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Ortenau Gesundheitswelt 6

20 ORTENAU GESUNDHEITSWELT Es ist eines der größten Tabu-Themen in unserer Gesellschaft: Inkontinenz. Etwa zehn Prozent der Deutschen leiden unter Blasenschwäche, ältere aber auch junge Menschen, Frauen ebenso wie Männer – doch darüber sprechen wollen die meisten Betroffenen nicht. bezeichnen Mediziner als Mischinkon- tinenz. Sie vereint Symptome der Belas- tungs- mit denen der Dranginkontinenz. Manche Patienten haben beispielsweise das Gefühl, ihre Blase würde ständig tröp- feln (Überlaufinkontinenz). Bei Männern wird diese Blasenschwäche häufig durch eine vergrößerte Prostata oder eine Ner- venschädigung ausgelöst. Andere Betrof- fene spüren gar nicht genau, wann ihre Blase tatsächlich voll ist. Deshalb fällt es ihnen schwer, die Entleerung zu steuern, und die Blase gibt den Urin in unregelmä- ßigen Abständen selbst ab (Reflexinkon- tinenz). Manche Patienten klagen auch darüber, ständig Urin zu verlieren (Ex- traurethrale Inkontinenz). Schuld daran können beispielsweise Fisteln, also unna- türliche Verbindungskanäle von der Blase in Scheide oder Darm, sein. Warum Beckenbodentraining so wichtig ist „Ein wichtiger Faktor bei der Frage, wie gut oder schlecht sich die eigene Blase kontrollieren lässt, ist der Beckenboden“, sagt Chefarzt Felix Liber. Dieser besteht aus Bindegewebe und Muskeln und be- grenzt unser Becken nach unten. Die Be- ckenbodenmuskeln halten alle Organe im Beckenbereich an der richtigen Position und unterstützen auch den Blasenschließ- muskel. Je kräftiger sie sind, desto gerin- ger ist die Gefahr einer Blasenschwäche. Doch der Beckenboden allein trägt nicht immer die Schuld: „Um herauszufinden, um welche Form der Inkontinenz es sich beim jeweiligen Patienten handelt, stehen uns vielfältige Diagnose-Methoden zur Damit wir die Kontrolle über unsere Blase behalten, müssen das Gehirn, das Rückenmark sowie die beteiligten Mus- keln und Nerven intakt sein und perfekt zusammen arbeiten. Wird dieses sensible Zusammenspiel gestört, kann die Blase den Urin nicht wie gewünscht halten oder gibt ihn unkontrolliert ab. Jeder zehnte Deutsche erlebt das täglich, allein im Or- tenaukreis sind es etwa 40.000 Menschen. Doch zum Arzt gehen? Das Leiden offen ansprechen? Das kommt für viele nicht in Frage. Zu peinlich, zu intim ist das Problem. Dabei gibt es Hilfe. „Niemand muss sich mit diesem Schicksal abfinden: Inkontinenz ist in den meisten Fällen heilbar“, sagt Dr. Reinhard Groh, Chef- arzt Urologie und Kinderurologie am Or- tenau Klinikum in Offenburg Ebertplatz. Wichtig ist eine gründliche Untersuchung durch einen Urologen oder einen Gynä- kologen, um Art und Ausprägung der Blasenschwäche genau festzustellen. Die anschließende Therapie wird individuell auf den Patienten abgestimmt. „Die Mög- Es ist eines der größten bezeichnen Mediziner als tinenz. Sie vereint Symptome der Belas- tungs- mit denen der Dranginkontinenz. Manche Patienten haben beispielsweise das Gefühl, ihre Blase würde ständig tröp- feln (Überlaufinkontinenz). Bei Männern wird diese Blasenschwäche häufig durch eine vergrößerte Prostata oder eine Ner- Blasenschwäche und Inkontinenz erfolgreich therapieren Bei Belastungsinkontinenz kann gezielte Beckenbodengymnastik helfen REPORTAGE lichkeiten sind vielfältig und reichen vom Training der Beckenbodenmuskeln bis zur Operation“, betont Felix Liber, Chef- arzt für Gynäkologie und Geburtshilfe am Ortenau Klinikum Kehl. Wenn schon Niesen zum Problem wird Tatsächlich tritt Harninkontinenz in vie- len verschiedenen Ausprägungen auf. Me- diziner unterscheiden drei Formen: Die Belastungsinkontinenz wurde früher fälschlicherweise auch als Stressinkon- tinenz bezeichnet und meint den Urin- verlust unter körperlicher Belastung, also immer dann, wenn sich der Druck im Bauchraum erhöht. Das kann zum Bei- spiel beim Heben schwerer Gegenstände der Fall sein, beim Husten, Niesen oder Lachen. Die Betroffenen spüren norma- lerweise keinen Harndrang, bevor der Urin ungewollt abgeht. Dranginkontinenz Bei der zweiten Form, der Dranginkon- tinenz, haben die Patienten plötzlich und bisweilen mehrmals pro Stunde das Ge- fühl, dringend auf die Toilette zu müssen – obwohl die Blase noch gar nicht voll ist. Schaffen es die Betroffenen nicht recht- zeitig aufs „stille Örtchen“, geht der Urin häufig schwallartig ab. Die dritte Form ©edbockstock–Fotolia.com

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