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Ortenau Gesundheitswelt 6

Herr Professor Verheyden, welche Leis- tungen bieten Sie an der Klinik für Un- fall-, Orthopädische und Wirbelsäulen- chirurgie an? Wir behandeln Krankheiten und Verlet- zungen des gesamten Bewegungsappa- rates. Pro Jahr kümmern wir uns um 16.000 Patienten und nehmen jährlich etwa 2500 Eingriffe vor. Unsere Leistungsschwerpunkte liegen neben der Akuttraumatologie des gesamten Bewegungsapparates in der Ge- lenk-Endoprothetik von Hüfte, Knie, Schul- ter und Ellenbogen. Wir sind zertifiziertes Traumazentrum für Schwerverletzte, au- ßerdem bieten wir Sporttraumatologie mit arthroskopischen Eingriffen an Knie, Hüfte, Sprunggelenk, Schulter und Ellenbogen an. Einen erheblichen Teil unserer Arbeit nimmt die Wirbelsäulenchirurgie nach Verletzungen und bei degenerativen und osteoporotischen Veränderungen ein. Welche degenerativen Wirbelsäulen- erkrankungen gibt es? Neben dem Facettensyndrom, also der Ar- throse der kleinen Wirbelgelenke, sind das nachgefragt die Wirbelkanalverengung, im Fachjargon Spinalkanalstenose genannt, sowie der Ver- schleiß und Vorfall der Bandscheiben und die degenerativen Deformitäten und Insta- bilitäten wie das Wirbelgleiten (Spondylolis- these), die speziell die Lendenwirbelsäule betreffen. Wie werden diese Erkrankungen behandelt? WirbieteneinespezielleWirbelsäulensprech- stunde an, zu der sich Patienten mit Rücken- problemen vom Facharzt überweisen lassen können. Konservative Therapiemethoden sollten immer am Anfang stehen. Herausra- gende Bedeutung hat eine hochqualifizierte Physiotherapie mit vielen Spezialtechniken für die Wirbelsäule wie sie in unserem Haus unter der Leitung von Harry Huhn angeboten wird. Begleitet wird dies gegebenenfalls von medikamentöser Schmerztherapie. Diese konservative Behandlung kann bei entspre- chenderBeschwerdesymptomatikauchstati- onär durchgeführt werden. Infiltrationen der Nervenwurzeln (PRT) werden in Zusammen- arbeit mit Prof. Billmann und seinem Team Fragen an Prof. Dr. Akhil P. Verheyden, Chefarzt der Klinik für Unfall-, Orthopädische und Wirbelsäulenchirurgie am Ortenau Klinikum Lahr-Ettenheim der radiologischen Abteilung stationär an- geboten. An operativen Möglichkeiten steht uns die gesamte Bandbreite der Operations- techniken in der Wirbelsäulenchirurgie zur Verfügung. Dies beinhaltet Stabilisationen der Wirbelsäule über hintere und vordere minimal invasive Zugänge, wenn nötig mit mikrochirugischer Dekompression des Spi- nalkanals. Zur zusätzlichen Sicherheit für den Patienten wird bei komplexen Situationen ein Navigationssystem eingesetzt. An der Bandscheibe werden Vorfälle und Verknö- cherungen, die den Kanal einengen operiert und bei der entsprechenden Indikation auch Bandscheibenprothesen eingesetzt. Einen zunehmenden Stellenwert haben Operati- onen bei Patienten, die bereits Voreingriffe wie eine Dekompression des Spinalkanals hatten und bei denen die Wirbelsäule im weiteren Verlauf dann instabil geworden ist und ganz erhebliche Beschwerden bis zur völligen Immobilität bereiten kann. 16 ORTENAU GESUNDHEITSWELT Ortenau Klinikum Lahr-Ettenheim Klinik für Unfall-, Orthopädische und Wirbelsäulenchirurgie Prof. Dr. Akhil P. Verheyden Sekretariat: Tina Fader Klostenstraße 19 77933 Lahr Tel. 07821 93-2303 E-Mail: tina.fader@le.ortenau-klinikum.de kontakt Position dieser Sonde wird über einen Röntgenbildwandler oder einen Compu- tertomographen genau überprüft“, erläu- tert Prof. Verheyden. „Der Vorteil dieser Methode ist, dass der schmerzlindernde Effekt in der Regel länger, in manchen Fällen sogar Jahre anhalten kann.“ Operative Möglichkeiten Zunächst muss durch die oben genann- ten Methoden möglichst differenziert die Schmerzursache festgestellt werden. Ist das Facettengelenk als Hauptfaktor identifiziert und durch konservative Me- thoden und Injektionstherapien kein längerfristiger Erfolg zu erzielen, kann in ausgewählten Fällen durch Abstandshalter zwischen den Dornfortsätzen der Wirbel – sogenannte interspinöse Spreizer – eine Entlastung der Facettengelenke erreicht werden. Eine andere Möglichkeit sind dy- namische Stabilisierungssysteme, die ähn- lich wie ein Stoßdämpfer wirken, aber die Beweglichkeit erhalten. In fortgeschritte- nen Fällen kann durch eine Versteifung des betroffenen Bewegungssegmentes – immer so kurz und schonend wie möglich – am zuverlässigsten Schmerzfreiheit oder zumindest eine erhebliche Linderung der Beschwerden erzielt werden. Verschleiß vorbeugen Die beste Therapie allerdings bleibt eine effektive Prävention. Wer regelmäßig et- was für seinen Rücken tut, kann dem frühzeitigen Verschleiß aktiv entgegenwir- ken. Die wichtigsten Maßnahmen sind: • Die Wirbelsäule ausreichend bewegen und nicht überlasten: Durch den Abbau von überflüssigen Pfunden, regelmä- ßige Bewegung, Sport und gezielte Rückengymnastik bleibt das Rückgrat stark und beweglich. Das danken be- sondersdieBandscheiben.Diesekönnen Flüssigkeit nämlich nur dann aufneh- men, wenn sich der Mensch bewegt. Nur so werden sie mit genug Wasser versorgt und bleiben elastisch. • Gesunde Ernährung statt Radikal-Diä- ten: Wer hungert, entzieht seinem Körper nicht nur Fett, sondern häufig auch wichtige Mikronährstoffe wie Kalzium und Vitamin D. Eine ausge- wogene Ernährung mit viel frischem Gemüse und Bewegung an der Sonne macht den Konsum von Nahrungser- gänzungsmitteln im Normalfall über-- flüssig. Lediglich bei älteren Menschen – insbesondere Frauen – ist zur Vorbeu- gung der Osteoporose im Winterhalb- jahr eine Zufuhr von Vitamin D3 zu empfehlen. • Auf die richtige Haltung achten: Wer viel im Sitzen arbeitet, sollte seine Position häufig verändern, z. B. im Ste- hen telefonieren, oder zum Kollegen ins Nachbarbüro laufen, anstatt ihn nur anzurufen. Auch der richtige Stuhl, der sich dynamisch dem Rücken an- passt bzw. die Rückenmuskulatur aktiv fördert, ist bei einem langen Büroalltag wichtig. Wie stark der körperliche Verschleiß voranschreitet, kann der Mensch nur eingeschränkt beeinflussen. Doch durch Bewegung und Sport können wir dem frühzeitigen Verschleiß der Wirbelsäule entgegenwirken. REPORTAGE

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