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Ortenau Gesundheitswelt 6

ORTENAU GESUNDHEITSWELT 21 Verfügung“, sagt Dr. Groh. Häufig wer- den die Patienten gebeten, zunächst ein Trink- und Blasentagebuch zu führen. So kann sich der Arzt einen ersten Überblick verschaffen. Außerdem können Urin- und Ultraschall-Untersuchungen der Harnwe- ge, urodynamische Untersuchungen mit einem speziellen Katheter oder eine Bla- senspiegelung notwendig sein. Belastungsinkontinenz – ein Frauenleiden „Frauen leiden besonders häufig unter ei- ner Belastungsinkontinenz, da das weibli- che Becken breiter und der Beckenboden schwächer ist als bei Männern“, erklärt Dr. Andreas Brandt, Chefarzt der Frau- enklinik am Ortenau Klinikum in Of- fenburg Ebertplatz. „Außerdem stellen Schwangerschaft und Geburt extreme Belastungen für diesen sensiblen Bereich dar.“ Die Wechseljahre haben ebenfalls Einfluss auf den Beckenboden: Durch die hormonellen Veränderungen kann das Bindegewebe nachgeben. Folge: Die Be- ckenbodenmuskeln arbeiten nicht mehr so koordiniert wie zuvor. „In manchen Fäl- len hilft hier bereits ein gezieltes Becken- bodentraining, das jedoch etwas Geduld und am besten tägliches Üben erfordert“, sagt Chefarzt Felix Liber. Auch Medika- mente, beispielsweise mit dem Wirkstoff Duloxetin oder Anticholinergika, können Abhilfe schaffen. Ein kleiner Eingriff mit großer Wirkung Unter bestimmten Voraussetzungen sind auch operative Therapiemethoden sinn- voll. „Die Eingriffe können minimalinva- siv vorgenommen werden, teilweise sogar unter örtlicher Betäubung. Deshalb sind sie für die betroffenen Frauen in der Re- gel keine große Belastung“, so Dr. Brandt. Bei einer Belastungsinkontinenz hat sich inzwischen das TVT (Tension free Vagi- nal Tape) bewährt. „Der Arzt setzt bei der Operation lediglich ein Kunststoffband ein, das die Harnröhre stützt“, erklärt Chefarzt Felix Liber. Ein ähnlicher Effekt wird durch die Umspritzung der Harn- röhre mit Kollagen oder Silikon erzielt. Auch Männern kann eine OP helfen Bei Männern hat sich diese Art der Ope- ration bereits seit vielen Jahrzehnten ins- besondere zur Therapie von Belastungs- inkontinenz etabliert. Als künstlicher Schließmuskel fungiert eine Manschette, die mit Flüssigkeit gefüllt ist. Diese wird um die Harnröhre gelegt und verschließt sie durch Druck von außen. Dazu wird eine Pumpe im Hodensack eingesetzt die bei Bedarf, also wenn Urin abgelassen werden soll, Flüssigkeit aus der Manschet- te in einen Speicherballon pumpt. Ist der Schließmuskel nicht mehr vollständig in- takt, können Schlingen eingesetzt werden, die den Harnröhren-Widerstand erhöhen. Je nachdem, wie stark dieser Widerstand sein muss, kann mit einem minimalinva- siven Eingriff nachjustiert werden. Doch egal, welche Therapiemethode am Ende zum Erfolg führt: „Wer sich traut, das Problem anzusprechen und gemein- sam mit einem Arzt anzupacken, der ge- winnt viel Lebensqualität zurück“, beto- nen beide Ärzte. Wodurch zeichnet sich die Deutsche Kon- tinenz Gesellschaft aus und wie profitie- ren Patienten von Ihren Aktivitäten? Unser Ziel ist es, mit dem Tabuthema Harn- und Stuhlinkontinenz zu brechen. Hierfür be- treiben wir umfassende Aufklärungsarbeit. Für Patienten bieten wir einen Austausch mit Experten an. Je nach Fragestellung bera- ten Urologen, Gynäkologen, Chirurgen, Neu- rologen oder Kinderärzte die Betroffenen individuell. Doch wir beraten nicht nur Pati- enten, auch für Ärzte sind wir ein wertvoller Ansprechpartner, z. B. durch unseren Jahres- kongress. Wir möchten dazu beitragen, dass eine bessere Diagnostik bei Inkontinenz sowie Verbesserungen in der Behandlung erzielt werden. Was tun Sie zur Aufklärung und öffent- lichen Akzeptanz der Harninkontinenz? Wir sind in Deutschland – regional und über- regional – und sogar weltweit sehr aktiv und veranstalten viele Aktionen und Events, um für das Thema Inkontinenz zu sensibilisieren. Mit einer breit angelegten TV-Kampagne konnten wir viele Menschen deutschland- weit erreichen. Auch während der jährlich stattfindenden Weltkontinenz-Woche ha- ben wir in über 100 Veranstaltungen in 89 „Müssen-wollen-können“ lautet das Motto der Deutschen Kontinenz Gesellschaft. Prof. Dr. Daniela Schultz-Lampel ist Mitglied im Expertenrat und erklärt, wie die Sprachlosigkeit im Umgang mit dem Thema „Inkontinenz“ beseitigt werden soll. Deutsche Kontinenz Gesellschaft Das sagt die Fachgesellschaft Städten zur Enttabuisierung des Themas beigetragen. Weiterhin machen wir mit In- formationsveranstaltungen, der Zeitschrift „kontinenz aktuell“ und in den Online-Me- dien auf das Thema aufmerksam. Welche Risikofaktoren begünstigen eine Inkontinenz und wie kann ich sinnvoll vorbeugen? Es ist zu unterscheiden zwischen der Belas- tungs- und der Dranginkontinenz. Bei der Belastungsinkontinenz ist eine effektive Pro- phylaxe sehr gut möglich. Durch Beckenbo- dentraining und nach Geburten durch konse- quente Schwangerschaftsrückbildung kann Inkontinenz vorgebeugt werden. Überge- wicht hingegen stellt einen Risikofaktor dar. Bei der Dranginkontinenz sind die Präven- tionsmöglichkeiten eingeschränkter. Doch auch in diesen Fällen kann durch regelmä- ßiges Blasentraining das Risiko vermindert werden. Außerdem sollten Harnwegsinfek- tionen vermieden werden. Wie hoch liegen die Heilungschancen bei Inkontinenz? Das hängt von der Form und Ausprägung der Inkontinenz ab. Bei Frauen stehen die Chan- cen einer Heilung der Belastungsinkontinenz kontakt bei 80 bis 90 %. Durch Beckenbodentraining oder Operationen, in denen Bänder zur Stüt- zung der Harnröhre eingesetzt werden, kann dem Leiden meistens ein Ende gesetzt wer- den. Je nach Ausprägung kann bei der Drang- inkontinenz eine Heilung zu 60 bis 90 % erreicht werden. Bei diesen Behandlungen kommen oft Medikamente zum Einsatz oder es wird Botox injiziert. In der Regel kann in fast allen Fällen eine Linderung erzielt wer- den, wenn die Betroffenen zum Arzt gehen würden. Deshalb appellieren wir an alle: Traut Euch darüber zu sprechen, dann kann Euch auch geholfen werden. Weitere Informationen unter: www.kontinenz-gesellschaft.de Deutsche Kontinenz Gesellschaft e.V. Friedrichstraße 15 60323 Frankfurt Telefon: 0561 780604 E-Mail: info@kontinenz-gesellschaft.de REPORTAGE Lesen Sie auch die Informationen auf Seite 22/23

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