nach den Methoden der Kinästhetik) rührt

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