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Ortenau Gesundheitswelt 6

Seit wann gibt es die „Inkontinenz Selbsthilfe e.V.“ und was zeichnet Ihren Verein aus? Die Inkontinenz Selbsthilfe e.V. wurde im Jahr 2006 von Betroffenen gegründet. Wir verstehen uns als bundesweite Gemein- schaft von engagierten Menschen mit ähn- lichen Problemen, aber unterschiedlichen Erfahrungen und Kenntnissen. Als „Experten in eigener Sache“ fördern wir den gegensei- tigen Erfahrungsaustausch, informieren über das Thema Inkontinenz und treten mit Fach- kreisen und Politik in Dialog. Inkontinenz ist auch heute noch eine mit starker Scham behaftete Erkrankung. Betroffene erleben meist große Verunsicherung, bevor Sie Rat und Hilfe suchen. Hier greift unsere eigene Erfahrung. Denn oftmals können sich Betrof- fene leichter öffnen und über ihre Situation sprechen, wenn sich der Gesprächspartner nicht nur theoretisch mit der Thematik aus- einander gesetzt hat, sondern sich durch die eigene Betroffenheit, einem Miteinander auf Augenhöhe, einfühlen kann. Interview mit Matthias Zeisberger, Vorsitzender von „Inkontinenz Selbsthilfe e.V.“ Inkontinenz Selbsthilfe e.V. Das sagt der Selbsthilfe-Verein Welche Beratungsangebote bieten Sie Betroffenen und Angehörigen? Die „Inkontinenz Selbsthilfe e.V.“ ist im eigentlichen Sinne nicht beratend tätig. Vielmehr stehen Information und der Er- fahrungsaustausch im Mittelpunkt unseres Handelns. Wir stellen die unterschiedlichen Inkontinenzformen vor und berichten über ihre Ursachen und den verschiedenen Mög- lichkeiten der Diagnostik, Therapie und den unterschiedlichen Hilfsmitteln. Wir unterstüt- zen die Betroffenen von Inkontinenz bei der Recherche von Fachzentren und -kliniken. Unsere Website stellt ein Forum für den ge- genseitigen Erfahrungsaustausch dar. Hier stellen wir detaillierte Informationen zur Verfügung und haben beispielsweise auch eine Liste mit Fachkliniken zusammenge- stellt sowie einen Leitfaden für die Vorberei- tung auf einen Arztbesuch. Was tun Sie zur Aufklärung und öffent- lichen Akzeptanz von Inkontinenz? Auf unserer Website haben sich bereits über kontakt zweitausend Menschen registriert. Durch die zahlreichen Beiträge ist ein großes Wis- sensarchiv entstanden. Die Mitglieder der „Inkontinenz Selbsthilfe e.V.“ zeigen durch ihr Engagement und ihren offenen Umgang mit der Problematik, dass Inkontinenz nicht zu Scham und sozialer Isolation führen muss. Wir haben vier unterschiedliche Flyer erstellt, welche wir in Arztpraxen und Kliniken ausle- gen. Wir nehmen an Messen und Veranstal- tungen teil und informieren Betroffene und Angehörige über entsprechende Beratungs- angebote. Viele Betroffene erleben mithilfe unserer Unterstützung erstmals, dass sie mit ihrer Erkrankung nicht alleine sind und werden selbst aktiv, klären über Inkontinenz auf und verfolgen das Ziel, dass Inkontinenz nicht länger ein Tabuthema bleibt. Inkontinenz Selbsthilfe e.V. Matthias Zeisberger Kirchgasse 9 35305 Grünberg Website: www.inkontinenz-selbsthilfe.com Wen betrifft Inkontinenz vor allem? Inkontinenz betrifft viele Menschen verschie- dener Altersgruppen. Sie ist weit verbreitet bei älteren Patienten mit zunehmenden kör- perlichen oder geistigen Einschränkungen. Aber auch Kinder und Jugendliche sind von Inkontinenz betroffen. In jüngerem Alter haben viele Frauen damit zu kämpfen, mit zunehmendem Alter sind auch die Männer vermehrt betroffen. Wie kann man sich die Beratung bei Ihnen vorstellen? Bei der Anamnese verfolgen wir einen pa- tientenorientierten Ansatz. Wir richten uns an den Wünschen des Patienten aus und berücksichtigen die Versorgungssituation. Bei komplexen Kontinenzproblemen wer- den jene Beschwerden zuerst behandelt, die am belastendsten für den Patienten sind. So wäre das zum Beispiel bei einer Harninkontinenz mit Tages- und Nachtsym- ptomatik die Tagessymptomatik, die zuerst therapiert werden würde. Nach dem ersten Beratungsgespräch wird eine Untersuchung durchgeführt. Die Ergebnisse werden an- schließend mit dem Betroffenen bespro- chen, anatomie- und krankheitsbedingte Veränderungen erklärt und die nötigen The- rapieansätze erläutert. Was sind die Ursachen von Harninkontinenz? Das zunehmende Alter ist sicher eine der Hauptursachen für Harninkontinenz. Bei Männern wird sie dann häufig durch eine Prostatavergrößerung und bei Frauen durch einen Östrogenmangel ausgelöst. Darüber hinaus begünstigen sowohl Übergewicht, als auch chronischer Husten, welcher häu- fig vom Rauchen verursacht wird, diese Er- krankung. Aber auch operative Eingriffe am kleinen Becken und spezielle Medikamente können mögliche Auslöser sein. Im Kindes- und Jugendalter kommt es oft durch Fehlver- halten zur Harninkontinenz. Können Sie uns Alltags-Tipps zur Vorbeu- gung einer Harninkontinenz geben? Eine gesunde Lebensführung ist der best- mögliche Weg, um eine Inkontinenz oder Darmentleerungsstörung zu verhindern. Hierzu gehören eine ausgewogene und ge- sunde Ernährung und ein gesundes Trink- verhalten, d. h. über den Tag verteilt eine Flüssigkeitsaufnahme von mindestens 1,5 bis 2 Litern. Regelmäßige körperliche Akti- vitäten sind ein Garant dafür, dass man auch im Alter die Toilette selbstständig aufsuchen kann. Bei schweren Belastungen ist ein ge- zieltes, professionelles Beckenbodentraining eine Basistherapie. Man sollte außerdem darauf achten, dass man sich beim Toiletten- gang Zeit nimmt, sodass der Beckenboden richtig entspannt wird und die Blase oder der Darm sich ohne großen Druck komplett entleeren kann. Ortenau Klinikum Offenburg-Gengenbach Pflege- und Funktionsdienst Miriam Lefevre Ebertplatz 12 77654 Offenburg Tel. 0781 472-3408 E-Mail: urotherapie@og.ortenau-klinikum.de kontakt ORTENAU GESUNDHEITSWELT 23 Fragen an Miriam Lefevre, Gesundheits- und Krankenpflegerin, Urotherapeutin am Ortenau-Klinikum Offenburg-Gengenbachnachgefragt REPORTAGE

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