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Ortenau Gesundheitswelt 6

46 ORTENAU GESUNDHEITSWELT die beispielsweise über Medikamente und Umweltgifte in unseren Körper gelangen. Sie bilden dabei etwa 190 Liter soge- nannten Primärharn, wovon jedoch nur 1–2 Liter den Körper als Urin (Endharn) verlassen. Die restliche Flüssigkeit gelangt wieder in den Blutkreislauf, sonst würde man innerhalb kürzester Zeit austrocknen und alle lebensnotwendigen Salze verlie- ren. Darüber hinaus regulieren die Nieren die Körperflüssigkeiten und Mineralien wie Natrium, Kalium, Kalzium und bil- den wichtige Hormone. Nachlassende Funktion Was aber passiert, wenn die Nieren nicht mehr mit voller Kraft arbeiten können? In diesem Fall sammeln sich die Abfallstoffe im Blut. Die Nieren sind zunächst in der Lage, eine eventuell nachlassende Funkti- on auszugleichen, ohne dass der Patient größere Beschwerden hat. Bleibt die Nie- renerkrankung jedoch längere Zeit un- entdeckt, drohen ernste gesundheitliche Folgen. Die Krankheit kommt schleichend Wenn Mediziner von chronischer Nie- reninsuffizienz sprechen, dann meinen sie damit, dass die Nieren nach und nach ihre Funktionen verlieren. Dieser Prozess vollzieht sich schleichend und über Jahre hinweg. Erste Anzeichen können Müdig- keit, Konzentrationsschwierigkeiten, Ap- petitlosigkeit, nächtliche Muskelkrämpfe sowie geschwollene Knöchel und Beine sein. Eine Nierenerkrankung kann je- doch frühzeitig diagnostiziert werden, wenn man bei den ersten Anzeichen zum Arzt geht. Wie stark die Nieren eventuell bereits geschädigt sind, kann der behan- delnde Arzt mit einem Bluttest, bei dem die Glomeruläre Filtrationsrate (GFR) ermittelt wird, herausfinden. Die GFR ist ein Maß der Nierenfunktionsleistung und wird anhand der Elimination von Stoffen wie Kreatinin (ein Produkt des Muskel- stoffwechsels) und Harnstoff ermittelt. Wechselspiel Unabhängig davon, ob eine gestörte Nie- renfunktion zu einem Blutdruckanstieg führt oder umgekehrt, schädigt der zu hohe Blutdruck die Nieren. Blutdruck und Nieren sind also ein unschlagbares Team – wenn man beide achtsam behan- delt und gesund hält. Herr Dr. Hornberger, welche Menschen finden bei Ihnen Hilfe? Wir behandeln sowohl Patienten, die unter Diabetes mellitus leiden, als auch Patienten mit schwerem Bluthochdruck, Nebenschild- drüsen- und Nebennieren-Erkrankungen. Ein besonderer Schwerpunkt unserer Arbeit ist die Behandlung von Patienten mit Nierener- krankungen, von Nierentransplantierten und von Dialysepatienten. Außerdem kümmern wir uns um nierenkranke Patienten, die viel- fältige internistische Krankheitsbilder haben. Da wir Kooperationspartner des Nephro- logischen Zentrums Offenburg (NZO) sind, können wir unseren Patienten eine inte- grierte Versorgung garantieren und uns eng mit den Ärzten des NZO abstimmen. Wie können Sie Patienten mit Nierenerkrankungen helfen? Zunächst sorgen wir für eine sorgfältige Di- agnose, um die Nierenfunktion beurteilen zu können. Dazu gehören einfache Maß- nahmen wie die Blutdruckmessung, ein Test nachgefragt zum Nachweis von Protein im Urin und eine Blutuntersuchung auf Kreatinin zur Mes- sung ihrer Glomerulusfiltrationsrate (GFR), anhand derer der Arzt den Grad der Nie- renfunktion feststellt. Weiter können auch eine Ultraschalluntersuchung, seltener eine Computer- oder Kernspintomographie oder eine Nierenbiopsie notwendig werden. An- schließend versuchen wir unter anderem mit den richtigen Medikamenten und einer eventuellen Umstellung des Lebensstils das Fortschreiten der Krankheit aufzuhalten. Bei Nierenversagen muss allerdings über ein Nierenersatzverfahren nachgedacht werden. In Frage kommen die Hämodialyse (Blutrei- nigung über ein extrakorporales System), die Peritonealdialyse (Reinigung über das körpereigene Bauchfell) oder die Nieren- transplantation. Was können Sie für Dialysepatienten tun? Wir führen jährlich etwa 4.000 sogenann- te extrakorporale Hämodialysen stationär durch und weitere 450 sogenannte Bauch- felldialysen in Zusammenarbeit mit dem NZO. Wichtig ist für Nierenpatienten die An- lage eines Dialyse-Shunts, einer natürlichen oder künstlich angelegten Verbindung zwi- schen zwei Gefäßen. Über den Shunt wird der Patient an die Blutwäsche-Maschine angeschlossen. In unserem Shuntzentrum können wir den Patienten neue Shunts le- gen oder korrigieren und sind auf besonders schwierige Gefäßverhältnisse spezialisiert. Ebenfalls bieten wir die operative Anlage eines Katheters zur Durchführung der Bauch- felldialyse (in Zusammenarbeit mit unseren allgemeinchirurgischen Kollegen) an. Fragen an Dr. Martin Hornberger, Chefarzt der Klinik für Nieren- und Hochdruckkrankheiten, Diabetologie und Shuntchirurgie am Ortenau Klinikum Offenburg-Gengenbach Ortenau Klinikum Offenburg-Gengenbach Nieren- und Hochdruckkrankheiten, Diabetologie und Shuntchirurgie Dr. Martin Hornberger Ebertplatz 12 77654 Offenburg Tel. 0781 472-2601 E-Mail: nephrologie@og.ortenau-klinikum.de kontakt Shuntzentrum Offenburg Ebertplatz Der Klinik für Nieren- und Hochdruckkrank- heiten, Diabetologie und Shuntchirurgie ist das sogenannte Shuntzentrum angeglie- dert. Als Dialyse-Shunt bezeichnen Medi- ziner eine natürliche oder künstlich ange- legte Verbindung zwischen zwei Gefäßen. Für Dialysepatienten beispielsweise ist der Shunt eine hochsensible „Lebensader“, über die sie zur Blutwäsche an die Dialy- semaschine angeschlossen werden. Im Shuntzentrum Offenburg Ebertplatz wer- den Shunt-Neuanlagen und -revisionen ausgeführt, insbesondere bei schwierigen Gefäßverhältnissen. Jährlich werden im Shuntzentrum rund 2000 Patienten ope- riert. Der Ärztliche Leiter Dr. Eckehard Mündlein zählt zu den führenden Shunt- Operateuren Deutschlands. Weitere Informationen unter www.shuntzentrum-ortenau.de info REPORTAGE

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