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Ortenau Gesundheitswelt 6

Palliativ-Team Ortenau Ortenau Klinikum Ute Königsmann Tel. 0173 6582363 E-Mail: pto@ortenau-klinikum.de Weitere Informationen auch unter www.palliativ-team-ortenau.de ORTENAU GESUNDHEITSWELT 47 kontakt Palliativmedizin – weil jeder Tag zählt Für Heidi B. unterteilt sich der Alltag mit ihrem Mann Hans-Peter in gute und schlechte Tage. An guten Tagen hören sie gemeinsam Musik, danach liest sie ihm aus der Zeitung vor und wenn der Tag sehr gut ist, unterhalten sie sich ein bisschen. Hans-Peter B. hat Bauchspei- cheldrüsenkrebs. Der Tumor hat bereits gestreut, nun ist auch die Leber befallen. Heilung, so sagen die Ärzte, gibt es nicht mehr. Für Heidi B. war sofort klar: „Ich wollte, dass die Zeit, die meinem Mann bleibt, für ihn so schön und angenehm wie möglich ist“, betont die 76-Jährige. Doch dann kamen die Fragen: Wie pflege ich einen Todkranken? Was muss ich tun, wenn die Schmerzen unerträglich sind? Gibt es finanzielle Unterstützung und woher bekomme ich diese? Um solche Fragen und praktische Pro- bleme kümmert sich am Ortenau Klini- kum ein eigenes, interdisziplinäres Pal- liativ-Team. Die Mitarbeiter begleiten Patienten, bei denen eine Heilung nicht mehr möglich und deren Lebenserwar- tung begrenzt ist. Heidi B. war anfangs skeptisch: „Unter ,Palliativmedizin‘ konn- te ich mir zu Beginn nichts vorstellen.“ Linderung von Beschwerden Bei der Palliativmedizin geht es um die Linderung von Beschwerden, die im Zusammenhang mit unheilbaren Krank- heiten auftreten. „Unsere Aufgabe ist es, den Patienten und seine Angehörigen zu begleiten und durch gezielte Maßnahmen die Lebensqualität zu steigern“, sagt Dr. AchimWacker,MitgliedimPalliativ-Team Ortenau. „Der Mensch steht für uns im Mittelpunkt, das Ziel ist ein so weit wie möglich selbstbestimmtes Leben. Deshalb verfolgen wir ein ganzheitliches Konzept: Angefangen von der Schmerztherapie und der Linderung von Beschwerden wie Übelkeit oder Atemnot, über pflegerische, psychische, soziale bis hin zu spirituellen Fragen.“ Hilfe auch für Angehörige Von dieser Hilfe profitieren nicht nur die Patienten selbst, sondern auch deren Angehörige. „Durch die Krankheit fal- len neue organisatorische und praktische Aufgaben an, die zunächst schwierig er- scheinen“, so Dr. Wacker. „Die neue Le- benssituation belastet die Angehörigen psychisch und physisch. Wir sind auch dafür da, dies aufzufangen.“ Lebensqualität als Sterbenskranker – was bedeutet das? „Ein wichtiger Teil unserer Arbeit ist beispielsweise die Mundpflege der Pati- enten. Durch Medikamente oder Thera- pien leiden die Betroffenen häufig unter Mundtrockenheit, schmerzhaften Aph- ten oder unangenehmem Mundgeruch. Durch professionelle Mundhygiene kön- nen wir da Abhilfe schaffen“, sagt Dr. Wa- cker. Auch die Gabe von Medikamenten gegen Atemnot oder Husten, aber auch gegen Schmerzen und Angst, gehören zu den alltäglichen Aufgaben des Pallia- tiv-Teams. Alle diese Maßnahmen sollen helfen, die Betroffenen von unnötigem Leiden zu befreien. Dank der modernen Medizin gibt es zahlreiche Möglichkeiten, um den Patienten das Leben, das ihnen noch bleibt, so lebenswert wie möglich zu machen. Herr Dr. Wacker, jeder fünfte Deutsche denkt, dass es sich bei Palliativmedi- zin nur um Schmerzlinderung handelt. Ist das alles, was das Palliativteam Ortenau für die Patienten tun kann? Die Schmerzen der Patienten zu lindern ist ein wichtiger Teil unserer Arbeit, aber bei Weitem nicht alles. Deshalb betreuen wir die Betroffenen ganzheitlich, also auf der körperlichen, seelischen und geisti- gen Ebene. Wie muss man sich das praktisch vorstellen? Wir haben eine große Bandbreite an Mitarbeitern: Ärzte kümmern sich bei- spielsweise darum, in welcher Dosierung welche Schmerzmittel verabreicht wer- den müssen, und wie man Symptome wie Übelkeit oder Verstopfung bekämpft. Speziell ausgebildete Pflegekräfte ge- ben z. B. Tipps zur richtigen Mundpflege, Lagerung etc. Sie führen Gespräche mit den Betroffenen, um Ängste abzubauen, sind Ansprechpartner für die ambulanten Pflegedienste und koordinieren die Ver- sorgung der Patienten im häuslichen Umfeld. Wir arbeiten eng mit Seelsor- gern und Psychologen zusammen, wenn es darum geht, emotional mit dem The- ma ‚Sterben und Tod‘ umzugehen. Die Sozialarbeiter der Kliniken helfen uns bei sozialrechtlichen Fragen. Niederge- lassene Physiotherapeuten unterstützen die Patienten bei Muskelübungen, beim Atemtraining und anderen Therapiemaß- nahmen. Zu unserer Aufgabe gehört es auch, die Angehörigen auf Krisensitua- tionen vorzubereiten, die im Laufe der Krankheit auftreten können. Sie sehen also, wir sind breit aufgestellt. Zehn Prozent der Bundesbürger ver- wechseln Palliativmedizin mit sanfter Sterbehilfe – wie ist das tatsächlich? Aktive Sterbehilfe lehnen wir strikt ab. Vielmehr begleiten wir unsere Patienten auf ihrem letzten Weg und helfen mit, ih- ren Tagen mehr Leben zu geben. Fragen an Dr. Achim Wacker, Facharzt für Allgemein-, Notfall- und Palliativmedizin und Mitglied im Palliativ-Team Ortenau nachgefragt RATGEBER©EricGevaert–Fotolia.com

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